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Die erste schwimmende Stadt kommt 2020



Entwurf einer Schwimmenden Stadt
(Bild: JackDayton)   Großbild klick!
Was vor wenigen Jahren noch als utopischer Traum einer kleinen Gruppe von Weltverbesserern galt, soll bald schon Realität werden, wenn auch zu Beginn in kleinem Format. Das Seasteading Institute in Kalifornien hat sich mit Französisch-Polynesien geeinigt, vor Tahiti eine schwimmende Insel zu errichten. Bereits 2020 soll das Projekt fertig sein.
Die Idee selbst ist gerade mal ein Jahrzehnt alt und geht auf Patri Friedman, Ex-Software-Entwickler und Enkel von Nobelpreis-Träger Milton Friedman, zurück. Das von ihm gegründete gemeinnützige Seasateading Institute sucht seitdem nach Wegen, Umwelt- und andere Probleme durch schwimmende Städte zu lösen.

Dabei geht es vor allem um Klimawandel und den steigenden Meeresspiegel, der für tiefliegende Regionen als große Gefahr gilt. Tahitis Hauptstadt Papeete gehört zur Risikogruppe.

Zum Glück ist der Ozean rund um die Inselgruppe ruhig und flach genug, um einen Ponton verankern zu können. Die Seasteading-Welt soll aus Geopolymerbeton gebaut werden, einem Zweikomponentensystem aus gemahlenem natürlichem Gestein und einem umweltverträglichen Bindemittel. Der Prototyp soll ein Zuhause für etwa ein Dutzend Menschen bieten, aber längerfristig ausgebaut werden.

Außer um das Problem von ertrinkenden Städten geht es Friedman und seinen Mitinvestoren, darunter Paypal-Gründer Peter Thiel, längerfristig auch um die Bekämpfung von Armut, ein Leben in Gleichgewicht mit der Natur, der Nutzung von Aquakultur und Meereswärmekraftwerken sowie der Befreiung von Bürokratie.

Patri Friedman
(Bild: Hannu Makarainen)   Großbild klick!
Was davon umsetzbar ist, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Friedmans Traum von außerhalb der bisherigen nationalen Grenzen errichteten, von Regierungen unabhängigen Kommunen und Städten scheitert zurzeit an der Nähe der Insel zum Festland. Der Prototyp soll in Französisch-Polynesiens Hoheitsgewässern verankert werden und ist damit den dortigen Gesetzen unterworfen.

Auch die Energiegewinnung ist noch nicht geklärt. Die Meereswärmekraftwerke sollen die unterschiedlichen Wassertemperaturen am Meeresboden und der Meeresoberfläche nutzen. Die Idee selbst ist alt. Das erste Konzept stammt aus dem Jahr 1881 von dem französischen Ingenieur Jacques-Arsene d’Arsonval, wurde allerdings von ihm nicht getestet. Seitdem wurden immer wieder Versuche unternommen, kommerziell tragbare Modelle zu bauen. Die schwimmende Siedlung wird daher zumindest für den Anfang durch Wind- und Sonnenenergie versorgt werden.

Längerfristig erhoffen sich Friedman und Co., ganze Städte mit verschiedenen Gesellschafts- und Regierungsformen zu errichten, in denen die Menschen unabhängiger leben können. Als Zahlungsmittel schweben ihnen dezentrale Kryptowährungen vor, die wie ein weltweites großes Transaktionsbuch funktionieren, limitiert und fälschungssicher sind. Mehrere Quadratmeter groß sollen diese Seasteads der Zukunft sein, mit Platz für Tausende von Menschen. Schulen, Krankenhäuser, Restaurants stellen sich die Macher vor. Kohlendioxid-umwandelnde Algen, die gezüchtet werden, sollen die Atmosphäre reinigen und zugleich als Nahrungsmittel für die Armen dienen.

Schon bald wird sich vor Tahiti zeigen, ob die Grundlagen des Konzepts tragfähig genug sind, um die Utopie der Investoren Wirklichkeit werden zu lassen.


Schlagwörter: Schwimmende Stadt, Patri Friedman, Seasateading Institute, Hafen, Yachthafen, Ankerbucht, Wassertiefen, Tourismus, Fremdenverkehr, Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Segeln, Wind, Windbedingungen, Revierinformation für Segler, Seglerinfo

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