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Hilferuf auf hoher See - 100 Jahre SOS


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«SOS» - diesem Hilferuf verdanken tausende Seeleute und Schiffspassagiere ihr Leben. Entstanden ist der Rettungsruf vor 100 Jahren: Am 3. Oktober 1906 vereinbarten Experten auf der Internationalen Funkkonferenz in Berlin die Einführung des SOS-Notrufs. Das Morsezeichen drei kurz, drei lang, drei kurz sollte unmissverständlich sein und Funkwachen in aller Welt über ein Schiff in Seenot alarmieren.

Heute ist der Begriff SOS weltweit Synonym für Hilferufe, in der Schifffahrt hat er jedoch längst keine Bedeutung mehr, und das Morsen wird nur noch von wenigen Amateurfunkern gepflegt. «Seit der Einführung eines internationalen satellitengestützten Seenot-Funksystems 1999 ist der Notruf SOS endgültig abgeschafft», sagt Antke Reemts von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bleiben viele Hilferufe von Schiffen in Seenot ungehört. Zwar gibt es bereits Funktechnik, doch keinen einheitlichen Notruf. Funker mit dem so genannten Marconi-System nutzen das Morse-Kürzel «CQD», die Deutschen verwendeten «SOE» und die Amerikaner «NC». Erst 1906 können sich Experten auf der Berliner Funkkonferenz auf das einheitliche «SOS» verständigen.

Die Buchstaben werden später mit «Save Our Souls» (Rettet unsere Seelen) oder «Save Our Ship» (Rettet unser Schiff) übersetzt, doch eine solche Bedeutung hatten sie gar nicht. «SOS war einfach nur ein prägnantes Kürzel, das von den Funkern schnell gesendet und erkannt werden konnte», sagt Reemts.

Bis zur einheitlichen Anwendung des Hilferufs sollten aber noch viele Jahre vergehen. Erstmals verwendet wird der Notruf SOS am 10. Juni 1909, als das Passagierschiff «Slavonia» der britischen Cunard-Line vor den Azoren Schiffbruch erleidet. Zwei Dampfer nehmen die Signale auf und eilen zu Hilfe. Das Schiff sinkt, die Passagiere können gerettet werden.

Kurz darauf, im August 1909, wird der Hilferuf erstmals von einem amerikanischen Schiff verwendet. Der Funker des Dampfers «SS Arapahoe» sendet SOS, als man im Atlantik die Schraube verliert.

Wie schwierig Rettung auf See im vergangenen Jahrhundert ist, zeigt auch der Untergang der «Titanic» im April 1912, der 1.500 Menschen das Leben kostet. Die Funkoffiziere senden sowohl den Seenotruf «CQD» als auch «SOS». Die werden vom Frachter «Carpathia» empfangen, das Schiff eilt zur Unglücksstelle und 712 Menschen können gerettet werden. Dem in der Nähe fahrenden Frachtschiff «Californian» bleiben die Notrufe jedoch verborgen, der Funker schläft.

Der Untergang der Titanic führt zu zahlreichen neuen Sicherheitsabkommen in der Schifffahrt. So wird kurz darauf eine Ausrüstungspflicht mit Funkanlagen beschlossen, und alle 30 Minuten müssen die Frequenzen auf Notrufe abgehört werden.

Heute nutzt die moderne Schifffahrt den weltumspannenden Satelliten-Funk für Notrufe. Der übliche Sprechfunk-Notruf lautet «Mayday», ein Wort, das aus dem französischen «M'aidez» (Helft mir) abgeleitet wurde. Die Seenotrettung wird weltweit von MRCC-Leitstellen (Maritime Rescue Coordination Center) übernommen. Dazu zählt auch die DGzRS in Bremen, die 2005 rund 1.700 Hilfseinsätze leistete, wobei etwa die Hälfte auf die Berufsschifffahrt entfiel. Fünf Mitarbeiter halten hier rund um die Uhr Wache, um Hilferufe aufzunehmen, die meist über spezielle Notruftasten an Bord oder automatische Bojen ausgelöst werden.

Doch nicht bei jedem Hilferuf müssen die Seenotretter aktiv werden, denn rund 90 Prozent sind Fehlalarme. «Die Ursachen dafür sind verschieden», sagt Reemts. «Manchmal werden die Bojen an Bord einfach nur nass oder es wird versehentlich ein Notruf abgesetzt.»



Weblinks:
Morsecode in Wikipedia
SOS in Wikipedia
Aktuelle Stories von früher im Archiv


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SOS-Morsesignal   Großbild klick!



Funkraum der Cargo Asie 1922   Großbild klick!























Morsetastatur   Großbild klick!










Die 'Titanic' vor der Katastrophe   Großbild klick!











Funkraum der 'Polarstern' 2007   Großbild klick!



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