Auf jeden Fall stieg Denise, leichten Schrittes beim Umsteigen in
die Metro, Stefan und Helmut folgten. Blitzschnell rief Helmut den Zielbahnhof dem Capt.
Bye-Bye zu und weg war die Hälfte der Crew. Nun Bye-Bye hatte Verständnis, dass Valentin
nicht schneller sein konnte, aber eben mit dem eigenen Seesack und der Seetasche ist man
beladen genug. So nach 5 Minuten ging Bye-Bye wieder in den Untergrund auf die Suche der
beiden und dem Riesenseesack. Nach rufen der Namen kam ein erstickter Schrei aus einer
Seitentreppe und siehe da, ein oranges Riesending bewegte sich auf Capt. Bye-Bye zu.
Valentin bewies schon hier seinen Durchhaltewillen. Vereint auf dem Perron nahmen wir den
nächsten Zug und schafften es, wieder zusammen zu sein, wir sechs und der riesige
Seesack.
Weiter gings dann mit einem Vorortzug nach St. Malo. Nachdem uns die sonst eher
spontanen Franzosen, make a queue nach britischem Vorbild aufzwangen und wir statt des
Transporters nun zwei Taxis (warens drei, eins speziell für den Sack von
Valentin) bestiegen, trafen wir vor dem Hotel unser noch fehlendes Crewmitglied Adrian. Er
hatte es geschafft den ganzen Weg vorwärts zu fahren. Mit gutem Grund, denn er war mit
seinem Wagen angereist, was uns noch öfters dienen sollte. Auch die Rückfahrt mit diesem
Auto sollte noch einiges zu bieten haben.
An Stelle eines Tagebuches mit den einzelnen Tagen, Ablege- und Anlegezeiten, sowie den
einzelnen Windstärken und Leuchtfeuern, die wir trotz GPS erkannten, erhalten Sie als
LeserIn mehr themenbezogene Aussagen, die wir durchlebt haben. Nun dieser Törn zeichnete
sich nebst liebenswürdiger Toleranz aller TeilnemerInnen durch gute Lokalwahl aus.
Auswärts Essen:
Nachdem wir Adrian ebenfalls herzlich begrüsst hatten, und einem kurzen Ausruhen, wurden
wir ins Zentrum von St. Malo chauffiert. Hinter der Festungsmauer reihen sich Beizli an
Beizli mit Seafood vom Feinsten. Adrian und Bye-Bye konnten es nicht lassen, gleich eine
Doppelportion Seafood zu bestellen. Es dauerte aber doch bis an das Ende des Törns, bis
wir wussten, dass die Stecknadel im Frischetüchlein für die kleinen Schneckli gewesen
wäre. Adrian und Bye versuchten sich dauernd gegenseitig zu überzeugen, dass der frische
Salat in Form des Seetangs eigentlich das Beste wäre. Aber beide Schlitzohren genossen
die auflebende Freundschaft und waren äusserst beschäftigt die Schalentiere genussvoll
aus den Umhüllungen zu befreien.
Natürlich hatten wir anschliessend einen Mordshunger und bei der Creperie auf der
Stadtmauer mit dem Traumblick auf die nächtliche See, planten Adi und Bye-Bye dieses
Bijou zu kaufen und nach dem Törn hier zu bleiben. Deshalb waren sie auch verpflichtet,
die wichtigsten Crepe-Sorten durchzukosten. Flambierte, mit Bananen, mit heisser
Schokolade, nur mit Zimt, oder doch mit Konfitüre und nochmals eine Flambierte, weil es
jetzt noch dunkler war und die optische Wirkung grösser wurde.
Nun, wir haben oft gut getafelt. Bereits am zweiten Törntag, auf Guernsey, St. Peter
Port fanden wir oben rechts im Hügel ein etwas verstecktes Traumbeizli. Der Apero an der
Bar, direkt vor den Augen bruzzelten die Steaks. Auch in Südengland fanden wir passende
und schöne Tische, z.B. in Yarmouth auf der Isle of White, oder auch wenn es etwas
einfacher war, wie in der Bella Pasta in Weymouth, oder etwas schwer aufliegend beim
indischen Dinner in Cowes. Auf jeden Fall plünderten wir die Bordkasse systematisch und
genossen das gemütliche Zusammensein. Einzig Helmut war in Erinnerung seiner
Studentenzeit in England nicht von Fish and Chips wegzukriegen. Seine Begeisterung teilte
er zudem gerne mit Mitsegler und wer mit Helmut unterwegs war, wäre ein Abtrünniger
gewesen, nicht zumindest Cod zu versuchen. Übrigens ist das Kabeljau im Teig und den Teig
konnte man manchmal verstecken, wenn Helmut nicht gerade hinsah.
