EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Die ALTE und die NEUE DONAU bei
WIEN
Von Otto Slawicek / Yacht Revue
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Die Flußlandschaft veränderte sich ständig. Im frühen Mittelalter floß die Donau mit ihrem "Wiener
Arm" direkt auf die heutige Innenstadt entlang; die Kirche "Maria am Gestade" lag um 1158 noch am
Flußufer. Doch schon 50 Jahre später war der "Wiener Arm" so weit nach Norden abgerückt, daß die
Stadtbefestigungen erweitert werden mußten. Um die Wende zum Mittelalter zur Neuzeit verlief das
Hauptstrombett quer durch die heutige Brigittenau. Am Anfang des 18. Jahrhunderts grub sich die
Donau abermals ein neues Bett; das der heutigen "Alten Donau".
Oft trat die Donau während der Schneeschmelze oder nach andauernden Regenfällen aus den Ufern.
Weite Gebiete des Marchfeldes waren vom Hochwasser bedroht. Noch gefährlicher als die
Frühsommerhochwässer waren die Eishochwässer. Nach Treibeisbildungen auf der Donau kam es
bei der Stromenge von Hainburg zu einem Stau der Treibeisschollen. Bei Andauern des Frostes
sammelt sich ein Eisstoss an, der bis über Wien zurückreichen konnte. Plötzlich einsetzendes
Tauwetter erhöhte nur den Wasserzustrom, ohne den Eisstoss sofort abzuschmelzen. Die
Wassermassen konnten nicht rasch genug abfließen; es kam bis zum Stauhochwasser. Die Flutwellen
schoben riesige Eisblöcke vor sich her, die Häuser, Gehöfte, und Dörfer zertrümmerten.
Seit dem 10. Jahrhundert sind mehr als 150 Hochwasserkatastrophen bekannt. 17 Ufersiedlungen
wurden zerstört, darunter befand sich auch das Dorf Ringelsee nächst dem Mühlschüttel, wo heute
der Wiener Yacht Club seinen Sitz hat. 1515 wurde der Ort zum letzten Mal im Klosterneuburger
Salbuch erwähnt: " ... ist gelegen underhalb der Alten brugken, aber die thonaw hats hinweg
getragen."
Den eigentlichen Anstoss zur Donauregulierung gaben die großen Hochwässer von 1830 und 1862,
die weite Teile des Marchfeldes überschwemmten. Auch die Ende des 18. Jahrhunderts aufgeführten
Regulierungsarbeiten und Dammbauten (Hubertusdamm) waren unzulänglich
Der spätere Bürgermeister Dr. Cajatan Felder, der 1865 in die Donauregulierungskommission
entsendet wurde, vertrat die Zielsetzung, den Hauptstrom der Donau in die möglichste Nähe der Stadt
Wien zu verlegen. Durch die Beiziehung von Georg Sexamer, Grossherzoglich-Badischer Oberbaurat
erlangte das von der Stadt Wien vertretene Projekt die Oberhand.
Die Wasserbauexperten Abernathy und Sexamer sahen die Zusammenfassung der Donau in einem
für die Großschiffahrt geeigneten Bett vor. Der alte Stromverlauf war bei Nußdorf, bei Stadlau und
etwa bei Albern ungefähr mit dem geplanten neuen Strombett ident, die dazwischen liegenden Stücke
des neuen Stromverlaufes mußten durch zwei große Durchstiche geschaffen werden.
Am 14. Mai 1870 tat Kaiser Franz Josef beim Kaiserwasser den ersten Spatenstich. Mit der Grabung
wurde im Gebiet der heutigen Stadlauer Ostbahnbrücke begonnen. Etwa 1000 Arbeiter - vorwiegend
Italiener, Polen, Tschechen und Slowaken - gruben mit riesigen Maschinen und Schiffsbaggern , die
bereits beim Bau des Suezkanals verwendet worden waren, stromaufwärts in Richtung Rollerdamm.
Nach fünfjähriger Bauzeit waren die Arbeiten im Durchstichbassin beendet und am 15. April 1875
wurde der Rollerdamm durchstoßen und die Donau strömte in das neue Bett.
Der Alte Hauptstrom wurde oberhalb der Floridsdorfer Brücke abgedämmt und war damit zum
stehenden Gewässer geworden. Was bis zur Donauregulierung Hauptstrom und Fahrwasser für die
Schiffahrt war, wurde ab 1875 die "Alte Donau" genannt. Dieses sogenannte "Große Becken"
zwischen der Brücke der Kaiser Ferdinands Nordbahn und dem Damm der Kagraner Reichsstraße
(heute Wagramer Straße) diente vornehmlich der Ausübung des Rudersportes und der Eisgewinnung.
Die alten Schiffsmüller, die vorher das Gebiet des Mühlschüttels geprägt hatten und ihm seinen
Namen gegeben hatten, waren in die Freudenau übersiedelt.
