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Die Tornado
Die "Tornado" ist das Wunderflugzeug der Marineflieger. Sie fliegt so tief, daß sie die Radarüberwachung unterfliegt.
Es geht schon das Gerücht um, daß dieses Flugzeug nur noch vom Verkehrsradar der Straßenpolizei erfaßt werden kann.
Hohe Besucher sind auf dem Zerstörer "Rommel" eingeschifft, um sich von den Eigenschaften dieser Wundermaschine zu überzeugen.
Und die deutsche Marine will ihren Stolz repräsentieren. Eine Tornado kommt in etwa zwanzig Metern über der Wasseroberfläche im Tiefflug angeschossen.
Auf höhere Anweisung funkt der Funkmeister dem anfliegenden Flugzeug zu: "Können Sie nicht noch etwas tiefer gehen?"
Der Pilot gibt zurück: "Bitte bedenken Sie, daß ich ein Flieger und kein U-Boot bin!"
Bei einer ähnlichen Vorführung passierte es tatsächlich, daß der Pilot zwei-, drei-, viermal die aufgischenden Wellenkämme streifte. Das fanden die geladenen Beobachter
besonders schneidig. Der Pilot jedoch feierte diesen Tag als seinen zweiten Geburtstag, weil er dem Tod nur ganz knapp von der Schippe gesprungen war.
Kein schöner Land
Das Schulschiff "Deutschland" liegt vor einer südländischen Küste vor Anker. Der AWLO, Oberleutnant Gustav Geßner, dreht noch abends eine Runde über die Außendecks. Ein Wehrpflichtiger aus Bayern, 32er Ausbildungsreihe, sitzt mit einem Bier an den Lippen auf einem Poller und genießt den herrlichen, in allen Farben schillernden tropischen Sonnenuntergang, dazu nach der Hitze des Tages die laue erholsame Abendluft.
Gustav Geßner bleibt bei dem Mann aus Mann aus Bayern stehen und sagt wohlwollend: "Schöner kannst du es nicht haben. Dir fehlt doch nichts?"
"Doch, Herr Oberleutnant, das Alpenglühen."
Angekommen
Die 3. Torpedoboots-Halbflottille kam vom Torpedoschießen zurück und machte an der
TNS-Brücke in Flensburg Mürwik fest. Wie gehabt stand auch dieses Mal wieder der
vermaledeite Dalben an der Nordecke der Brücke irgendwie im Wege. V8 wollte diese Klippe
mit besonderer Eleganz umgehen, hatte aber zu viel Fahrt. Der Kommandant sah und hörte im
Geist das Unglück kommen. Zu retten war da nichts mehr, es sei denn sein
"Gesicht", und so kam denn zunächst:
"Beide AK zurück! Das machte sich besser im Havariebericht", und dann kam
trotzdem, was kommen mußte: Bums - Splittern - Krachen!
Eine Stimme an Deck bemerkte trocken:
"Angekommen!"
Leutseligkeit
Öffentlichkeitsarbeit und Kontaktpflege werden heute ganz groß geschrieben. Man soll schließlich den Finger am Puls des Lebens halten und sich so gut verkaufen, wie es nur irgendwie geht.
In einem Küstenort fand einst ein Gala-Festabend des Marinebundes statt. Kapitänleutnant T. als
Vertreter der Bundesmarine und damit natürlich Ehrengast nahm also Kontakt mit den alten Mariners auf.
In diesem ehrlichen Bemühen sprach er dann einen älteren, weißhaarigen Herrn mit Spitzbart an:
"Na, auch bei der Marine Gewesen?" "Jawohl, Herr Kaleu", tönte es zackig zurück. "Auch einen Dienstgrad gehabt?"
"Jawohl, Herr Kaleu!" "Na, was waren Sie denn?" "Vizeadmiral, Herr Kaleu!"
11/2023
Ein Albtraum der Bundesmarine
AAG 19hundertdazumal - fünf deutsche Schiffe des 4. Fregattengeschwaders laufen den Hafen von RO-Ro auf Puerto-Rico an. Vor der ersten Fregatte dreht ein Schlepper bei.
Frage von Back an Brücke: "Dürfen wir Leine von Schlepper übernehmen?" Brücke an Back: "Ist es ein deutscher oder ausländischer Schlepper?" Back an Brücke: "Ein Amerikaner."
Betretenes Schweigen. nach einer Minute: "Müssen erst den CTG (Commander Task Group = Kommandeur der fünf Schiffe) fragen".
Der CTG leitet die Frage zum BSN (Befehlshaber Streitkräfte Nordsee = zuständig für alle Schiffe in außerheimischen Gewässern) in Sanktwerden bei Wilhelmshaven.
Der BSN schiebt die Frage ab zum Flottenkommando in Glücksburg. Auch dort herrscht Ratlosigkeit. Man verständigt das Auswärtige Amt. Das AA schaltet den Bundeskanzler persönlich ein.
Kanzler Kohl greift zum roten Telefon und verständigt Präsident Reagan. Reagan fragt zurück: "Was ist deutsche Bundesmarine?"
01/2021
Der Neue
Der Oberbootsmann schreit bei der Musterung einen neuen Matrosen an: "Sie haben ja eine Nase wie der schiefe Turm von Pisa! Wo stammen sie her?
Matrose: "Aus Baden-Baden!"
Oberbootsmann: "Warum bekomme ich immer die hässlichen Idioten. Stottern tut er auch noch!"
fare well forever
Auf einem der fast zahllos zu nennenden Flugzeugträger, über welche die US-Navy Anfang
1965 verfügt, geschah dieses:
Auf dem einem Kasernenhof gleichenden riesigen Flugdeck führt ein Bootsmannsmaat Ex-Dienst durch, mit linksum, rechtsum, gerade aus.
Beim letzten Gerrateee aus marschiert die Gruppe vierkant und in leidlich
guter Ordnung direkt auf das Ende des Flugzeugdecks über dem Heck zu. Nichts passiert.
Kein Kommando ist zu hören. Der Bootsmannsmaat scheint entweder völlig geistesabwesend
zu sein - oder er hat die Sprache verloren. So was gibt es ja. Vielleicht versagt ihm die
Stimme bei dem bloßen Gedanken, wenn ...
Da meldet sich einer seiner auf den Abgrund zumarschierenden Männer. Den Blick geradeaus
gerichtet, ruft er seinem Gruppenführer zu:
Nun sag doch etwas, sag wenigstens good by.