Ablegen und Anlegen:
OH LA LA !!
Unser Liebglingsspruch an Bord, geschah aus einer Situation in St. Malo. Da legte ein
Franzose in einer Box an, verschlief ein wenig den Rückwärtsschub zu geben und knallte
mit dem Bug deftig in den Holzsteg. Nach Abrutschen des Bugs von der Stegkante mittels
Eigengewicht und Schwerkraft meinte der Skipper trocken:
OH LA LA !! Das wurde zu unserem Lieblingsspruch während dem Törn und an
Gelegenheiten sollte es uns nicht fehlen.
Schon beim Entgegennehmen der Feeling 39 mit Schwenkkiel und zwei Doppelrudern am Heck
meinte der übergebende Skipper, dass das Manövrieren mit der Feeling nicht einfach sei.
Nicht einfach war eine massive Untertreibung, die Yacht war in Ihren Reaktionen schlicht
schwer steuerbar unter Motor.
Die Feeling überzeugt vom Design und von der Idee, nach rausziehen des Loggebers
einfach so trocken zu fallen. Natürlich macht sich das noch sehr gut mit gehobenem
Hubkiel. Das Trockenfallen haben wir leider nicht genutzt, in der Nacht bringt das nicht
so viel. Zudem hatten wir mehr als genug Erlebnisse mit der lieben Alizé, so hiess die
Feeling 39.
Voll Vertrauen gab Helmut das Steuer für die Manöver weiter, nach dem Motto nur wer
übt kann was lernen. Dass er dabei stählerne Nerven bewies und kein einziges Mal in die
Speichen griff, muss mit einer speziellen Mediationsmethode des Bundes der
Unerschütterlichen zusammenhängen.
Erstes Ablegen in St. Malo. Nach dem Bunkern, wollten wir einen Probeschlag vor dem
Hafen machen, Manöver üben, Segel trimmen und wieder am gleichen Platz anlegen.
Nun, wir legen beherzt ab und die Show beginnt. Mit moderatem Querwind treiben wir
schlichtweg quer durch das enge Fahrwasser und bringen die Yacht nicht rum. Weder nach
Steuerbord, noch nach Backbord, wären wir doch notfalls auch rückwärts aus dem
Fahrwasser raus. Eine leere Box ist unsere Rettung und wir verholen, damit wir Bug voran
ins Fahrwasser kommen, aber auch das nur unter Vollgasschub und einem nicht zu
veröffentlichendem Ausruf des Steuermanns.
Nun vor der Hafenmole dürfen wir alle die Tücken der Feeling geniessen bei
Bojenaufschiessern und Mann über Bord Übungen mit dem Fender. Nicht mit Worten zu
beschreiben, sind die Tücken dieser Yacht. Uns ist dann theoretisch bald klar, wo das
Problem liegt, da mit dem Doppelruder keine Anströmung durch den Propeller erfolgt. Die
einzige Lösung ist, bisherige Schulung über Bord zu werfen, und beim Drehen auch bei
Rückwärtsschub das Steuerrad mitzukurbeln wie bei einem PW.
Den eigentlichen Höhepunkt praktiziert Capt. Bye-Bye am dritten Törntag in St. Helier
auf Jersey. Schon beim Anlegen sind wir glücklich im schmalen Fahrwasser so gut
reingekommen zu sein. Zu früh gefreut, denn das Ablegen wird wieder zu einer speziellen
Übung. Sorgfältig setzen wir rückwärts um zu verholen. Ein Marinero springt in sein
Gummiboot und bugsiert unseren Bug elegant ins Fahrwasser. Wir truckern brav raus und uns
laust der Affe, da setzt einer voll rückwärts aus der Box. Keine Chance, wir müssen
abbremsen, rückwärts setzen und immer hoffen, mit Fahrt im Schiff steuerbar zu bleiben.
Nachdem das Fahrwasser nach endlosen Minuten endlich frei wird, hat uns der Wind schon auf
die leeliegende Bootsreihe hingetrieben, und wie wir mit vollem Schub vorwärts setzen,
ist die liebe Feeling an einem weit raushängende Motorbootbug mehr interessiert, als auf
das Ruder zu reagieren. Der Anker eines Motorbootliegers verhängt sich an unserer
Relingsstütze und unter sportlichem Einsatz der Crew kann ein Hängen bleiben vemieden
werden. Wir sind frei und tatsächlich am Auslaufen.