Damit konnte sich die Alte Donau zu einem Freizeitgebiet, wie es kaum ein andere Großstadt
aufzuweisen hat, entwickeln (SEGELN 7 Minuten vom Stephansplatz)
Das erste Freibad auf Floridsdorfer Boden befand sich im Besitz der Familie Birner. Auf einer
idyllischen Donauinsel gelegen, war es zuerst mit dem Festland durch eine Zillenüberfuhr verbunden
und wurde nach der Höhe des Eintrittsgeldes "Vier Kreuzer -Bad" genannt. Einige Jahre nach dem
ersten Weltkrieg übernahm dieses Bad die Gemeinde Wien und wurde es zum "Angelibad"
ausgestaltet und durch einen Steg, den "Birnersteg" mit dem Ufer verbunden.
Neben dem "Vier Kreuzer Bad" existierte bis 1972 noch ein anderes nobleres Schwimmbad, das
"Zehn Kreuzer-Bad" am Mühlschüttler Ufer. Es bestand bis 1972 noch als "Birner Bad" vor der
gleichnamigen Gastwirtschaft. Heute ist das Gelände frei zugänglich; die Trassierung des alten
Bades ist aber noch erkennbar.
2. Die Regatten der "Dreißiger Jahre"
Die Internationalen Wiener Frühjahrswochen im Jahre 1930 wurden gemeinsam mit dem UNION
YACHT CLUB Stammverein, dem UNION YACHT CLUB Zweigverein Neusiedlersee, der Wiener
Ruder und Segelclub Vereinigung und dem Segelverein Floridsdorf (heute WYC) veranstaltet.
Besondere Schwerpunkte die 10 m2 Rennklasse und die "Olympia Jollen"
3. Anschluß und Kriegsjahre
Am 11. März 1938 um 19.30 Uhr erklärte der Österreichische Bundeskanzler Schuschnigg im
Rundfunk " ... ich weiche der Gewalt. Gott schütze Österreich"
Die Segelvereine wollten selbständig bleiben und haben sich dem Deutschen Seglerverband
angeschloßen bzw. um Wiederaufnahme angesucht.
1940 wurden Kriegs-Segelwettfahrten auf der Alten Donau abgehalten.
1943 wurde das Ansegeln aller auf der Alten Donau beheimateten Vereine beim Starthaus des Union
Yacht Club durchgeführt.
1944 wurden die Anlagen des Segelverein Floridsdorf durch einen Bombenangriff völlig zerstört.
4. Nachkriegszeit
Der provisorische Hauptausschuß des Österreichischen Segelverbandes lud zur 1. Ordentlichen
Vertreterversammlung für den 19. und 20. April 1947 ein. Die damals beschlossene Anweisung Nr. 1
für Vermesser vom April 1947 enthielt die grundlegenden Bestimmungen für die Neuanlage eines
österreichischen Yachtregisters. Die Klassenzeichen, vornehmlich bestehend aus Buchstaben oder
Ziffern, wurden in Anlehnung an die bisherigen Gepflogenheiten gewählt. Die österreichischen
Schiffe wurden aber nun neu durchnumerieret
Am 31. Dezember 1947 wurde der Österreichische Segelverband vom Alliierten Rat, Marinedirektorat
gebilligt. Die später modifizierten Zulassungsbedingungen sahen unter anderem vor, daß Offiziere der
ehemaligen Wehrmacht Deutschlands nicht zu Mitgliedern des Verbandskomitees gewählt werden
dürfen, dies galt auch für verantwortliche Mitglieder der einzelnen Clubs. Man mußte erklären, daß
keine militärische Jugenderziehung betrieben wird und die Vorstände hatten zu erklären, daß sie alle
Mittel ergreifen werden, um derartige Bestimmungen unmöglich zu machen.
Neben der 10 m2 Rennklasse, der O-Jolle, Fünferl wurden 1949 die Baubestimmungen für die Pirat-
Klasse veröffentlicht.
5. Sportlicher Aufschwung
Der Österreichische Segelverband übertrug 1954 dem Wiener Yacht Club die Durchführung der
Staatsmeisterschaft in der 10 m2 Klasse und wurde - nachdem auch das IOC sein 60 jähriges
Bestehen feierte- zusammen mit dem UNION YACHT CLUB Stammverein, dem UNION YACHT
CLUB Neufeldersee und dem UNION YACHT CLUB Neusiedlersee mit diesem Event die "Wiener
Segelwoche 1954" an der UNTEREN und OBEREN Alten Donau alternierend durchgeführt.
(Bootsklassen PIRAT-OJOLLE - 10 m2 Rennklasse)
1959 wurde die Finn-Klasse an der Alten Donau heimisch 1960 fanden die letzten Regatten in der O-
Jollenklasse statt. 1963 fand die erste FD-Regatta in Wien statt. Ab 1970 fand die erste OPTIMIST - Regatta, 1973 die letze Regatta in der 10 m2 Rennklasse statt. Es kam der 470er, die Robby Jolle und die OK-Jolle und 1975 die erste Regatta im 420er, dann die Laser-Klasse. | Links können sich ggf. ändern. Darauf haben wir leider keinen Einfluß. Sollten Sie ein totes Link entdecken, schreiben Sie uns bitte eine Mail. Vielen Dank im Voraus! |