EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Vor 15 Jahren begann in der Türkei der Charterboom, Stützpunkte schossen aus
dem Boden, nach und nach entstanden Marinas mit guten Servicemöglichkeiten,
Gemeindehäfen und Werften stellten sich auf die Bedürfnisse moderner Yachten ein.
Der nautische Tourismus entwickelte sich zum wichtigen Devisenbringer.
Das Verkehrsministerium in Ankara informierte nun, daß im Laufe der nächsten
fünf Jahre zu den bestehenden 18 Marinas 25 weitere hinzukommen sollen, was eine
Kapazität von 20.000 Liegeplätzen ergibt. Diese Vorhaben beziehen sich allerdings
nicht nur auf die von den Charterflotten seit Beginn favorisierte West- und Südküste,
sondern auch auf die nördliche Ägäis, das Marmara und das Schwarze Meer.
Es wird nicht einfach sein, die drei letztgenannten Reviere, die im Chartergeschäft
nach wie vor einen „weißen Fleck“ darstellen, populär zu machen, denn die
Beliebtheit eines Reviers hängt nicht nur von guten Yachthäfen, sondern auch vom
warmen Wetter, der Sauberkeit des Wassers, den Windverhältnissen und dem
Vorhandensein sicherer und einladender Buchten ab.
Leider gleicht das Wetter im
Marmara und dem Schwarzen Meer eher dem der Ostsee, graue und nasse Tage
sowie niedrige Temperaturen sind kein Einzelfall. Das mit dem Wind geht hingegen
in Ordnung, aber die Wasserqualität ist – besonders entlang der Schiffahrtsrouten –
verheerend, und um Buchten ist es am Schwarzen Meer ganz schlecht bestellt; im
Marmarameer findet man dafür einige wenige im Bereich der Marmara-Inseln.
Mit diesen Grundvoraussetzungen werden die Gewässer im Norden der Türkei wohl
eher bei Meilensammlern Anklang finden oder bei einigen Eignern von Privatyachten,
die mit genügend Zeit und Forscherdrang ausgestattet sind.
Plan und Wirklichkeit
Wir haben vorerst das Herzstück zwischen Izmir und Antalya unter die Lupe
genommen, um zu erfahren, was an den Ankündigungen des Ministeriums dran ist:
Der Stand der Dinge im Hafen von Çesme, 80 Kilometer westlich von Izmir,
berechtigt zu großen Hoffnungen. Das Becken ist ringsum mit Kaimauern versehen
und auf ausreichende Tiefe ausgebaggert worden. Am Westkai sollen im nächsten
Jahr bereits 400 neue Liegeplätze beziehbar sein.
Auch im nördlich benachbarten
Dalyanköy, bekannt durch seine exzellenten Fischlokale, schreiten Kaibefestigung
und Baggerarbeiten hurtig voran. Der Geldgeber für dieses Projekt ist eine
Fischereigenossenschaft.
Erfreuliches gibt es auch aus der Setur Golden Dolphin Marina zu berichten.
Megayachten finden Anlegemöglichkeiten am nördlichen Wellenbrecher, vor
einsteigendem Seegang schützt sie eine erhöhte Mauer. Den kleinen Motoryachten
sind vier neue Anleger an der Westseite gewidmet, und die gefährliche Klippe im
Südteil ist weggesprengt worden. Trotzdem Vorsicht: Es stehen nur 1,3 Meter
Wasser darüber.
Alaçati, ebenfalls im Dunstkreis von Çesme, ist aus jahrzehntelangem
Dornröschenschlaf erwacht, Baggerarbeiten, Wellenbrecherverlängerung und
Kaiverläufe sind unter Dach und Fach. Die Fischer sind in ein kleineres Becken
ausquartiert worden, und in der Flußmündung entsteht ein türkisches „Venedig“ mit
Häusern an Kanälen und Bootsplätzen davor.
Auf dem langen Abschnitt von hier bis Bodrum ist noch keines der neuen Projekte
in Angriff genommen worden.
Die staatlichen Marinas Kusadasi und Bodrum
wurden (ebenso wie die Marina in Kemer) am 21. August 1997 an verschiedene
private Gruppen verkauft. Man darf auf Verbesserungen bzw. Erweiterungen
gespannt sein. Die Turban-Marinas – so wurden die staatlichen Marinas genannt –
waren in den letzten Jahren immer weniger gepflegt worden, erneuert wurde
praktisch nichts. Die drei Marinas verlieren jedenfalls nun ihren Zusatz „Turban“.