Der Anker des Motorschiffes schaut aber hässlich nach oben und das sieht nun ganz und
gar nicht schick aus. Wir legen seitwärts an einem Steg problemlos an und gehen zur
Hafenbehörde. Zu Dritt. Stefan ist Anwalt. Äusserst praktisch mit dem eigenen Anwalt bei
Rammings. Eigentlich zu empfehlen, immer mit dem eigenen Anwalt und einer guten
Versicherung zu segeln, dann kann man die feinsten Motoryachten versenken.
Nachdem Bye-Bye den Anker auf dem Motorschiff wieder gerichtet hat und keinen Kratzer
ausmachen kann, sind wir doch erleichtert. Dennoch gehen wir den Vorfall melden. Die
Hafenbehörde nimmt die Notiz eher lustlos auf, sei das Motorboot sowieso ein Dauerlieger,
der Besitzer komme nur sehr selten. Nun, nachdem wir unsere Pflichten vorbildlich erfüllt
haben und die Hilfe von unserem Anwalt nicht ganz auskosten konnten, legen wir diesmal
ohne Probleme ab. Kein Wunder, bei diesem Platz wäre auch ein Dampfer rausgekommen.
Ergänzendes zur Yacht:
Nun darf gesagt werden, dass dieses Schiff an einer Bootsausstellung sicher gekauft würde
durch das bestechende Design, ja die Yacht hat eine schöne Linie. Auch unter Segeln
verhält sich die Alizé sehr gut. Nach diesen zwei Wochen segeln würden wir die Feeling
39 lieber nur geschenkt nehmen und dann in ein Bugstrahlruder investieren. Auch die
Rücklehne des Salonfauteuils wird zum wackeligen Dauerproblem und kann mit dem tollen
Werkzeugkoffer, bestehend aus einem Schraubenzieher, einer rostigen Zange und einem
symbolisch kräftigen Hammer nicht richtig fixiert werden. Der Salontisch als versenkbare
Liegewiese ist ein richtiger Messe-Gag. Länge Salontisch 1 Meter 30. Die Seeleute hatten
etwa vor 300 Jahren diese Grössen. Durch kunstvolle Polsterplazierung entsteht eine
theoretische Doppelkoje. Doch auch das Bild von der Achterkoje von Helmut und Adrian ist
eine Notiz wert, auf dem Laptop schläft sichs halt doch am besten, gell Adi. Wo
Valentin seinen Seesack verstaut hat, ist bis heute ein ungelöstes Rätsel. Denise und
Stefan schätzen das sperrige Polster im Vorschiff, das auf den Salontisch gehört. Kurz,
ein gerechtes Schiff, kein Plätzchen ohne seine Tücken.
Zum Revier und unsere Kanalüberquerung:
Der Ärmelkanal darf zu einem der anspruchsvolleren Reviere gezählt werden. Hier ist das
Leben mit den Gezeiten geprägt. Nicht nur in Bezug auf Hafeneinfahrten sondern auch die
starken Strömungen sind in einer Törnplanung unerlässlich. Zwischen Frankreich und der
äusserst reizvollen südenglischen Küste liegen die herben Kanalinseln. In Südengland,
leicht NNE, die Isle of White mit den markanten Needles am Eingang des regattaberühtmen
Solents und ganz im Westen locken die reizvollen Scillies. Ein Törn von zwei Wochen
reicht nicht alles zu sehen und somit kommen die meisten wieder, um die Schönheiten über
verschiedene Törns zu geniessen.
Indem wir einige Nachtschläge absolvierten, hatten wir anschliessend die Tage zur
freien Verfügung und konnten uns gemütliche Tage in Cowes, Dartmouth, Weymouth und auf
Guernsey leisten. Eine gute Taktik, in der Nacht segeln und am Tage die Orte geniessen,
vorausgesetzt die Gezeitenplanung und das Wetter spielen mit und die Crew ist mit solchen
Schlägen einverstanden.
Am vierten Törntag setzen wir von der Insel Alderney in Braye aus, zum Nachtschlag
über den Kanal. Die Fahrstrassen der Gross-Schifffahrt müssen im rechten Winkel
durchsegelt werden und allen ist klar, dass eine interessante Nacht bevorsteht. Adrian
backt noch liebevoll zwei goldbraune Züpfen. An dieser Stelle ist zu vermerken, dass
Adrian zum ersten Mal auf einer Yacht auf See ist und keiner glaubts. Er entwickelte
von der ersten Stunde eine solche Leidenschaft zum Segeln und steuerte mit einem Geschick,
das andere Segler nur nach vielen Seemeilen entwickeln. Nun diese Nacht sollte Adi noch
staunen, was auf See noch alles erlebt werden kann.
