EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Großsegler:
'GorchFock I', ex 'Towarischtsch'

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Lebenslauf:
Die „Gorch Fock I“ hat eine abenteuerliche Geschichte. Am 30. April 1945 wurde das Schiff - gebaut 1933 von der Hamburger Werft Blohm + Voss - im Strelasund südwestlich der Halbinsel Drigge gesprengt und versenkt. Bis dahin war sie dem 1. Schiffstammregiment auf dem Dänholm zur Ausbildung des Offiziersnachwuchses unterstellt.

Die Versenkung:
Zwei Besatzungsmitglieder schildern das Ende ihrer "Gorch Fock" im Jahre 1945.
Ende April 1945 hatten die sowjetischen Truppen Stralsund erreicht. Der deutsche Kampfkommandant von Greifswald kapitulierte am 30. April. Die "Gorch Fock" lag im Strelasund, etwa zwei Kilometer vom Ufer entfernt, vor Anker.

Der damalige Oberbootsmann Karl Köhnke berichtet:
"Unerwartet für uns erhielten wir in den Vormittagsstunden des 30. April Handfeuerwaffen und Munition. Wir sollten ein Übersetzen feindlicher Truppen nach Rügen verhindern. Der Vormittag ging vorüber und wir waren gerade mit dem Mittagessen fertig, als gegen 12 Uhr 30 eine Motorschute längsseits kam und Effekten übernehmen sollte. Ich begab mich zum Vorschiff unter Deck, um die notwendigen Maßnahmen vorzubereiten, als es plötzlich knallte und ich durch umherfliegende Splitter verletzt wurde. Nachdem ich wieder an Oberdeck war, sah ich die Bescherung. Wir wurden von Panzern, die auf dem Hochufer bei Andershof standen, beschossen. Der Beschuss dauerte etwa 45 Minuten, wobei die ,Gorch Fock' drei Granattreffer erhielt. Die Takelage des Fockmastes und der Rumpf wurden dabei beschädigt. Die Motorschute erhielt einen Treffer, wobei die Granate beide Bordwände durchschlagen hatte und zum Glück erst danach detoniert war. An Bord der Motorschute wurde ich notdürftig verbunden. Kurz darauf legte die Schute ab. Mit einigen Leuten meiner Wache liefen wir, ohne noch einmal die Insel Dänholm anzusteuern, zur Insel Hiddensee ab und gingen vor Kloster vor Anker. Am Vormittag des 1. Mai 1945 liefen wir in den Hafen Vitte ein."

Der Stralsunder Obermaat Busch schildert:
"Am 30. April erhielt ich zum Dienstbeginn, um 7 Uhr, vom Oberfeldwebel Bauer die Anweisung, das Verbindungsboot fahrbereit zu halten. Im Verlauf des Vormittages brachte man Kisten mit Sprengstoff zu mir an Bord. Kurz nach dem Mittagessen stieg das Sprengkommando, bestehend aus drei mir unbekannten Unteroffizieren, ein und wir fuhren zur ,Gorch Fock'. Die Schiffswache stieg auf mein Boot über, während das Sprengkommando sich an die Arbeit machte. Nachdem diese die Sprengladungen angebracht und die Zündschnüre gezündet hatten, stiegen auch sie zu mir an Bord und ich legte ab. In etwa 100 Meter Entfernung zum Schiff warteten wir gespannt auf die Detonation und ihre Folgen . . . Nach etwa vier bis fünf Minuten erfolgte die Detonation und das Schiff sackte langsam über den Achtersteven weg, wobei es sich leicht nach Backbord neigte. Nach etwa zehn Minuten setzte das Schiff auf den Grund auf."

Im Frühjahr 1947 begannen deutsche Spezialisten auf sowjetische Weisung damit, die 1392-Tonnen-Bark (82 Meter Länge, 12 m Breite, 4,8 m Tiefgang, 41,6 m Masthöhe) zu heben. Dies gelang nach vier Versuchen und war die erste Bergung eines Segelschiffs mit stehenden Masten. Im Sommer 1947 konnte die „Gorch Fock“ zur Grundüberholung in die Rostocker Neptun-Werft geschleppt werden.

Nach der Instandsetzung in Wismar stellte die sowjetische Marine den Schulsegler als „Towarischtsch“ mit Heimathafen Cherson am 15. Juni 1951 in Dienst. Nach dem Zerfall der Sowjetunion betrieb ihn die Ukraine. Am 17. August 1993, zum 60. Geburtstag, ankerte das Schiff erstmals wieder im Sund. Seit 1999 lag es fahruntüchtig als Expo-Schiff in Wilhelmshaven. Für eine Finanzierung und weitere Verwendung gab es dort keine konkreten Pläne.

Neuer Eigner ist der 1988 in Hamburg gegründete Verein Tall Ship Friends e.V., der das Schiff vergangene Woche von russischen Verkäufern erworben hat. Die Schiffspapiere sind an den 1. Vorsitzenden Wulf Marquard übergeben worden, der auch die Verhandlungen führte. Ob der alte Name oder „Gorch Fock“ mit dem Zusatz I wieder am Steven erscheint, ist noch nicht geklärt.