Anspruch und Wirklichkeit
Nicht nur mit ihrer Unterwasserverteidigung haben die Schweden große Probleme. Als im Sommer 1984 das 2. Schnellbootgeschwader aus Olpenitz mit dem Versorger "Meersburg" während einer AAG zu einem Freundschaftsbesuch in schwedische Gewässer einlief, wurden weitere Mängel in der Küstenverteidigung des Königreichs am Polarkreis sichtbar. Der Augenzeuge Gatermann berichtete aus Stockholm an eine deutsche Tageszeitung:
Im Sommer macht in Schweden die Küstenverteidigung Urlaub! Bei der Vorlage des jüngsten U-Boot-Berichtes vor ein paar Monaten erklärte Schwedens Verteidigungsminister Anders Thunborg, die militärische Bereitschaft seines Landes in der Luft, auf dem Lande und auf dem Wasser sei gut, Schwierigkeiten gebe es lediglich unter Wasser. Schon damals wurde die Richtigkeit dieser Selbstdarstellung bezweifelt, und in diesen Tagen wurden die Bedenken bestätigt, unfreiwillig aufgedeckt von einer Flotteneinheit der deutschen Bundesmarine.
Weil sie ihre Fahrtroute durch die schwedischen Gewässer änderten und einen Nothafen anliefen, versetzten die deutschen Schiffe die Militärstäbe in Nordland in helle Aufregung und entblößten drastische Kommunikationslücken. Die Öffentlichkeit erfuhr erstmals, daß 40% der Küste von einem Wachboot kontrolliert wird und nebenbei, daß der größte Luftwaffenstützpunkt Schwedens - er liegt in Lulea und soll die gesamte Nordflanke überwachen - derzeit geschlossen wurde (für drei Wochen), wegen Urlaub ...
Der Besuch der zehn Schiffe der Bundesmarine unter Führung der "Meersburg" stand von Anbeginn unter keinem günstigen Stern, weniger für die Deutschen als für die Schweden. Erst Mitte Juni tauchten sie - wie vereinbart - vor dem mittelschwedischen Hafen Gävle auf. Die Veranstalter einer Segelregatta trauten ihren Augen nicht, als plötzlich deutsche Kriegsschiffe den Kurs kreuzen. Der Gastgeber hatte vergessen, den Besuch der Flotteneinheit anzukündigen, und so war niemand darauf vorbereitet.
Es sollte aber noch besser kommen: Nach der Visite im nordschwedischen Umea begeben dich die deutschen Schiffe am Mittsommerabend, 22. Juni, auf die Heimfahrt. Im Mjölefjärden sollen sie für die Nacht, in der ganz Schweden feiert vor Anker gehen. Aber es stürmt, und der Verbandschef entscheidet, das südlich gelegene Husum (Schweden) als Nothafen anzulaufen.
Er teilt seinen Entschluß um 17:30 Uhr Radio Hörnäsand mit. 30 Minuten später gehen die Schiffe in Husum vor Anker. Niemand empfängt sie, niemand kümmert sich um sie, sie erwecken jedoch die Neugierde der Mittsommerfeiernden. Um 19:54 Uhr ruft ein Bürger die Polizei an, die fragt beim zuständigen Regiment in Hörnäsand und das wiederum beim Oberkommando für das untere Nordland in Östersund an.
Doch keiner weiß Bescheid, daß die Deutschen in Husum liegen. Die Soldaten, die die Schiffe in Mjöldefjärden überwachen sollten, waren, nachdem keine Schiffe einliefen, in ihre Garnison nach Umea, das zum Kommando Oberes Nordland gehört, zurückgekehrt, ohne sich um die weitere Reise des Verbandes zu kümmern. Um 20:30 bittet die Garnison in Härnösand die Polizei in Husum um Unterstützung bei der Überwachung der Deutschen. Um 20:50 Uhr wird eine gleiche Anfrage an die Küstenwacht gestellt.
Die Polizei ist jedoch mit dem Mittsommernachtstrubel beschäftigt, und das Boot der Küstenwacht, das einzige an der ganzen nordschwedischen Küste, trifft erst Nachts um 1 Uhr in Husum ein, dreht eine Runde um den Verband, sieht nichts verdächtiges und tuckert wieder ab. Inzwischen haben aufmerksame Bürger beobachtet, daß sich auf den Schiffen Taucher bereitmachten. Außerdem hängen verdächtige Enternetze über der Reling.
Dazu der Militärattaché an der deutschen Botschaft in Stockholm, Ernst-Günther Bachelin, der selber an Bord war: man habe während der Reise alle Vorschriften beachtet. Die ausgebliebene Bewachung sei eine rein schwedische Angelegenheit. Die Besatzung der Patrouillenboote trage Lederkleidung, die mit Taucheranzügen verwechselt werden könnte, und die Enternetze seien eine reine Sicherheitsvorkehrung.
Auf schwedischer Seite ist nach diesem "Zwischenfall" die Unruhe und Hektik groß. Oberbefehlshaber Lennart Ljung fordert von allen involvierten Stellen einen Bericht an und informiert den Verteidigungsminister. Dieser teilt am Freitag mit: Die Deutschen haben gegen keine schwedische Bestimmung oder Anordnung verstoßen. Allerdings hätten sie nicht die Genehmigung der schwedischen Militärs zum Anlaufen des Nothafens abgewartet.
Gleichzeitig stellt der Minister erhebliche Mängel im Kommunikationsnetz des schwedischen Militärs und der Behörden fest. Der Stabschef für das Untere Nordland, Bertil Daggfeldt, räumt dann auch noch ein, daß alles schief lief, nachdem sich die Deutschen entschlossen hatten, nicht im Mjölefjärden vor Anker zu gehen. Er verweist allerdings auf die unzureichende oder fast gar nicht vorhandene Ausrüstung. "Es ist ganz einfach so, daß in Friedenszeiten die Verteidigung der Nordlandküste vernachlässigt wird."
Mindestens 20 - 25 Stunden ist das einzig vorhandene Küstenwachtboot unterwegs, wenn es zur Nordspitze gerufen wird und es sich gerade am südlichen Ende seines Einsatzgebietes befindet. Der Kommandant des Bootes Aake Nordgren: "Wir wissen, daß es mindestens acht Stunden dauert, bis wir im Notfall Verstärkung bekommen könne." Bis dahin muß Aake Nordgren Schweden mit seiner 20-Millimeter-Kanone und ein paar Wasserbomben verteidigen und das auch nur, falls sich er sich zufällig an der selben Stelle wie der Feind befindet.
Gewerkschaftsmentalität
Am 19. Oktober 1984 besuchten der Generalinspekteur Altenburg und der 4-Sterne-General und Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte Wessey - also die beiden ranghöchsten Militärs der BRD und
der USA den Marinestützpunkt Wilhelmshaven, um sich ein Bild über der Welt bestes und modernstes Minenbekämpfungssystem, die Troikaboote mit ihren Hohlstablenkbooten zu informieren.
An der Scharnhostbrücke lag gleichzeitig das multinationale Nato-Geschwader Standing-Naval-Forces-Channel (SNFC), zu dem auch ein englisches Minensuchboot gehörte. Bekanntlich haben die Engländer eine andere
Voltspannung. So bekamen sie nicht den normalen Landanschluß bei der Stromversorgung, sondern die Arbeiter der zuständigen StoV hatten ein Gewirr von Kabeln dazu über die Pier gebreitet.