Bye-Bye übernimmt mit Denise und Valentin die Hundswache. Der Verkehr ist gar nicht
ohne und wir sind konzentriert im Ausguck. Das Schiff läuft unter Segel sehr gut, ja wir
machen wirklich gute Fahrt! Stündlich tragen wir unsere Positionen ein, und laufen hart
am Wind, um das Fahrwasser im rechten Winkel zu nehmen. So um 3 Uhr meldet Valentin das
Steuer sei blockiert. Zudem haben wir einen Frachter von Steuerbord, der eine stehende
Peilung ergibt. Äusserst unangenehm, diese Hektik mitten in der Nacht. Da ein Wachwechsel
schon bald angesagt ist, gibt Bye-Bye Denise den Auftrag, Helmut und Adrian zu wecken.
Helmut ist innert Minuten auf der Brücke. Nun, die 6 Bft-Böen wären zwar am Tage sicher
noch gut zu segeln gewesen, aber in der Nacht war nun doch ein Reff sinnvoll.
Adi der brave Seglerkamerad hatte sich schon beim ersten Weckappell in seinen Anzug
gezwängt. Da Helmut so schnell an Deck war, gabs für ihn vorerst eine Entwarnung, nun
wurde er aber doch wieder gehetzt, unter dem Motto: all hands on deck zum Reffen. Man
stellt sich vor, Adi in den schönsten Träumen, die bei ihm sicher mit Segeln
zusammenhängen. Zuerst ein Schreckruf, er sucht die Kleider, dann Entwarnung, ein kleines
Nickerchen gefällig?, dann wieder hopp an Deck. Nun er stand mit dem Sicherheitsgurt bald
auch an Deck mit einem Stiefel links und einem Bordschuh am rechten Fuss.
Bye-Bye und Adi vorne beim Mast am Reffen. Adi hat noch nie vorne am Mast gerefft,
somit die ideale Übung um 3 Uhr morgens. Dabei leuchtet Adi immer Bye ideal aus, für den
Film der in den Universal Studios gerade gedreht wird. Bye-Bye erklärte Adi, dass er nun
mal gar nichts sehe, wenn er die Taschenpfunzel voll in sein Gesicht halte. Der Frachter
ist bei unseren Kapriolen schon lange ausser Sicht und wir können nun liebevoll reffen.
Einzig das Reffauge einzufädeln ist nicht ganz ohne, aber es klappt insgesamt prima.
Kaum ist das Reff drin, lässt der Wind typischerweise wieder nach, aber wir lassen es
eingebunden und machen dank unserer bisherigen Hundswache unter vollen Segeln eine rasante
Überfahrt in bloss 13,5 Stunden. Das Reffen hat uns mehr als eine halbe Stunde gekostet
aber die Yacht "gerettet".
Die Needles, die schroffen Kalkfelsen am Eingang des Solents sind so wunderschön im
Morgenlicht, dass niemand auf die Idee kommt, diesen einmaligen Anblick zu fotografieren.
Nun, auch eine Farbfoto kann diesen Eindruck nach einem Nachtschlag und diesem Gefühl der
Schönheit der Natur am Morgen früh nicht wiedergeben.
Fischen unter Segel:
Auf Anhieb findet Capt. Bye-Bye wieder den Fischerladen, wo er schon vor zwei Jahren auf
einem Törn ein Angelzeug mit einem Sinker gekauft hatte. Vor zwei Jahren rauschte die
Leine trotz Belegung über Klampe und Winsch davon, als Bye-Bye ans Ende der Spindel kam,
im Vertrauen, am Ende sei ein Knoten. Das war nicht so, und die Enttäuschung an Bord
damals gross. Nun nachdem Bye sein Leid im Fischerladen nach zwei Jahren wieder
aufarbeitet (spart den Psychiater) und er besteht diesmal darauf, die ganze Spindel sei
abzuwickeln und am Ende zu verknoten. Bei diesem Modell wäre es nicht notwendig gewesen,
typisch. Mit dem Fischzeug an Bord können wir fast nicht erwarten, wieder auszulaufen und
bereits auf den ersten Meilen, in der Abenddämmerung zum Nachtschlag von Weymouth nach
Dartmouth, hängen wir das Angelzeug vorsichtig achterlich. Nun wir ziehen dank einem
Spezialmanöver von Mihaiela ein paar Makrelen gleichzeitig an Bord. Wie man das Manöver
genau fährt, muss bei Mihaiela, unserer Lebensphilosophin an Bord, erfragt werden. Kurse
sind direkt bei Mihaiela zu buchen, Capt. Bye-Bye gibt bei Anfragen über E-Mail gerne die
Adresse bekannt, unter dem Stichwort: eine Handvoll Makrelen mit einer Patenthalse.