Weiters sind für Bodrum zwei Yachthäfen veranschlagt, einer davon unmittelbar
südwestlich des Hafens vor einer Ferienanlage am Kap Haremten Burnu. Dieses
Vorhaben hat, dem Vernehmen nach, beste Chancen für eine Realisierung.
Die zweite
der neu zu erbauenden Marinas vor den östlich des Hafens angesiedelten Werften
(zwischen Yat Lift und Erol Agan) wird wahrscheinlich an den hohen Kosten
scheitern, da nach Hafenbauregeln die Fundamentsohle des Wellenbrechers wegen
der großen Tiefen eine Breite von 50 Meter haben müßte.
In Datça konnten wir keinerlei Veränderungen feststellen, und auch im reizlosen,
aber bei westlichen Winden gut brauchbaren Fährhafen Körmen an der Nordseite
der Datça-Halbinsel, der seit Jahren in eine Marina verwandelt werden soll, zeigt sich
noch immer das alte Bild, nämlich gar nichts.
Die neue Leitung der Bay Marina im schönen Keçi Bükü am Südostende des
Datça-Golfes hat für mehr Landstellplätze gesorgt.
Der nächste Schritt ist die
Schaffung von mehr Plätzen im Wasser, die ein Wellenbrecher – das Material für den
Sockel ist zu besichtigen – vor dem Schwell schützen wird, der sich aufgrund der hier
üblichen auflandigen Winde äußerst störend auswirkt.
In und um Marmaris tut sich noch nichts in Sachen neue Yachthäfen; geplant sind
sie in der Bucht von Turunç an der Westseite und vor dem bewaldeten Ufer im
äußersten Nordosten des Golfes. Die bereits bestehenden Marinas, Netsel
(Luftbild Marina Marmaris) und
Albatros, haben Hochbetrieb.
Göcek, im Nordwesten des Fethiye Golfes, hat sich dank der drei vorhandenen und
zum Teil bereits erweiterten Marinas (Göcek Club, Skopea und Gemeindemarina) zu
einem beliebten Yachtzentrum vor hübsch bepflanzten Promenaden entwickelt.
Der
Bau von 200 weiteren Liegeplätzen südlich der Gemeindemarina beginnt definitiv
nach der Sommersaison – im Sommer herrscht allgemeiner Baustopp, um die
Touristen keiner Lärmbelästigung auszusetzen.
Fethiye bietet eine Anzahl neuer Liegemöglichkeiten zwischen dem Yachtkai und
der Cargobrücke, allerdings hat es fast alle Segelyachten nach Göcek hingezogen,
während sich in Fethiye die Gulets tummeln.
Im Yachtclub Kalkan findet man außer Duschen und WCs eine Wäscherei und eine
Café-Bar, in der man auch frühstücken kann. Eine großzügige Badeplattform an der
Rückseite des Clubgebäudes wertet den Zwischenstopp weiter auf. Die
Hafentankstelle ist verschwunden, gebunkert wird nun aus Tankwagen; Hilfestellung
gibt dabei der Wirt des Teepavillons am kleinen Wellenbrecher.
In Kas ist es mit der Hygiene und der sauberen Wäsche ebenfalls bestens bestellt,
auch der monströse, scheinbar im Eigenbau erstellte Travellift ist in Betrieb. Leider
war nirgends, auch nicht beim Hafenmeister herauszufinden, wieviele Tonnen er
bewältigt.
Setur, eine private im Tourismus engagierte Gruppe, hat sich der Marina von Finike
angenommen und betreibt langsam aber stetig deren endgültige Fertigstellung. Die
wichtigste Änderung betrifft die Tankstelle: Sie ist an den Kai des
Nordwellenbrechers verlegt worden und bietet an drei Säulen alle Kraftstoffarten.
Nichts Neues können wir aus der bisher staatlichen Kemer Marina vermelden, die
erst im August 1997 privatisiert wurde.
Zu den erfreulichsten unter den türkischen Marinas gehört, trotz ihrer wenig
attraktiven Lage im Handelshafen, die Setur Antalya Marina. Sie wird vom
rührigen und kompetenten Hasan Kac¸maz geleitet und hat, ähnlich wie die Marinas
in Göcek, die Yachten des Reviers vereint. Zusätzliche Plätze im Wasser und an Land
sind entstanden, außerdem stehen die Chancen gut für weitere 600
Liegemöglichkeiten in einem Nachbarbecken.
Auch die Kaleici Marina zu Füßen der Altstadt von Antalya ist zur Domäne der
Gulets geworden, auf Yachten trifft man hier kaum und schon gar nicht auf
Veränderungen.
Soviel zum Einstieg in den Fünfjahresplan. Man darf gespannt sein...
Setur-Marinas: