Unterhaltsame Ifos zuEUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
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Nicht erst seit gestern benutzt die Werbebranche die Sportart Segeln als Vehikel zur Übermittlung ihrer Information: Seit Jahrzehnten wird Segeln als attraktiver Background für Werbebotschaften verwendet. Schon in der „Gartenlaube“, einem Familienblatt der zwanziger-Jahre, lassen sich erste Ansätze nachweisen.
TV-Abend, Werbeunterbrechung: Ein Rahsegler mit grünen Segeln (Bild der Alexander von Humboldt) gleitet über den Bildschirm (Botschaft: Becksbier trinken). Sind die Segler ein Volk von tumben Bierdimpfeln?
Drei Minuten später: Abendstimmung, der Bug eines Holzschiffes (Großaufnahme) läuft knirschend auf den Sandstrand auf. Ein junges Paar (sportlich-dynamisch) springt in den feuchten Sand und läuft Hand in Hand auf ein Haus mit warm erleuchteten Fenstern zu (Botschaft: Trinkt Johnny Walker!). Sind die Segler lauter Schnapsdrosseln?
Bald darauf: Zu gedämpften(!) Klängen von Vivaldi gleitet ein hochkarätiger PKW mit einer angehängten Traileryacht dem Mittelmeer entgegen (Botschaft: Daimler kaufen). Sind alle Segler Kapitalisten und schwerreich?
Nächster Werbeblock: Eine Blondine mit atemberaubenden Kurven liegt auf dem Bug eines Segelschiffes und cremt ihren bronzefarbenen Luxusbody (Botschaft: Kauf Delial). Sind alle Seglerinnen braungebrannte Luxusweibchen?
Was aber ist der Grund für erfolgreiche und marktorientierte Großunternehmen, sich mit dem Segeln zu identifizieren? Was hat diese Sportart an sich, daß sowohl hightech- als auch traditionsverbundene Firmen das Segeln als Aushängeschild nutzen? Wie sieht es um das Image der Segler aus?
Die Kreativen in den Werbetretmühlen suchen oftmals verzweifelt nach Werbeträgern, die positives „feeling“ vermitteln. Altbekanntes Motto: Kauf unser Produkt, dann bist du genauso (schön, erfolgreich, angesehen, reich, geliebt, sportlich) wie die (im Werbespot). Was eignet sich besser dazu als der Sport, der allgemein über einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert verfügt? Aber auch hier heißt es vorsichtig sein: Mit kämpferischen Kraftsportarten (Ringen, Gewichtheben, Boxen etc.) lassen sich vielleicht Baumaschinen aber keine Nobelkarossen verkaufen, mit Fußball gehen Fernseher, aber nicht die neun Beethoven-Sinfonien auf CD; mit Schach, intellektuell hochangesehen, sind bestenfalls Computer an den Mann zu bringen.
Wie sähe die ideale, die Wunschsportart der „Werbefritzen“ aus?
1.Klischee: Segeln ist teuer (teilweise richtig), daher sind alle Segler reiche Leute (stimmt nicht). Tatsache ist: Das Einkommen von Seglern liegt leicht über dem Durchschnittsverdienst des Bundesbürgers.
2.Klischee: Segler sind reiche Playboys. Der Hintergrund: Wer hat noch nie in Illustrierten / Filmen / Plakaten / Werbeprospekten einen gut gekleideten Schönling am Ruder einer Hochseejacht gesehen, in einer Hand das Glas Whisky, die andere lässig um eine attraktive Frau gelegt? (Mit welcher Hand steuert dieser Tausendsassa eigentlich?) Dies ist mit Abstand das Klischee, das am unzutreffendsten ist, welches aber trotz allem dem Segelsport am meisten geschadet hat. In der Tat wird es oft verwendet, um Uhren (Preisklasse Rolex) oder hochprozentige alkoholische Getränke an den Mann zu bringen.
3.Klischee: Segler sind immer gut gelaunt und lächeln immer (laut Werbung). Besprechung überflüssig.
4.Klischee: Segler sind immer sportlich-tipptopp und hell gekleidet. Dieses Klischee wird von der Werbebranche aus naheliegenden Gründen verbreitet: In weitaus den meisten Filmen ist „der Böse“ dunkel, wenn nicht gar schwarz gekleidet, trägt zumindest ein schwarzes Hemd! „Der Gute“ dagegen ist immer hell oder weiß gekleidet. Symbolhaft für die positive Nachricht steht die helle Kleidung. Tatsache ist: Segler sind meist sportlich-korrekt bis konservativ gekleidet.