Die restlichen Makrelen, d.h. für alle an Bord einen Fisch, waren bis die Sonne an der
Kimm versank gefangen, und wurden beim Restlicht, Mann angeleint, am Achterdeck gründlich
geputzt.
Fischen auf See ist eine feine und lustige Sache. Fein, weil es nun mal keine
frischeren Fisch gibt, lustig weil sich zuerst alle aufs Fischen freuen, bis das erste
Exemplar an Bord ist. Dann kommt aus einer Ecke jeweils die zaghafte Frage, wer den Fisch
den putze, respektive ausnehme. Ein wenig necken gehört dazu, z.B. mit einer Gegenfrage:
"wollen wir sie erst gar nicht ausnehmen und gleich so zubereiten?"
Das erleichterte Aufatmen ist jeweils fast hörbar, wenn sich der Angler opfert, den
Fisch auch zu putzen, in diesem Falle, sogar selber zuzubereiten. Capt. Bye-Bye hat das
Glück, dass ihm sein früh verstorbener Vater, diese Fertigkeit als jungen Burschen noch
beibrachte.
Zum Frühstück, bei der Ankunft in Dartmouth gab es an Bord der Alizé nicht Muesli
und Konfibrot, sondern selbst gefangenen Fisch. Dabei lernt Bye noch von der Denise, dass
die Folie mit dem Butterblock schön eingestrichen werden kann. Mihaiela weinte nicht beim
Anblick der Fische, sondern beim hacken der Zwiebeln, so entstand ein gemeinsames Werk
bereits zum Frühstück. Geschmeckt hat es allen wunderbar. Somit hängt in der Folge die
Leine auch am übernächsten Segeltag über Bord. Bye-Bye ist mit beiden Händen mit dem
Backen eines Eierkuchens beschäftigt, als an Deck der Ruf ertönt: "ein Fisch hat
angebissen".
Stefan schaut mit den hellblauen Augen (die hellblausten die man sich vorstellen kann)
unter Deck und meint nochmals: "ein Fisch hat angebissen"
Bye: "dann zieh ihn einfach raus".
Stefan: "ja gut und was soll ich dann mit ihm machen?"
Bye: "dann drehst Du ihm den Kopf (Gring) um."
Stefan: "und wie soll ich das machen?"
Bye: "du fasst das Maul und drückst nach hinten."
Es wird sehr ruhig an Bord, wir segeln weiter, Bye mit dem Eierkuchen beschäftigt.
Mühsam müssen die Zuckerknöllchen aus dem Teig genommen werden und das geht nun
wirklich nicht mit Fischgeruch an den Händen. Die Zuckerstücke kamen durch nicht ganz
abgetrocknete Löffel indirekt in den Eierkuchenteig. Nun kommt Helmut unter Deck und
wäscht die Winschkurbel (massiver Stahl, 30 cm lang) vorsichtig neben Bye-Bye ab, damit
nichts in den Teig spritzt.
Nun wird Bye neugierig und ahnt es bereits, da ihm scheint, eine Schuppe klebe am Ende:
"weshalb musst du die Winschkurbel waschen?"
"Wir haben dem Fisch eins damit auf den Kopf gehauen" antwortet Helmut.
"Mit dem grossen Ding, auf den kleinen Fisch?" fragte Bye.
"Ja, das war so", meinte Helmut: "ich hab gehauen, aber Stefan hat
leider losgelassen und der Fisch war dann weg". Noch heute schüttelt sich Bye-Bye
vor lachen: "Eine so grosse Kurbel für den kleinen Fisch, nur gut hatte Stefan die
Hände weggenommen, sonst wärs noch zu grossen Verletzungen gekommen. Stefan als
Fischfreund meint abschliessend: "die Makrele ist vom Leiden wenigsten befreit
gewesen, sie ist auf dem Rücken liegen geblieben". Fazit dieses Fischzuges: an Bord
geholt, mit groben Mitteln erschlagen und dann im Schreck der Beteiligten dem Fischhimmel,
resp. der weiten See überlassen worden.
Nun, es reicht diesmal für eine kleinere Fischmahlzeit mit vier Exemplaren, die wir
gerecht als Vorspeise untereinander teilten. Es fehlen diesmal eben die Exemplare aus
einer "pirouette de Mihaiela".
Seekrankheit?
Eine Erscheinung, die im eigentlichen Sinne keine Krankheit ist, wie Helmut sich weise
dazu äusserste, als sich zwei Crewmitglieder durch die Schaukelei nicht so wohl fühlten.
Gerade im Ärmelkanal scheint eine Abhandlung zu diesem Thema sinnvoll, da hier der
Seegang doch etwas ruppiger werden kann.