Sunday, 13. July 1997 - 21:11:12
Towarischtsch am Ende?
In Newcastle wurde das Schwesterschiff der 'Gorch Fock' an die Kette gelegt, weil die britische Aufsichtsbehörde den Großsegler für nicht mehr seetüchtig erklärt hatte.
In den vergangenen Jahren betrieb die Seefahrtsschule Kherson am Schwarzen Meer das Schiff für die Ausbildung und Reisen mit zahlenden Gästen aus aller Welt. Die Kassen in der Ukraine sind leer und für die Instandsetzung werden 4,5 Millionen DM benötigt. U.a. müssen 300 qm Stahlplatten am Rumpf ausgewechselt werden. Zahlreiche Unterstützergruppen haben sich gebildet, um das fehlende Geld aufzubringen.
Spenden (steuerlich absetzbar) in Höhe von 1,5 Millionen DM sind bereits vorhanden. Spendenkonto 'Rettet die Towarischtsch':
Konto 34322, BLZ 370 502 99, Kreissparkasse Köln




Thursday, 24. July 1997 - 13:45:15
TOVARISHCH an neuen Liegeplatz verholt

Am 7. Mai wurde die TOVARISHCH nach fast 2 Jahren in Northshields bei Newcastle in den 40sm südlich gelegenen Hafen von Middelsborough verholt. Dort wird das Segelschulschiff an seinem neuen Liegeplatz, den die Teeside Development Cooperation zur Verfügung gestellt hat, überholt.
Vorausgegangen waren Schweißarbeiten am Bug, um das Schiff sicher an neuen Liegeplatz schleppen zu können. Jetzt kann es richtig losgehen. Doch zuvor müssen noch die notwendigen Geldmittel aufgebracht werden. Dazu wurde eigens ein Spendenkonto beim Verein Tall-Ship Friends e.V. (siehe unten) eingerichtet. Ziel ist es, die TOVARISHCH wieder seetüchtig und segeltüchtig zu machen, sowohl für die Ausbildung ukrainischer Kadetten, als auch für Jugendliche und Erwachsene aus aller Welt, um so Betrieb und Unterhalt des Schiffes - nicht nur als fahrendes Denkmal - zu finanzieren.
Weitere Informationen zur Geschichte und zum Projekt TOVARISHCH, ex. Gorch Fock, bald auf dieser Seite.




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Towarisch unter russischer Flagge Royalrah gebrochen!
Wie die "Gorch Fock" zur "Towarisch" wurde
Mittwoch, 04.07. 2001, 06:47:56 Uhr
Das Segelschulschiff "Gorch Fock" läuft im April 1933 in Hamburg bei Blohm und Voss vom Stapel. Durch den Zweiten Weltkrieg kommt der Ausbildungsbetrieb zum Erliegen, und kurz vor Kriegsende versenkt die eigene Besatzung das Schiff vor Rügen.
Im folgenden harten Winter kommen Plünderer über das Eis. Die sowjetischen Besatzer lassen den Dreimaster 1947 bergen und bis 1951 in Stand setzen.
Die sowjetische Handelsflotte übernimmt ihn unter dem Namen "Towarisch" und bildet über 12.000 Kadetten darauf aus. Noch heute ist die Ausbildung auf einem Segelschiff für die Handelsflotte Russlands und der Ukraine Pflicht. In den 70er-Jahren nimmt die Bark an zahlreichen Regatten teil. Nach der Auflösung der Sowjetunion verbleibt sie in dem ukrainischen Hafen Cherson, der an der Dnepr-Mündung am Schwarzen Meer liegt.
Auf Einladung einer segelbegeisterten Jugendhilfsorganisation aus Newcastle soll das Schiff 1995 für umgerechnet 1,3 Millionen Mark überholt werden. Doch die Schäden erweisen sich als so schwerwiegend, dass das Schiff für seeuntüchtig erklärt wird. Im September 1999 kommt das Schiff nach Wilhelmshaven. Bis heute ist das Geld für die Reparatur nicht vorhanden. Der Vertrag über die Liegezeit läuft in diesem September aus.




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Towarisch wieder mitgebrochener Royalrah, diesmal unter ukrainischer Flagge ...

Stralsund: Großer Empfang für „Gorch Fock I“
Freitag, 26. September 2003, 07:19 Uhr

Freudentränen und beeindruckende Bilder gab es gestern bei der Ankunft der „Towarischtsch“: Tausende Menschen boten dem Schiff entlang des Seeweges bis zur Volkswerft ein Willkommen. Viele fuhren der Bark sogar mit dem Boot entgegen.

„Ein wunderschöner Augenblick für Stralsund“, sagt Hafenkapitän Wolfgang Weinert am Nachmittag. Er drückt die Gefühle vieler Stralsunder aus. Dann legt er ab mit der „Strela“. Der einstigen „Gorch Fock“ entgegen. An Bord auch Oberbürgermeister Harald Lastovka.