Der WO des Wachtbootes Oberleutnant zur See Seifert wies die Arbeiter der StoV an, daß am Mittag für den hohen Besuch die Pier frei sein müsse. Die Arbeiter grunzten zurück: "Um 12.00 Uhr ist Feierabend!"
Der WO machte seinem Kommandanten Meldung, der sich sofort auf die Pier begab, weil er für einen ordentlichen Verlauf des hohen Besuchs verantwortlich war. Er bellte die Arbeiter an: "Für den Generalinspekteur
und den amerikanischen Oberbefehlshaber hat die Pier frei zu sein!" Und wieder grunzten die Arbeiter: "Interessiert uns nicht. Am Freitag haben wir um 12.00 Uhr Feierabend."
Und dabei blieb es. Die hohen Herren stolperten über die wirr übereinanderliegenden Drähte und Kabel.
H.M.S. Irresistible
Winksprüche durch die Linie eines Schiffsverbandes sind nicht so leicht wie man manchmal annimmt.
Solche Winksprüche kommen bei dem letzten Schiff gewöhnlich verkorkst an. Ganz schlimm aber ist es,
wenn ein solcher Winkspruch auch noch Fremdwörter enthält. So kam einmal an Bord eines auf der Außenreede
ankernden Linienschiffs folgender Winkspruch an:
"Flottenflaggschiff an alle im Hafen liegenden Schiffe w. d. L. (weiter durch Linie)." "Vor den
Dardanellen wurde der englische Schlachtkreuzer "Ihre Seestiefel" durch unsere Artillerie versenkt."
Ausrichten
Im Frieden war es das Bestreben der Flottillen, stets in sauber ausgerichteter Formation
zu fahren. Eine gute Formation war sozusagen ihr Aushängeschild. Das Evolotionieren als
besonders gute Übung dafür war daher das Steckenpferd jedes richtigen Flottillenchefs.
Natürlich klappte nicht immer gleich alles, und es gab manchen Verdruß. Recht schwierig
ist die Dwarslinie, bei der die Boote in gleichmäßigem Abständen nebeneinander
herfahren. Bei einer Flottille wollte sie den Flottillenchef gar nicht befriedigen. Immer
wieder kam das vorwurfsvolle Signal: "AU", was Ausrichten bedeutete. Es kam so
oft, daß es schließlich den Kommandanten zum Halse heraushing.
Nun wurde der Flottillenchef eines Tages krank, der älteste Kommandant vertrat ihn. Der
Übungsbetrieb ging weiter und es kam wieder ein Tag den Evolotionierens. Wieder wurde
eine Dwarslinie gebildet, und diesmal war sie wirklich nicht schön. Ob absichtlich oder
unabsichtlich war nicht ganz festzustellen. Jedenfalls mußte etwas geschehen. Jeder
wartete gespannt, denn der stellvertretende Chef war ja nur der "primus inter
pares" und hatte früher ebenso wie die anderen Kommandanten weidlich über das ewige
Ausrichten geschimpft. Man sah Bewegung auf dem Signaldeck des Führerbootes. Dann ging
"AU" hoch und daneben noch ein Signal, das nicht bekannt war. Aus dem schnell
studierten Signalbuch ergab sich als Ganzes: "Ausrichten, Kameraden!"
Morgenandacht
Im Jahre 1920 wurde eine Nordsee-Minensuch-Flottille vom Lübecker Senat eingeladen, beim
Anmarsch nach der östlichen Ostsee, wo noch Minen zu räumen waren, der alten Hansestadt
einen Besuch abzustatten. Die Flottille nahm die Einladung gerne an. Um die Wirkung ihres
Auftretens zu erhöhen, borgte sie sich die Kapelle der Wilhelmshavener
Küstenabwehrverteidigung und schipperte dann frohgemut durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal
nach Osten. Kanalfahrten waren immer anstrengend, denn es war von jeher Brauch, bei ihnen
reichlich zu feiern. In den ältesten Zeiten gehörte angeblich zu jedem Kilometer ein
Schnaps. Da es im ganzen 99 waren, ist das wohl nicht wörtlich zu nehmen. Es war aber
auch so kein Wunder, daß am nächsten Morgen in der Holtenauer Schleuse mancher Seefahrer
etwas müde in die strahlende Sonntagssonne blickte.
Für die gezeitenlosen Gewässer, die von nun an vor ihnen lagen, hatten die rauhen
Nordseeleute tiefe Verachtung. Die Folge war, daß das Führerboot gleich hinter
Friedrichsort, am Beginn der Kieler Außenförde, die Jägersbergtonne an der falschen
Seite nahm und mit beträchtlicher Fahrt (man wollte vom Sonntag in Lübeck doch recht
viel haben!) auf den Sand lief. Die Boote standen in keilförmiger Normalstellung. Die
Hintermänner fuhren stur hinterher, wie sie das zwar nicht tun sollten, aber meistens
tun, und nach wenigen Sekunden rutschten die Nummern 2 und 3 beiderseits des Führerbootes
auf den Dreck. Die Nummern 4 und 5 merkten zu spät, was anlag. Sie backsten zwar
gewaltig, aber sie waren schön dicht aufgeschlossen gefahren, um auf die dösigen Kieler
Eindruck zu machen, und sehr bald garnierten auch sie den Sand zu beiden Seiten der schon
sitzenden Boote. Die letzte Gruppe der Flottille, die in größerem Abstand folgte,
stoppte rechtzeitig und ankerte in der Nähe ihrer gestrandeten Brüder.
Der Gruppenführer traf nun alle Vorbereitungen zum Abschleppen; dagegen ließ der
Kommandant der Nummer 8, der einen großen Teil der Kapelle an Bord hatte, seine
Beethovens mit ihren Instrumenten an Deck antreten. Bald erschollen weithin über die
sonntagsstille Förde die der Gelegenheit besonders gut angepaßten Choräle: "Lobe
den Herren, der alles so herrlich führet", gefolgt von "Ich habe nun den Grund
gefunden, der meinen Anker ewig hält!" Darauf verschwanden Flottillenchef und
Flottillensteuermann unter Deck und wurden längere zeit nicht wieder gesehen.
Ein schwieriges Bojenmanöver
Nicht alle Admirale sahen sich das Fahren der Herren Wachoffiziere mit der eisigen Ruhe an
wie der Großadmiral der kaiserlichen Marine.
Recht oft war großer Zustand auf der Brücke. Einmal war der Einzige, der seine Ruhe
behielt, der jugendliche Wachoffizier. Allerdings fuhr er recht karsch. Wie er es
anstellen wollte, mit dem dicken Schiff den Bogen herauszukriegen, der noch zu fahren war,
um an die Boje zu kommen, war den älteren Herren ein Rätsel.
Der Admiral sieht vorwurfsvoll den kommandanten an. Der Kommandant legt betrübt die Hand
an die Mütze und zischelt seinen Untergebenen an:
"Sie kommen doch nicht rum, zum Donnerwetter! Wie gehen die Maschinen, wie liegt das
Ruder?"