Unwohlsein auf See, stellt sich in vielen Formen dar. Da werden gesprächige und
lebensfrohe Naturen zu stillen, in sich gekehrten Geschöpfen, wobei die Gesichtsfarbe
tatsächlich über einen blassen Teint bis zu einer grünen Farbe weichen kann. Das beste
ist, sich aktiv mit der Übelkeit zu befassen. Steuern bewirkt dabei Wunder, da es eine
konzentrierte Arbeit an der frischen Luft ist, und der gestörte Gleichgewichtssinn wieder
ins Lot kommt.
Fall Sie zu den glücklichen, seefesten SeglerInnen gehören, hier der Geheimtip: In
der ersten Törnwoche haben sie bei gutem Seegang im inneren der Yacht unheimlich viel
Platz. Sie übernehmen die Navigation, alle Stunde lässig eine Position eintragen und der
Rest der Zeit können CDs genossen, Lektüre gelesen oder einfach die fehlenden
Nachtstunden nachgedöst werden. Das Feinste ist aber schon mit einer guten Musik im Ohr
durch die Wellen zu reiten. Erstaunlich, wie die Wellen mit tonnenschweren Yachten
spielen! Das Rauschen, die harmonische Bewegung, wenn der Steuermann gut ist, das ist ein
Glücksgefühl ohnesgleichen.
Nun, wem das nicht vom ersten Tag an gelingt, darf sich das Segeln nicht gleich
verleiden lassen, gibts da auch noch ein paar Hinweise, wie Seekrankheit eher
vermieden werden kann:
Nicht übermüdet und gestresst aus der Arbeitswelt und Anfahrt noch am gleichen Abend
in See stechen, oder man möchte dabei die halbe Crew ab Bft 6 flach legen.
Kein oder mässig Alkohol, auch wenn das gegen das gängig Seemansgarn geht. Vom Kaffee
auf Tee umsteigen, keine schweren, fetten Produkte zu sich nehmen.
Etwas trockenes Brot bei kleiner Übelkeit kauen. Apfelsäure sollen auch nicht alle
gleich gut ertragen.
Eher bedenklich sind überdosierte Medikamenteschlucker. Dann hängt die Crew apathisch
herum, weil es so Schlaumeier gibt, die gleich Stugeron forte schlucken. Die Dinger sind
Rezeptpflichtig und dreimal stärker als normale Stugeron, die bereits
müde machen können. Die Kleber hinter den Ohren sind auch nicht ohne, vor allem wenn
dann noch ein paar Kleberli angehängt werden. Auch hier könnte mit halben oder
Viertelklebern die richtige Dosis gesucht werden.
Nun hat das ganze noch eine überaus starke psychologisch Komponente. Wer befürchtet
Seekrank zu werden, wird es auch relativ rasch. Wer überzeugt ist, mit den paar
Schaukelbewegungen zurecht zu kommen, wird es viel weniger erwischen. Erstaunlich war auf
unserem Törn, das ein Crewmitglied über eine Woche stiller war als gewohnt und sich sein
Freude am Hobby ernsthaft überlegte. Hierbei ist sicher ein Anteil des ersten negativen
Erlebnisses nicht unschuldig, das dann immer weiterwirkt, nach dem Motto: Himmel,
wenns mir nur nicht wieder schlecht wird.
Segeln beinhaltet einige Erfahrungskomponenten und dieses Thema wird mit viel Erfahrung
meistens individuell gelöst.
Wahrscheinlich sind folgende Stufen für neue HochseeseglerInnen sinnvoll:
Bei aufkommender Übelkeit unter Deck, z.B. an der Karte, früh genug frische Luft
schnappen, evtl. ein halbes Stugeron nehmen. Wenn es die Situation erlaubt, das Steuer
übernehmen. Ist das Stadium des way of no return erreicht, nicht allzu lange leiden.
Gezielter Besuch der Leeseite, nicht tragisch nehmen und dann ein normal dosiertes Mittel
gegen Seekrankheit zu sich nehmen. So rasch wie möglich wieder aktiv steuern aber nicht,
wenn nicht unbedingt notwendig unter Deck gehen und weiter navigieren. Wenn die Wache zu
Ende geht, unter Deck gehen, rasch ausziehen, hinlegen und die Augen geschlossen halten.
Fairerweise bei der nächsten Wache wieder antreten.
Trost gibts zu diesem Thema haufenweise:
Wer noch nicht Seekrank wurde hat etwas verpasst.
Lord Nelson, einer der ganz grossen Seefahrer war die ersten drei Tage nie ansprechbar und
blieb in seiner Kajüte, da er sehr unter der Seekrankheit litt.
Keiner sollte zu diesem Thema überheblich sein, die eigene Konstitution ist nicht bei
jedem Törnbeginn gleich und bekanntlich hat der Seegang verschiedene Stärken.
