Segeln: Marinas in der Türkei
    EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
    Neue Marinas in der Türkei?
    von Ott Slawicek + Yachtrevue




    Neue Marinas in der Türkei: Statt der bestehenden 18 sollen in fünf Jahren 43 Marinas in Betrieb sein. ANDREA HORN und WYN HOOP recherchierten vor Ort
    Ergänzungen von Peter O. Walter, SY ESYS

    Vor 15 Jahren begann in der Türkei der Charterboom, Stützpunkte schossen aus dem Boden, nach und nach entstanden Marinas mit guten Servicemöglichkeiten, Gemeindehäfen und Werften stellten sich auf die Bedürfnisse moderner Yachten ein.
    Der nautische Tourismus entwickelte sich zum wichtigen Devisenbringer. Das Verkehrsministerium in Ankara informierte nun, daß im Laufe der nächsten fünf Jahre zu den bestehenden 18 Marinas 25 weitere hinzukommen sollen, was eine Kapazität von 20.000 Liegeplätzen ergibt. Diese Vorhaben beziehen sich allerdings nicht nur auf die von den Charterflotten seit Beginn favorisierte West- und Südküste, sondern auch auf die nördliche Ägäis, das Marmara und das Schwarze Meer.
    Es wird nicht einfach sein, die drei letztgenannten Reviere, die im Chartergeschäft nach wie vor einen „weißen Fleck“ darstellen, populär zu machen, denn die Beliebtheit eines Reviers hängt nicht nur von guten Yachthäfen, sondern auch vom warmen Wetter, der Sauberkeit des Wassers, den Windverhältnissen und dem Vorhandensein sicherer und einladender Buchten ab.
    Leider gleicht das Wetter im Marmara und dem Schwarzen Meer eher dem der Ostsee, graue und nasse Tage sowie niedrige Temperaturen sind kein Einzelfall. Das mit dem Wind geht hingegen in Ordnung, aber die Wasserqualität ist – besonders entlang der Schiffahrtsrouten – verheerend, und um Buchten ist es am Schwarzen Meer ganz schlecht bestellt; im Marmarameer findet man dafür einige wenige im Bereich der Marmara-Inseln.
    Mit diesen Grundvoraussetzungen werden die Gewässer im Norden der Türkei wohl eher bei Meilensammlern Anklang finden oder bei einigen Eignern von Privatyachten, die mit genügend Zeit und Forscherdrang ausgestattet sind.