"Alle Maschinen gehen kleine Fahrt voraus, Ruder liegt Steuerbord zwanzig, Herr
Kapitän."
"Das ist nicht genug! Mehr Ruder! Mit den Schrauben steuern!"
"Jawohl, Herr Kapitän! Hart Steuerbord! Steuerbordmaschine Stopp!"
Das Schiff dreht weiter, aber immer noch nicht genug. Schließlich reißt dem Admiral die
Geduld. Er brüllt in den Kommandostand:
"Steuerbordmaschine Äußerste Kraft Zurück!"
Na schön, denkt der Wachoffizier, du mußt es ja wissen. Die Steuerbordmaschine schlägt
zurück. Das Schiff zittert. Das Heckwasser quirlt. Natürlich dreht das Schiff sofort zu
stark. Der Kommandant ist wütend. Der Admiral schüttelt den Kopf und trommelt mit allen
zehn Fingern auf der Reling.
Schließlich wird es dem Kommandanten zu bunt.
"Steuerbordmaschine Stopp! Zum Donnerwetter!"
Darauf legt der Wachoffizier die Hand an die Mütze und meldet mit eiserner Ruhe:
"Verzeihung, Herr Kapitän, mit der Steuerbordmaschine arbeitet bereits seine
Exzellenz!"
Im Sturm
Als die DDR noch existierte und die Freundschaft zwischen ihr und der Bundesrepublik
Deutschland nicht unbedingt groß geschrieben wurde, kam es teilweise zu recht heftigen
Muskelspielen zwischen den "konkurrierenden" Schiffen der beiden Nationen.
Ferner waren die DDR-Kriegsschiffe für ihr recht aggressives Auftreten auf See bekannt
und gefürchtet.
In den 70er Jahren wurde von einem bundesdeutschen Torpedo-Schnellboot ein Manöver des
Warschauer Blocks "überwacht". Es war ein stürmischer Tag und das Schnellboot
fuhr dicht an dem U-Jäger "Krake" vorbei. Durch die ständigen Schläge durch
den Seegang und Materialermüdung brach der Sicherungsbolzen des auf der Back stehenden 40
Millimetergeschützes und drehte sich wild und unhaltbar in Richtung der
"Krake".
Auf beiden Schiffen war mit einem Male der Teufel los. Auf dem bundesdeutschen
Schnellbootes rannten die Artilleristen mit Tampen und Leinen Richtung Back um das gegen
den Seegang mit einer Plane abgedeckte Geschütz zu sichern. In ihrer Hektik hörten sie
wie auf der "Krake" die Alarmglocken klingelten, die Geschütze bemannt und auf
das bundesdeutsche Schnellboot gerichtet wurden. Es war kurz vor einem Feuerbefehl. Der
Kapitän und die Wachoffiziere wollten nicht wahrhaben, daß das Geschütz auf dem
Schnellboot defekt war.
Selbst wenn man auf den U-Jäger hätte Zielen wollen, war dies durch die gebrochene
Bremse nicht möglich.
In seiner Not funkte der Schnellboot-Kapitän seine Kollegen seines Geschwaders an und bat
um dringende Unterstützung.
Das in der Nähe stehende Schnellbootgeschwader eilte seinem Schwesterschiff mit voller
Kraft und wehenden Fahnen zur Hilfe. Die Geschütze durften sie nicht bemannen, um den
ohnehin schon in Hektik gefallenen Kapitän der "Krake" nicht weiter zu
provozieren. Schnell wurde ein "Teller" vom Führungsboot befohlen.
Deshalb fuhren die neun restlichen Boote des Geschwaders mit voller Kraft enge Kreise um
den U-Jäger, welcher durch diese dann bis zu 7 Meter hoch und runter hüpfte. Die
Besatzung konnte sich bedingt durch den künstlichen Seegang vor lauter Übelkeit kaum
noch auf den Beinen halten, geschweige denn die Geschütze bedienen.
07-2015
Angebot und Nachfrage
U-Schnee und U-Suhren, zwei von Feindfahrt kommende erfolgreiche Boote, liefen 1943 in
einen U-Stützpunkt ein, der sie gebührend mit Musik und Zuschauern empfing. An der
Spitze aller auf der Pier: der Flottillenchef. Bevor die Boote noch richtig fest waren,
rief er ihnen schon zu:
"Herzlich wilkommen, die einlaufenden Boote! Es läuft der Film "Weiße
Wäsche", und warmes Wasser läuft auch!"
Einer der Kommandanten, dessen Boot noch mitten im Anlegemanöver war, wollte noch etwas
wissen:
"Sind die Nazis noch am Ruder?" rief er zurück.
"Ja", kam die Antwort von der Pier.
Auf dem Boot aber lautete das nächste Kommando:
"Beide Stop! Beide AK zurück!"
09/2015
Der "Alte Fritz" und die Segeltuchschuhe
Kommandantenmusterung auf einer Torpedoboots-Halbflottille. Anzug: Arbeitszeug,
Segeltuchschuhe.
Der Kommandant des Torpoedobootes V5, wegen seiner Vorliebe, Untergebene in der
friderizianischen dritten Person anzusprechen, "Alter Fritz" genannt, ertappt
einen seiner Männer, der statt der befohlenen Segeltuchschuhe schwarze "8,8",
d.h. Dienst-Lederschuhe, trägt.
"Warum hat Er keine Segeltuchschuhe an?" forscht er.
Ohne große Überlegung antwortet der Angesprochene:
"Weil sie Ihm nicht passen!" Nicht nur die Vorwitzigkeit oder gar die treffende
Logik der Antwort sollen den Kommandanten verstimmt haben. Lästerer meinen:
Konkurrenzsorge!
10/2015
Clemens, der Bordhund von "R10"
Wer den deutschen Seemann kennt, der kennt auch seine große Tierliebe. Unzählige
Geschichten wissen davon zu erzählen, daß bei Schiffsuntergängen wahre Heldentaten
verrichtet worden sind, um Peter, den Schiffskater, oder Fips, den Bordhund, ins Boot zu
retten. Mit Vergnügen denke ich an einen Bordhund, dessen Entwicklung zu einem
Prachtvertreter seines Standes ich an Bord von "R 10" von der Kommandantur
Borkum verfolgen konnte.
Als ich wieder einmal an Bord kam, erkundigte ich mich bei der Mutter des Bootes, der
"Nr. 1", nach der Hündin Mopelia und ihren Sprößlingen. Von letzteren war nur
noch einer am Leben, der prächtige Dackel Clemens, dessen Erzeuger sich anscheinend aus
einer Vielheit von unbekannten Vätern zusammensetzte. Das Hunde-Standesamt auf "R
10" nannte ihn: Mopelius - Personalien unbekannt.