Das 82 Meter lange Schiff, Huckepack auf dem Dockschiff „Condock V“ (Bild von von Andreas Küstermann), fuhr auf dem Weg von Wilhelshaven zurück in die Hansestadt durch ein Riesenspalier von Bewunderern und Neugierigen. An der Brunsbütteler Schleuse hatte Erich Lafrenz (83) gewartet. 1944 war er als junger Soldat auf der damaligen „Gorch Fock“. Ein Jahr später wurde der Dreimaster, der 1933 in der Rekordzeit von zwei Monaten in Hamburg gebaut worden war, im Sund versenkt.

Kurz vor der Hansestadt entbietet an diesem sonnigen Donnerstag die „Greif“ ihren Gruß. Auch ein Berliner Freizeitkapitän ist unter den Fans auf dem Wasser. Der alte Frachtsegler „Rival“ von Ludolf Böhm stammt aus dem Jahr 1912.

Manchmal ist es schon verrückt. Da reiste Frank Diewock am Dienstag nach Wilhelmshaven, um sich die „Towarischtsch“ anzusehen. Doch da war sie schon unterwegs nach Stralsund. Also fuhr der Rüganer wieder nach Hause, stand gestern an der Kaikante des Südhafens. Dort harrt er der Ankunft des alten Schiffes. Mit ihm noch ungefähr 150 andere Interessierte, wie auch Jochen Munk.

Der 81-Jährige gehörte 1944 als Matrose zur Stammbesatzung des Ausbildungsschiffes. 1947 hat er es zum letzten Mal gesehen, nachdem es wieder aus den Fluten gehoben worden war. Später hofft der Mann aus Bergen, die Innenräume besichtigen zu können, schauen, wo einst sein Bett stand, vorn auf der Backbord-Seite.

Ein paar Schritte weiter schaut Rico Brandt Richtung Drigge. Er sei spontan in den Südhafen gefahren, hörte die Nachricht im Radio. „Ich hatte nichts anderes vor, das ist doch hier wirklich interessant“, sagt der 21-jährige Stralsunder.

Hans-Ulrich Westphal (71) hatte am 30. April 1945 den Knall gehört, mit dem die Gorch Fock unterging. „Der Mast ragte noch aus dem Wasser“, erinnert sich der ehemalige Zimmermann der Volkswerft. „Das Schiff gehört zu Stralsund, das wird ein Urlaubermagnet“, ist er sich sicher. Er glaubt, dass viele für den Segler spenden werden, damit er bald wieder flott ist.

Zum Großbild klicken! Schon seit Tagen bangte Norbert Dietrich (62) der Ankunft entgegen, verfolgte die Medienberichte und steht jetzt pünktlich bereit. Mit dem Fernglas sucht er immer wieder den Horizont ab. Mit Herzklopfen erwarten auch Wulf Marquard, Peer Schmidt-Walther und Reinhard Martin die Bark. Sie sind Initiatoren der Heimkehr.

Dann ist es soweit. Gegen 17.30 Uhr tauchen die drei Masten am Drigger Bogen auf. Dann sind auch die weißen Aufbauten der „Condock V“ zu sehen. Ein Bild, über das sich die Besatzung der „Altmark“ schon anderthalb Stunden früher freuen konnte.

Das Kontrollboot des BGS war dem Huckepack-Verband entgegengefahren. Traf ihn kurz vor Palmer Ort, der Südspitze Rügens. Ein kleiner Verband bildete sich. Immer mehr Boote schlossen sich an. Die „Strela“ reihte sich bei Stahlbrode ein, wie mancher Freizeitkapitän.

Sicher passen die gestutzten Masten des Großseglers unter der Hochspannungsleitung bei der Prosnitzer Schanze hindurch. An dieser Stelle hatte es 1993 Probleme gegeben, als die „Towarischtsch“ unter ukrainischer Flagge einen Abstecher nach Stralsund machte.

Von Höhe 23 auf der Halbinsel Devin aus beobachten Neugierige das Schauspiel. Hunderte auch vom Dänholm. Kurz vor der Volkswerft vergrößert sich der Konvoi auf etwa 50 Schiffe. Sogar Kanuten sind dabei.

Dann endlich: Die „Condock V“ steuert in einem weiten Bogen die Volkswerft an, nähert sich langsam der Kaikante und legt an. Es ist genau 18 Uhr. Am Heck der ehemaligen „Gorch Fock“ weht schon eine deutsche Flagge.
Quelle: OZ

Kiellegung 14.1.1933
Stapellauf am 3.5.1933

Abmessungen: LÜA 82 m
Breite 12 m
Tiefgang 5,20 m
Verdrängung 1534 t
Größte Masthöhe 42 m
Größte Rahlänge 24,6 m
Segelfläche 1797 qm




Weblinks:

Homepage der Gorch Fock I in Stralsund
Bilderseite
Segelschiffstypen in Wikipedia

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