    Plan und Wirklichkeit

    Wir haben vorerst das Herzstück zwischen Izmir und Antalya unter die Lupe genommen, um zu erfahren, was an den Ankündigungen des Ministeriums dran ist:
    Der Stand der Dinge im Hafen von Çesme, 80 Kilometer westlich von Izmir, berechtigt zu großen Hoffnungen. Das Becken ist ringsum mit Kaimauern versehen und auf ausreichende Tiefe ausgebaggert worden. Am Westkai sollen im nächsten Jahr bereits 400 neue Liegeplätze beziehbar sein.
    Auch im nördlich benachbarten Dalyanköy, bekannt durch seine exzellenten Fischlokale, schreiten Kaibefestigung und Baggerarbeiten hurtig voran. Der Geldgeber für dieses Projekt ist eine Fischereigenossenschaft.
    Erfreuliches gibt es auch aus der Setur Golden Dolphin Marina zu berichten. Megayachten finden Anlegemöglichkeiten am nördlichen Wellenbrecher, vor einsteigendem Seegang schützt sie eine erhöhte Mauer. Den kleinen Motoryachten sind vier neue Anleger an der Westseite gewidmet, und die gefährliche Klippe im Südteil ist weggesprengt worden. Trotzdem Vorsicht: Es stehen nur 1,3 Meter Wasser darüber.
    Alaçati, ebenfalls im Dunstkreis von Çesme, ist aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erwacht, Baggerarbeiten, Wellenbrecherverlängerung und Kaiverläufe sind unter Dach und Fach. Die Fischer sind in ein kleineres Becken ausquartiert worden, und in der Flußmündung entsteht ein türkisches „Venedig“ mit Häusern an Kanälen und Bootsplätzen davor.
    Auf dem langen Abschnitt von hier bis Bodrum ist noch keines der neuen Projekte in Angriff genommen worden.
    Die staatlichen Marinas Kusadasi und Bodrum wurden (ebenso wie die Marina in Kemer) am 21. August 1997 an verschiedene private Gruppen verkauft. Man darf auf Verbesserungen bzw. Erweiterungen gespannt sein. Die Turban-Marinas – so wurden die staatlichen Marinas genannt – waren in den letzten Jahren immer weniger gepflegt worden, erneuert wurde praktisch nichts. Die drei Marinas verlieren jedenfalls nun ihren Zusatz „Turban“.
    Weiters sind für Bodrum zwei Yachthäfen veranschlagt, einer davon unmittelbar südwestlich des Hafens vor einer Ferienanlage am Kap Haremten Burnu. Dieses Vorhaben hat, dem Vernehmen nach, beste Chancen für eine Realisierung.
    Die zweite der neu zu erbauenden Marinas vor den östlich des Hafens angesiedelten Werften (zwischen Yat Lift und Erol Agan) wird wahrscheinlich an den hohen Kosten scheitern, da nach Hafenbauregeln die Fundamentsohle des Wellenbrechers wegen der großen Tiefen eine Breite von 50 Meter haben müßte. In Datça konnten wir keinerlei Veränderungen feststellen, und auch im reizlosen, aber bei westlichen Winden gut brauchbaren Fährhafen Körmen an der Nordseite der Datça-Halbinsel, der seit Jahren in eine Marina verwandelt werden soll, zeigt sich noch immer das alte Bild, nämlich gar nichts. Die neue Leitung der Bay Marina im schönen Keçi Bükü am Südostende des Datça-Golfes hat für mehr Landstellplätze gesorgt.
    Der nächste Schritt ist die Schaffung von mehr Plätzen im Wasser, die ein Wellenbrecher – das Material für den Sockel ist zu besichtigen – vor dem Schwell schützen wird, der sich aufgrund der hier üblichen auflandigen Winde äußerst störend auswirkt. In und um Marmaris tut sich noch nichts in Sachen neue Yachthäfen; geplant sind sie in der Bucht von Turunç an der Westseite und vor dem bewaldeten Ufer im äußersten Nordosten des Golfes. Die bereits bestehenden Marinas, Netsel (Luftbild Marina Marmaris) und Albatros, haben Hochbetrieb.
    Göcek, im Nordwesten des Fethiye Golfes, hat sich dank der drei vorhandenen und zum Teil bereits erweiterten Marinas (Göcek Club, Skopea und Gemeindemarina) zu einem beliebten Yachtzentrum vor hübsch bepflanzten Promenaden entwickelt.
    Der Bau von 200 weiteren Liegeplätzen südlich der Gemeindemarina beginnt definitiv nach der Sommersaison – im Sommer herrscht allgemeiner Baustopp, um die Touristen keiner Lärmbelästigung auszusetzen.
    Fethiye bietet eine Anzahl neuer Liegemöglichkeiten zwischen dem Yachtkai und der Cargobrücke, allerdings hat es fast alle Segelyachten nach Göcek hingezogen, während sich in Fethiye die Gulets tummeln.
    Im Yachtclub Kalkan findet man außer Duschen und WCs eine Wäscherei und eine Café-Bar, in der man auch frühstücken kann. Eine großzügige Badeplattform an der Rückseite des Clubgebäudes wertet den Zwischenstopp weiter auf. Die Hafentankstelle ist verschwunden, gebunkert wird nun aus Tankwagen; Hilfestellung gibt dabei der Wirt des Teepavillons am kleinen Wellenbrecher. In Kas ist es mit der Hygiene und der sauberen Wäsche ebenfalls bestens bestellt, auch der monströse, scheinbar im Eigenbau erstellte Travellift ist in Betrieb. Leider war nirgends, auch nicht beim Hafenmeister herauszufinden, wieviele Tonnen er bewältigt.
    Setur, eine private im Tourismus engagierte Gruppe, hat sich der Marina von Finike angenommen und betreibt langsam aber stetig deren endgültige Fertigstellung. Die wichtigste Änderung betrifft die Tankstelle: Sie ist an den Kai des Nordwellenbrechers verlegt worden und bietet an drei Säulen alle Kraftstoffarten. Nichts Neues können wir aus der bisher staatlichen Kemer Marina vermelden, die erst im August 1997 privatisiert wurde.
    Zu den erfreulichsten unter den türkischen Marinas gehört, trotz ihrer wenig attraktiven Lage im Handelshafen, die Setur Antalya Marina. Sie wird vom rührigen und kompetenten Hasan Kac¸maz geleitet und hat, ähnlich wie die Marinas in Göcek, die Yachten des Reviers vereint. Zusätzliche Plätze im Wasser und an Land sind entstanden, außerdem stehen die Chancen gut für weitere 600 Liegemöglichkeiten in einem Nachbarbecken.
    Auch die Kaleici Marina zu Füßen der Altstadt von Antalya ist zur Domäne der Gulets geworden, auf Yachten trifft man hier kaum und schon gar nicht auf Veränderungen. Soviel zum Einstieg in den Fünfjahresplan. Man darf gespannt sein...

    Setur-Marinas:

    • Um die interaktive Nutzung der Setur-Marinas zu fördern, gibt es einen Preisnachlass von 50 Prozent auf allen Mooringplätzen für Yachten, die einen laufenden Kontrakt mit einer der Setur-Marinas haben.
    • Die Setur-Marina Organisation bietet zusätzlich einen speziellen Clubvertrag (Setur Marina Gold Club), der einen kostenlosen Aufenthalt in allen anderen Setur-Marinas während der laufenden Vertragsperiode beinhaltet.

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