Vierzehnfach ersetzt worden war den Hundekindern die Vaterliebe durch die umsichtige Sorge
der 14köpfigen Bootsbesatzung. Aber deren Tierliebe hatte doch die Tragödie nicht
verhindern können, die den kleinen Clemens heimgesucht hat.
Eines Tages war bei einem Aufenthalt in Wilhelmshaven seine Mutter verschwunden. Die ganze
Besatzung geriet in Aufruhr. Alles an Bord drehte sich um die Frage: "Wo ist
Mopelia?!" Ein Fahndungsdienst wurde arrangiert, wie ihn kein Meisterdetektiv
ingeniöser gestalten kann. Das Resultat war niederschmetternd. Ein Kanalschiffer hatte
die Hündin geklaut! Die weiteren Recherchen ergaben, daß das Tier zuletzt bei der
Schleuse in der Nähe von Dortmund gesehen worden war. Sofort trat auf Veranlassung von
"Nr. 1" der große Schiffsrat in Aktion. Man beschloß, auf gemeinsame Kosten
einen Mann von "R 10" auf Fang- und Racheexedition zu entsenden. Aber die eines
Sherlok Holms würdige Aufgabe konnte nicht gelöst werden. Die arme Mopelia war von ihrem
Entführer in der Schleusenwirtschaft an einen unbekannten Touristen verkauft worden. Jede
Spur von ihr hatte sich verloren. Mit der Besatzung von "R 10" trauerte die
große Gemeinde ihrer Verehrer von Borkum, Wilhelmshaven, Emden, Helgoland und allen
anderen Häfen, in denen "R 10" und seine Bordhunde Familienanschluß gefunden
hatten.
Ein Trost aber war der Besatzung geblieben: Morpelias Kinder und die Hoffnung, dem
Kanalschiffer gründlich das Fell gerben zu können, wenn er mit seiner Schute wieder nach
Wilhelmshaven und den Männern von "R 10" vor den Bug und unter die
Seemannsfäuste kommen sollte. Er wird dann mindestens vierzehn Tage lang nur noch auf dem
Bauch sitzen können.
Inzwischen wuchsen Morpelias Sprößlinge mit Hilfe der vierzehn allsonntäglichen
Kottlettknochen und anderer guter Dinge zu prächtigen Mitgliedern der Besatzung heran,
und schon sollten sie feierlich in die Schiffsliste eingetragen werden. Eine höhere
Gewalt hatte es anders beschlossen. Wenige Tage vorher - der Schmutt hatte schon alle Mann
durch die Schilderung der von ihm geplanten Festtagsgenüsse in die entsprechende
weihevolle Stimmung versetzt - sprach das rauhe Schicksal sein "Nein!" - Munter
kläffend fegten die kleinen Dackel Clemens und Harry bei einem Landgang auf Borkum hinter
einem wilden Kaninchen her. Mochte die "Nr. 1" auch seiner Bootsmaatenpfeife die
schönsten Triller entlocken - die ausgelassenen Dackel gehorchten im jugendlichen
Unverstande nicht. Als das Kaninchen Schienen der asthmatisch herankeuchenden Borkumer
Eisenbahn überquerte, sträubten sich die Haare der Männer von "R 10" vor
Entsetzen. Wohl pfiff "Nr. 1" mit aller Lungenkraft, wohl versuchten einige Mann
den Inselexpress am Puffer des letzten Wagens festzuhalten ...
Clemens entging dem Verbrechen. Aber sein Brüderlein Harry lag tot auf den Schienen. Die
hinter ihr herschallenden Flüche der "R 10" Besatzung ließen Europas teuerste
Eisenbahn kalt wie eine Hundeschnauze.
Statt einer festlichen Eintragung in die Schiffsrolle gab es nun eine Beerdigung, aus dem
Freudenmahl des Schmutt wurde ein Leichenschmaus. Clemens nahm unter männlicher
Überwindung seines Schmerzes teil und fraß die für den toten Bruder bestimmte Portion
mit Wehmut und Appetit.
Unweit der Stelle aber, wo ein unkultiviertes Karnickel in der Gemeinschaft mit einer
sensationslüsternden Eisenbahn diesen Mord begangen hatten, erhebt sich auf
marinefiskalischem Grund ein Denkmal. Hier liegt Clemens Bruder Harry begraben und träumt
davon, in einem anderen Leben Lokomotivführer der himmlischen Eisenbahn zu werden und
Jagd auf die in Karnickel gefahrenen Seelen seiner Mörder zu machen. Blumen schmücken
das winzige Hundegrab. Das Denkmal kündet aber die Klage des toten Harry:
"Die Eisenbahn hat es nicht gewollt, daß ich größer werden sollt!"
Wenn der Expreß mit schuldbeladenem Gewissen vorüberdonnert, und Clemens wütend zu ihm
hinüberkläfft, dann wirft der Heizer schnell noch ein Brikett mehr auf, um möglichst
schnell aus dieser Stätte des Grauens zu kommen. -
Clemens ist ein sehr seefester, wohlbehaltener Bordhund und Rattenschreck geworden. Gut
erzogen und gefüttert, tut er seine Pflicht als zuverlässiger Wachmann, der den
Sicherheitsposten ersetzt. Während der Fahrt sitzt er eisern im Kartenhaus - nur ab und
zu steckt er den Kopf in den zur schwarzen Zunft führenden Niedergang. Noch so wilder
Seegang tut ihm nichts. Und pünktlich stellt er sich zur gewohnten Stunde bei der
Essensprobe ein, durch deren gründliche Vornahme er den Dienst des Steuermanns zu
entlasten sucht. Wird Seite gepfiffen, flitzt er wie aus der Pistole geschossen auf seine
Position als freiwilliger Fallreepsgast, setzt auf und salutiert durch Männchenmachen.
nie verwechselt er nach Rückkehr von einem Landgang sein Boot mit einem anderen. Die
ganze Besatzung ist seine Freundschaft. Mit Vorliebe sitzt sie in der Freizeit um ihn
herum und bewundert, was ihm sein bester Freund, der Schmutt, an Allotria beigebracht hat.
Begegnet man ihm an Land, so braucht man sich ihm nur anzuschließen. Er bringt einen
totsicher an einen Ort, an dem sich die Männer von "R 10" zur Stärkung vor
Anker gelegt haben.
Wehe, wenn ihm die Sonntagshosen des hundeklauenden Kanalschiffers vor die Schnauze kommen
sollten.
02-2016
Körperwäsche auf dem Schnellboot
Körperwäsche auf dem Schnellboot Mit der täglichen Hygiene hat der Schnellbootfahrer
naturgemäß so seine Probleme.
Das liegt vor allem daran, daß in den Frischwassertank an Bord eines Schnellbootes der
143-Klasse gerade mal 2000 Liter Wasser passen, wovon auch noch 600 Liter als Notreserve
zurückgehalten werden müssen. Bei 40 Mann Besatzung ist so ein spärlicher Vorrat sehr
schnell aufgebraucht. Ist absehbar, das der Turn mehrere Tage dauert, so werden die
Wasserhähne an Bord gesperrt und statt dessen Kanister für gelegentliches Händewaschen
und Zähneputzen aufgestellt.