Nach etwa drei Tagen ist das Problem meist vorbei und beim Landgang sind die Symptome eh
sofort geheilt.
Sind die Seebeine erst mal richtig gewachsen, dann kann ein Aufenthalt bis zu drei
Monaten an Land verbracht werden und wie Untersuchen erwiesen, tritt die Seekrankheit auch
in den ersten Tagen nicht mehr auf. Also alle zwei Monate einen Törn buchen ist somit
auch noch ein eher unbekanntes Gegenmittel.
Mont St. Michel und Windjammer:
Dieser Törn zeichnete sich zusätzlich durch ein Finale, wie bei einem gelungen
Feuerwerk aus. Wir liessen die Yacht durch die Charterfirma reinigen und hatten somit
einen Tag für einen unvergesslichen Ausflug zur Verfügung. Helmut gehört der neuen
Generation von Skippern an, die nicht meinen, ein Törn sei erst erfolgreich
abgeschlossen, wenn das Schiff im Frondienst auf hochglanz geputzt wurde.
Ideal war wiederum das Auto von Adi und somit fuhren wir zum legendären Mont St.
Michel. Schon von weitem erhebt sich die Silouette aus der flachen Landschaft und lässt
bereits erahnen, was für ein faszinierendes Monument sich über dem Felsen im Meer
erhebt.
800 Jahre (ja, achthundert Jahre) wurde an diesem Meisterwerk gebaut. Verbunden mit
seiner Geschichte gehört das Werk zu den Heiligtümern Frankreichs und zu den Wundern des
Abendlandes. Der Touristenstrom innerhalb der Mauern ist zwar gross und am Anfang im
unteren Teil reiht sich Souvenirshop an Souvernirshop und Verpflegungsstände, dass die
wahre Pracht beim ersten Eindruck einen Dämpfer erhält. Spätestens ab der inneren
grossen Treppe packt die Faszination diese einmaligen Bauwerks, gekrönt auf der Kuppel
vom Erzengel St. Michael, Bezwinger des Satans.
Eine weitere Faszination ist das Umgebungsbild, geprägt durch die Gezeiten. Bei Ebbe
schweift der Blick kilometerweit über Sandflächen, die auch an bestimmten Stellen
tückisch sind und Mensch und Tier runterziehen können. Kommt die Flut, dann mit einer
Geschwindigkeit von 20 km/h, um dann bei Hochwasser die Zinnen von Mont St. Michel zu
umspülen.
Im Verlauf des Nachmittags waren wir wieder in St. Malo und wir erlebten die Stadt im
Windjammerfieber. Die schönsten Tall Ships waren zu einer Demonstration der Schönheit
und Eleganz der alten Segler zusammengekommen. Capt. Bye-Bye erhielt ein spezielles
Besuchsrecht auf der Sorlandet, ein Windjammer aus Norwegen. Als ehemaliger Trainee der
Sorlandet konnte Bye-Bye wieder mal am grossen Rad stehen, seine Augen gingen in die
Takellage und erinnerten sich an das Klettern in den Wanten. Ein weiterer Höhepunkt war
die Schleusenfahrt der Krusenstern. Zwei Schlepper waren beschäftigt, das riesige Schiff,
einer der letzten Viermaster, in die Schleuse zu ziehen. Obwohl der eine Schlepper unter
Vollgas zog, driftete die schwarze Bordwand seitwärts in Zeitlupe auf die Quaimauer zu.
Das Knirschen der Fender war ein hässliches Geräusch und es wurde beim Zuhören klar,
was für Tonnagen und Kräfte hier an die Schleusenmauer drückten.
Die Kadetten enterten die Wanten und standen auf den Rahen stramm beim Auslaufen,
begleitet von einem Hupkonzert von hunderten von Schiffen, welche die Fahrt begleiteten.
Schön, einfach wunderschön.
Rückfahrt:
Die guten Törns enden viel zu schnell. So ging es auch uns. Dass die Rückfahrt
aber zusätzliche Seiten füllen könnte, dass ahnten wir noch nicht. Ein paar Fahrten
waren für das Gepäck und die Freunde zum Bahnhof zu bringen notwendig. Grosser Abschied,
einzig der Törntreff in der Agenda, machen sich Adi und Bye-Bye mit dem Chrysler auf die
Rückfahrt. Zuerst muss getankt werden, das dauert mit ein paar Verirrungen so gute 50
Minuten. Im Ring um Paris herum verpassen die Beiden die südliche Abfahrt. Noch mal kurz
auftanken und dann mit dem GPS, den Adi sich in Südengland kaufte, fahren die verirrten
Segler sauber SE, um die Autobahnauffahrt wieder zu finden.
