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Das Schiff trieb die Säge an



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Als die Chiemsee-Schifffahrt im Jahr 1845 gegründet wurde, ahnte noch niemand etwas von der Bedeutung, die dieser Betrieb mit der Zeit erhalten sollte. Schließlich gab es damals weder Eisenbahn noch Autos, König Ludwig baute sein Schloss etliche Jahre später und die einzigen Urlauber waren ein paar wenige Chiemseemaler.

Raddampfer 'Maximilian'So war es nicht weiter verwunderlich, dass Josef Feßler im Jahr 1864 den Raddampfer «Herzog Maximilian» an seinen 18-jährigen Sohn Ludwig übergab und sich hauptsächlich seiner Kupferschmiede in München widmete.

Die darauf folgende, 46-jährige Tätigkeit von Ludwig Feßler gehört zu den wichtigsten und interessantesten Jahren in der Geschichte der Chiemsee-Schifffahrt. Einen guten Start hatte Ludwig Feßler sicher nicht: Im Sommer 1865 musste die Schifffahrt mangels Fahrgästen sogar eingestellt werden! Schließlich stellte das Schiff zu dieser Zeit lediglich ein Verkehrsmittel auf dem Weg von Rosenheim nach Traunstein dar. Die Gäste kamen in «Stellwägen» (Pferdekutschen), überquerten den See und setzten danach ihre Kutschenfahrt fort. Aber es ging langsam bergauf: Dies war allerdings nicht den steigenden Fahrgastzahlen, sondern einzig dem Einfallsreichtum des jungen Unternehmers zu verdanken: Nicht nur, dass er selbst viele Stunden auf der Brücke seines Schiffes verbrachte, 1869 baute er zusammen mit seinem Vater auf dem Gelände der heutigen Maschinenfabrik Hefter eine Sägemühle, handelte mit Grundstücken und setzte während der Wintermonate sogar die Dampfmaschine seines Schiffes als Antrieb für eine weitere Holzsäge ein. Dazu wurde das heute noch bestehende Hafenbecken angelegt, das Schiff ganz nach vorn gezogen, die Schaufelräder abmontiert und über einen Transmissionsriemen das Sägegatter angetrieben.

Obwohl Ludwig II. niemals ein Schiff der Chiemsee-Schifffahrt betreten hat, hinterließ er nach seinem tragischen Tod im Starnberger See 1886 dem Chiemsee ein Vermächtnis, wie es sich der Schifffahrtsbetreiber nicht schöner hätte vorstellen können: Prinzregent Luitpold gab Schloss Herrenchiemsee zur Besichtigung frei.

Die Eisenbahn, welche bis dahin mit Argwohn betrachtet worden war, da sie den Weg entlang des Chiemsees doch wesentlich schneller bewältigen konnte als jedes Schiff, entpuppte sich plötzlich als neuer Verbündeter. Von nah und fern brachte sie Schaulustige, die sich die neue Sensation auf der Herreninsel anschauen wollten. Wegen des großen Zuspruchs baute Feßler 1887 zwischen Prien und dem Hafen die Chiemsee-Bahn. Die Kapazität des Raddampfers «Herzog Maximilian» war dem Besucheransturm nicht gewachsen und so wurden ebenfalls im Jahr 1887 der bis dahin größte Raddampfer «Luitpold» und 1901 der Schraubendampfer «Schwalbe» neu in Dienst gestellt. Mit diesen neuen Schiffen, der Chiemsee-Bahn und dem Schloss auf der Herreninsel war die Chiemsee-Schifffahrt endgültig etabliert.


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