Einige Kameraden wollen trotzdem nicht auf ihre täglichen Gepflogenheiten verzichten, was
gelegentlich für allgemeines Vergnügen sorgt.
So war für meinen Freund Bogus ein Tag, an dem er sich nicht die Haare waschen konnte,
ein schlechter Tag. Als das Wasser wieder einmal rationiert war da wir längere Zeit vor
Anker lagen, kaufte er sich sich kurzerhand einige Flaschen Mineralwasser in der
Bordkantine, goß sie ins Waschbecken und konnte alsdann mit frisch duftenden Haaren in
den Tag gehen.
Belästigender als das Haarewaschen wird es wohl der Kamerad empfunden haben, der eines
Tages einen jungen Wehrpflichtigen in Abteilung III mit heruntergelassenem Lederzeug
antraf. Er stand dort und war gerade dabei seinen Schniedelwutz zu wienern. Dies sprach
sich natürlich schnell rum und der "Nacktarsch" hatte fortan seinen Ruf weg.
Die Erlaubnis des Kommandanten, ein BadEX (Badepause auf See) durchzuführen, versprach
nicht nur viel Spaß, sondern war auch ein Beitrag zur Körperhygiene. Wenn man tagelang
bei 30°C an Oberdeck und bei bis zu 40°C Unterdeck geschwitzt hat, ist das ein prima
Ersatz für die Dusche. Es wird jedem Seelord in bleibender Erinnerung bleiben, wenn er
mitten in der Biskaya von Bord ins Wasser springt und weiß, daß der Meeresgrund bis
über 2000 Meter unter ihm liegt.
Das Unangenehme beim Baden in dem im Vergleich zur Ostsee sehr salzhaltigem Wasser sind
die winzig kleinen Salzkristalle, die auch nach dem abtrocknen oft auf der Haut
verbleiben. In Verbindung mit der reibenden Kleidung kann sich sich ein lästiges Zwicken
am Körper entwickeln. Selbst wenn man nicht mehr naß ist, sollte man sich hier zur
Abhilfe nochmals kräftig mit einem trockenen Handtuch abrubbeln.
03/2016
Toerst den Groten
Man schrieb das Jahr 1943, das fünfte Jahr seit Kriegsausbruch ...
Zwischen den Orkneys und den Shetlands schwimmt Jan Meiers mit einem Vorpostenboot, einem
Fischdampfer a. D., wie üblich. Das seetüchtige Schiffchen ist grau gemalten wie die
großen und kleinen Schwestern der grauen Dampferkompanie, und auf der Back steht nun,
deutlich drohend, eine Dreikommasieben. Die Tage schleichen dahin. Es ist ja Krieg. Und
hier, in diesen abseitigen Gewässern, fährt nur noch zur See, wer unbedingt muß. Bei
Käppen Meiers ist der Ausguck gleichzeitig auch Rudergänger. Am Personal hapert es hier
wie allerorts. Man behilft sich eben.
Im Morgengrauen des sechsten Tage ist es soweit. «Feindlicher Verband Steuerbord voraus,
meldet der Rudergänger. «Alarm» brüllt Jan Meiers, und in kürzester Zeit hat sich die
Besatzung vollzählig auf der Brücke versammelt. Alles starrt gebannt auf den sich
nähernden Verband englischer Kriegsschiffe. Deutlich kann man bereits im Glas einen
riesigen Flugzeugträger erkennen, der auf jeder Seite durch mehrere Zerstörer und
Fregatten gesichert ist. Der Feind hält direkt auf Jan Meiers Vorpostenboot zu. Die
Gegnerschiffe kommen näher und näher. Bei Käptn Meiers, der langsam unruhig wird,
fällt die Entscheidung: «Geschütz. klarmachen». sofort stürzen der Steuermann, der
Smut und der Maschinist an die Kanone. «Geschütz klar» wird, sozusagen im Handumdrehen,
an die Brücke gemeldet. Auf eben dieser Brücke befindet sich die restliche Besatzung,
Käpt'n Jan Meiers nämlich und der Rudergänger. «Ziel auffassen!» hört man den
Käpt'n Sekunden später durch die Flüstertüte in Richtung Back befehlen. Der Smut hat
verstanden und, da er Richtschütze ist, richtet er die Dreikommasieben auf den nächst
stehenden Gegner. Nächst stehender, etwas voraus gestaffelter Gegner ist eine der den
Flugzeugträger sichernden Fregatten. In diesem Augenblick plagen Jan Meiers arge Zweifel.
«Hein!» brüllt er zur Kanone. «Hein!» Hein Sivers, der Smut, wundert sich. Dreht der
Alte da oben etwa durch? Tief beruhigt ist er aber über das, was er dann von der Brücke
vernimmt - «Hein! Paß up. Zielwechsel. Toerst den Groten!»
Der englische Verband soll daraufhin abgedreht haben.
04/2016
Unter zarter Flagge
Anno 1969: Feierlich grüßten Offiziere und Mannschaften von fünf belgischen
Minensuchbooten, die sich an Deck ihrer Schiffe aufgestellt hatten, beim Einlaufen in den
Hafen von Plymouth, die Flagge.
Eine Gruppe von englischen Offizieren hatte sich auf dem Pier zur Begrüßung eingefunden.
Sie salutierten zurück, bis einer von ihnen erbleichte. Sein Blick war auf den Fahnenmast
gefallen. Was da flatterte, war nicht die NATO-Fahne, sondern ein Damenhöschen.
Ein Kadett holte das zarte Dessous ein und fand einen daran gehefteten Zettel. Er war von
Studenten aus Plymouth unterschrieben. Für die Rückgabe der entwendeten Fahne forderten
die jungen Witzbolde die Zahlung eines «Lösegeldes» an einen Wohlfahrtsverband. Eine
eilige Sammlung bei den Offizieren brachte die Summe von zwei Pfund, neun Shillingen und
sechs Pennies (umgerechnet etwa 24 Mark) ein. Die NATO-Fahne wurde ausgelöst und gehißt.
Einer der britischen Offiziere seufzte etwas später: «Es war nicht leicht den Belgiern
den Witz zu erklären»
05/2016
Kein Anglerlatein
Den schwersten Fang seines Lebens gemacht zu haben, rühmte sich im Oktober 1962 der
britische Fischer Stanley Drake. Am Vortag hatte er im Netz seines Trawler vor der Küste
von Plymouth plötzlich einen mächtigen Fisch, den an Bord zu hieven, alle Mann an Deck
gerufen wurden. Trotz aller Muskelanspannung wollte sich der Fang nicht gefangengeben. Nur
langsam kam das Netz nach oben, und darin war, eingehüllt wie in einem Einkaufsnetz, ein
kleines dänisches Unterseeboot. Daß Drake kein Anglerlatein gesponnen hatte,
bestätigten amtliche NATO-Stellen. Das U-Boot hatte an einer NATO-Übung teilgenommen und
wurde bei der Unterwasserfahrt aus dem Kommandanten nicht ganz klaren Gründen nicht nur
manövrierunfähig, man wurde mit samt dem Boot auch recht ungewöhnlich bewegt. So
beschloß der Kommandant auftauchen, wobei er den Mühen der Trawlerleute sehr sinnreich
entgegenkam.