Natürlich haben sie am Autofahren mit GPS einen Riesenplausch. Auch versuchen sie dem
TGV mit 200 km/h zu folgen, der rauscht aber eindeutig schneller. Es könnte sein, dass
die TGV-Verfolgung ein paar Liter Benzin mehr kostet. Sehr, sehr kostbares Benzin. So auf
der Höhe von Besancon macht Bye-Bye Adi auf die relativ leere Tankanzeige aufmerksam.
Aber als Motwägeler der Schweizer Armee kennt Adi nichts, greift zum Taschenrechner und
lehnt ab, weil er BP ab der nächsten Säule tanken möchte. Wem die Aral-Werbung bekannt
ist, weiss was da kommen wird. Ja, so war es, etwa 50 Meter vor einer Zahlstelle spuckt
der Motor zum ersten Mal, dann kommt der Aussetzer ziemlich rasch und es bleibt ein
elegantes Ausrollen mit Blinker rechts bis zum Pannenstreifen, 15 Meter vor der
"Payage". Genau auf 47Grad 25,4 N und 06 Grad 40, 2 E, beim Logstand 472 km, um
17 Uhr 49. Der Logstand lässt vermuten, dass da ein paar Liter von der Tempobolzerei
fehlten.
Oh la la! Adi hat prima Zeit sich zu rasieren bis Hilfe nach etwa einer Stunde naht.
Der kommt von einer Seitenstrasse zur Zahlstelle und ein Pannenhelfer erscheint mit einem
10 Literkanister. Nachdem etwa 1 Liter dank fehlendem Trichter verschüttet wird, kann mit
den restlichen 9 Litern wieder gestartet werden und die nächste Tankstelle wird mit dem
Pannenhelfer auf eigenen Rädern erreicht. Die 9 Liter kosten 486 FF, so Fr. 13.50 pro
Liter. So kann man teuer tanken, aber Adi und Bye-Bye fragen dann doch ganz ruhig eine
Dame, die sich dem Pannenhelfer mit brennender Zigarette nähert, als wir am kompletten
auftanken sind, ob sich Benzin und brennende Zigaretten wirklich so gut vertragen. Nun in
einem Film hätten wir das richtige Sujet für einen blow up gegeben, aber uns war nun
eher nach einem Filmwechsel auf normales weiterkommen. Die Lady ging verständnisvoll auf
Distanz und wir können tatsächlich wieder mal fahren. Gegen Abend kommen wir doch noch
an die Schweizer Grenze. Die Standardfrage erklingt: "etwas zu verzollen" und
Adi verneint mit: "nur ein Haufen dreckige Segelkleider". Das führt zu einem
halbstündigem intensiven Seglergespräch am Zoll, nachdem Adi den Motor abgestellt hat
und der Zöllner den Verkehr über seine Kollegen leitet. Nun, das ist nicht gerade
förderlich für die Zugsverbindung für Bye-Bye ab Basel, aber intensive Segelgespräche
haben natürlich Vorrang. Nach herzlichem good bye mit Adi, realisiert Bye im anfahrenden
Zug, dass er das Ticket nicht hätte bis Zürich kaufen müssen, da die Rückfahrkarte ab
Basel bereits durch das Gruppenticket gültig war. Dabei merkt er noch zusätzlich, dass
die restliche Crew nur eine halbe Stunde später ab Basel abfahren wird.
Es war im Nachhinein, an der Messe in Friedrichshafen äusserst amüsant zu hören,
dass auch die Zugreisenden ihre "special-adventures" hatten. Mihaiela schärfte
allen mehrmals ein, wie der Zugwechsel in Rennes zu verlaufen habe. Sie gab allen den
Perron, die Wagen und Sitznummern bekannt. Wahrscheinlich eine kleine Vorahnung, denn
ausgerechnet Mihaiela schaffte es nicht, bei Abfahrt des TGVs im Zug zu sein. Kaum
vorstellbar, die Sorgen, die sich Valentin dabei machte. Die Crew hatte dann noch die
Überzeugungsaufgabe dem Schaffner zu erklären, dass sie ohne Tickets seien. Mihaiela
bestieg einen parallel nach Paris fahrenden TGV und hatte natürlich mit so vielen Tickets
keinen allzugrossen Erklärungsbedarf. Ende gut, dank Funkverbindungen zwischen den
TGVs konnte die unter alleiniger Flagge fahrende Mihaiela in Paris wieder in die
Crew integriert werden. OH LA LA! Somit fanden alle wieder das eigene Zuhause und
tauschten nach zwei Wochen das intensive Seglerleben, gegen das eher ruhige Alltagsleben.