Und nach dem ungeschriebenen Gesetz der Duplizität der Ereignisse läßt der Fall Zwo
nicht, all zulange auf sich warten. Unter dem 19 Januar 1968, berichtet die dpa, daß dem
französischen Trawler Formalhaut das britische U-Boot Grampus ins Netz gegangen sei. Das
U-Boot, das während einer Fahrt im englischen Kanal in die Maschen des Trawlersnetzes
geraten war kam sofort an die Oberfläche. Fischer und die britischen U-Boot-Matrosen
hatten über drei Stunden lang zu tun, um das Netz wieder abzustreifen.
06/2018
Etwas ist faul im Staate Dänemark
Ein junger dänischer Seekadett macht seine erste Reise an Bord eines Ausbildungsschiffes,
auf dem sein Vater der Kommandant ist. Als er diesen gleich am ersten Morgen auf dem
Achterdeck begegnet, entbietet er ihm ein freundliches "Guten Morgen Vater".
"Du hast mich offiziell zu grüßen, mit der Hand an der Mütze, Kadett Naess, und
merke Dir eins, ich bin hier der Kommandant und Kapitän und nicht Dein Vater".
"Jawohl, Herr Kapitän, verstanden, wenn ich wieder mal zu Hause bin, werde ich das
der Mutter mitteilen, ist die schnelle, schlagfertige Antwort.
07/2018
Der Pessimist
Nach einem an Mühen und Aufgaben reichen Übungstag in der Ostsee fahren zwei deutsche
Leichte Kreuzer in Linie und langsamer Fahrt durch die See. Die Nacht ist ruhig, und die
Sicht läßt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Es kann gar nichts passieren.
Eigentlich. Aus diesem Grund hat man auch die Wache einem noch ziemlich jungen Offizier
überlassen. Dennoch gelingt dem WO eine Ramming mit einem motorisierten Küstenschoner.
Dieser kommt jedoch ohne große Mühe mit eigener rückwärts drehender Schraube wieder
frei, nur die Hälfte seines Bugsprits bleibt an Deck des Kreuzers zurück. Kaum hat der
junge WO versucht, seinem inzwischen auf der Brücke erschienenen Kommandanten eine
Erklärung für die ihm unerklärliche Kollision zu gehen, und kaum hat der
Schonerkapitän festgestellt, daß die unfreiwillige, gewaltsame Begegnung mit dem Man of
War bis auf den Verlust des Bugspritteils ohne die Sicherheit des Schiffes gefährdende
Schäden blieb, kracht es erneut: Der zweite Kreuzer hat den Schoner erwischt.
Glücklicherweise rammt er den aus Holz erbauten Schoner so weit vorn, daß er zwar Wasser
macht, aber, da die Pumpen gut dagegen angehen können, auch jetzt nicht in seiner
Schwimmfähigkeit beeinträchtigt wird.
Als sich der Kreuzer trotz gestoppter Maschine nur langsam an dem Schoner vorbei schießt
und die Brücke querab zum Segler kommt, ruft dessen Kapitän mit sturmgewaltiger Stimme
hinauf: "Wieviel von diesen verdammten Kreuzern kommen nun eigentlich noch?"
Kein Anglerlatein
Den schwersten Fang seines Lebens gemacht zu haben, rühmte sich im Oktober 1962 der
britische Fischer Stanley Drake. Am Vortag hatte er im Netz seines Trawler vor der Küste
von Plymouth plötzlich einen mächtigen Fisch, den an Bord zu hieven, alle Mann an Deck
gerufen wurden. Trotz aller Muskelanspannung wollte sich der Fang nicht gefangengeben. Nur
langsam kam das Netz nach oben, und darin war, eingehüllt wie in einem Einkaufsnetz, ein
kleines dänisches Unterseeboot. Daß Drake kein Anglerlatein gesponnen hatte,
bestätigten amtliche NATO-Stellen. Das U-Boot hatte an einer NATO-Übung teilgenommen und
wurde bei der Unterwasserfahrt aus dem Kommandanten nicht ganz klaren Gründen nicht nur
manövrierunfähig, man wurde mit samt dem Boot auch recht ungewöhnlich bewegt. So
beschloß der Kommandant auftauchen, wobei er den Mühen der Trawlerleute sehr sinnreich
entgegenkam.
Und nach dem ungeschriebenen Gesetz der Duplizität der Ereignisse läßt der Fall Zwo
nicht, all zulange auf sich warten. Unter dem 19 Januar 1968, berichtet die dpa, daß dem
französischen Trawler Formalhaut das britische U-Boot Grampus ins Netz gegangen sei. Das
U-Boot, das während einer Fahrt im englischen Kanal in die Maschen des Trawlersnetzes
geraten war kam sofort an die Oberfläche. Fischer und die britischen U-Boot-Matrosen
hatten über drei Stunden lang zu tun, um das Netz wieder abzustreifen.
Der gereimte Bordarrest
Die unter der Flagge der österreichischen k. und k. Marine fahrenden Kleinen Kreuzer
Tiger und Panther ankerten bei Windstille in einer kleinen dalmatinischen Inselbucht. Es
setzte etwas so daß die beiden Schiffe schön parallel lagen, doch wurde diese Eintracht
durch eine plötzliche Fallbö empfindlich gestört. Ein Kreuzer wurde von ihr erfaßt,
während der andere im Windschatten blieb und nichts davon verspürte. Das in den Wind
schwojende Schiff kam dabei dem anderen bedrohlich nahe. Schnell aufgebrachte Fender
milderten zwar den kurz darauf erfolgenden Anprall, aber nicht stark genug, so daß man
ihn auch unter Deck verspürte. Der Kommandant der Tiger kam auch sofort an Deck, um den
Grund der Erschütterung festzustellen.
Der Wachoffizier trat auf ihn zu und meldete: Herr Kommandant, die Tiger und die
Panther die schwaiten (schwojen) aneinander.
Der Kommandant konterte, kurz und bündig, ohne eine Regung im Gesicht, und auch in
Versform: Weil der Witz so gut gewest, vierzehn Tage Bordarrest.
Noch nicht, Sir
Noch nicht, Sir Am 6. Januar 1915 läuft das britische Schlachtschiff King Edward VII vor
der schottischen Küste auf eine deutsche Mine und wird so schwer beschädigt, daß es zu
sinken droht. Damit die Schotten nicht zusammenbrechen, sind alle Mann damit
beschäftigt, sie mit Bauholzbalken abzustützen. Ein Zusammenbrechen der Schotten würde
für das 17000 t-Schiff und seine 777 Mann Besatzung mit Sicherheit das Ende bedeuten. Als
die Arbeiten erst halb beendet sind, meldet der Zimmermann dem Kommandanten, daß bereits
jetzt alle Bauhölzer verbraucht seien. Der Kommandant fragt ihn: Und was ist mit
dem x-Magazin? Der Zimmermann stutzt und sagt dann: Oh, Herr Kapitän, die
können wir doch nicht nehmen, das sind doch die Reservestützen für den Notfall.
12/2018
Der bekannte Unbekannte
Der Austausch von Signalen mit Handelsschiffen kann für die Offiziere und
Signalgasten einer Kriegsmarine von großem Wert sein. Das ist auch die Ansicht von
Captain D. R. Metha von der Indischen Marine. Hier mußten sogar bis vor kurzem solche
Begegnungen mitsamt dem Wortlaut der Signale ins Logbuch eingetragen werden. Metha
erinnert sich: Als ich eines Tages das Logbuch meines Schiffes überprüfte, fiel
mir die Eintragung meines neuesten und jüngsten Wachoffiziers auf. Sie lautete:
"17.17 Uhr: Identität mit unbekanntem Schiff gewechselt."
02-2019
Der Dackel
So geschehen, bei der österreichischen k-u.k-Marine: Auf dem Linienschiff Erzherzog Franz
Ferdinand hielt sich der Seefähnrich St. einen Dackel. Dieser, ein echtes Schlitzohr
seiner Rasse, wurde bald zum erklärten Liebling aller an Bord. Eines Tages wird der
bedackelte Seefähnrich auf ein Torpedoboot abkommandiert. Als er sich, der sich im
Gegensatz zu seinem Vierbeiner beim Kommandanten keiner Sympathie erfreut, von Bord
meldet, fragt ihn der Kommandant: Und den Dackel, nehmen's den a mit?
Jawohl, Herr Kapitän, den Dackel nehme ich auch mit. Pause, dann, der
Kommandant: "Schade, um den Hund tut's mir leid."
03/2019
Horatio Nelson und die Schiffspflege
In der Flotte Horatio Nelsons bestand hinsichtlich der Pflege vom Heimathafen und damit
von Werften entfernt operierenden Schiffen der strikte Befehl, dass jeweils die Ein- und
Durchschüsse in der Bordwand, sollte ein Schiff solche erlitten haben, vor dem Malen
durch Kork abzudichten seien.
In einer ruhigeren Periode hatte sich auf dem Linienschiff HMS Vengeance - wie damals
nicht unüblich - auch die Gattin des Kommandanten eingeschifft. Und diese fühlte sich
damit gleichzeitig befugt, einen Teil der Kommandantenrechte wahrzunehmen.
Durch ihre Einmischung in den Dienstbetrieb wie auch in privatpersönliche Sphären blieb
es schließlich nicht aus, dass sich die hochgestellte Dame bei einem Teil der Besatzung
langsam aber zielsicher missliebig machte, bei Offizieren gleichermaßen wie bei
Unteroffizieren und bei den Mannschaften.
Nun war HMS Vengeance von Natur und Aufgabenstellung ein Kriegsschiff Seiner Majestät.
Und auf Kriegsschiffen haben Langhaarige normalerweise nichts, aber auch gar nichts zu
suchen. Das hatte sich auch bis zu den Schiffbauern herumgesprochen.
Sanitäre Anlagen für das andere Geschlecht wurden daher auch gar nicht
berücksichtigt und nicht eingebaut. Ergo blieb der honorigen Kommandeuse nur der Weg, die
an Bord übliche Anlage only for men zu benutzen. Und diese Anlagen waren,
ihrer Zeit entsprechend, als es noch keine WC's mit Deckelklappe und Fließwasser gab,
denkbar primitiv. Mangels einer dauernd fließenden See-Wasserleitung bestanden sie im
freien Überhängen an der Bordwand. Auf diese war nun auch Horatios bessere Hälfte
angewiesen.
Es ereignete sich nun, dass gerade, als ein Außenbordsreiniger dort mit dem Teerquast den
Anstrich des Schiffes ausbesserte, das zweite Gesicht der Dame über den
saphirblauen Wassern erschien. Welch eine Gelegenheit: Schnell nutzte der Seemann diese
Situation mit einem kühnen Schwung des Quastes zu einem schwarzen Anstrich aus.
Der Zustand war unausbleiblich. Rache schnaubend forderte die Beleidigte einen
Kommandantenrapport. Der arme Ehemann, der eine persönliche Auseinandersetzung in einen
dienstlichen Straftenor verwandeln sollte, sah sich zwischen zwei Stühle gesetzt und in
einer verzweifelten Lage.
Schließlich sprach er das salomonische Urteil: .... . bestraft for painting uncorked
wholes.
06/2019
Als SMS Wacht auf Tiefe ging
Flottenmanöver im Jahre 1901 unter Admiral Koester. Sie finden nördlich der pommerschen
Insel Rügen statt. Beide Geschwader fahren in Dwarslinien hintereinander, ein
großartiges, ein majestätisches Bild.
SMS Wacht als Wiederholer des 2. Geschwaders stand vorschriftsmäßig hinter dem 2. auf
seinem Platz.
Nicht vorschriftsmäßig war dagegen, dass das große Zahnrad der Rudermaschine von der
Reparatur auf der Werft in Kiel nicht mehr rechtzeitig eingetroffen war. Es musste deshalb
mit dem Handruder gesteuert werden. Diese eingeschränkte Manövrierfähigkeit war dem
Kommandanten der Flotte dann auch vorschriftsmäßig gemeldet worden. Ob man auch den
Admiral verständigt hatte, ist nicht nachzuweisen. Wer meldet schon gern dem Flottenchef
eine Panne? Aber nehmen wir solches an.
Bei dem Signal 1. und 2. Geschwader Glieder wechseln hatten auch die beiden
Geschwaderwiederholer ihre Positionen vor und hinter der Formation zu tauschen; hierbei
mussten sie sich zwischen den Lücken der beiden hindurchdrängen. Während des Übergangs
bildeten die Einheiten der Geschwader fast eine Reihe.
Ältere Seeoffiziere werden sich noch daran erinnern, dass Admiral Koester an die Fahr-
und Manövrierkunst seiner Kommandanten ausgesucht hohe Ansprüche stellte. Es war eine,
von den Kommandanten gar nicht sehr geschätzte Eigenart von ihm, diese überraschend in
seemännisch schwierige Lagen zu bringen. Eine solche Überlegung muss ihm dann auch bei
den Manövern vor der pommerschen Kreideinsel überkommen sein. Dabei aber muss er nicht
an die durch den Handruderbetrieb eingeschränkte Manövrierfähigkeit von SMS Wacht
gedacht haben. Jedenfalls gab er den Befehl:
Wendung acht Strich Backbord!
Die Männer auf SMS Wacht taten nun nicht das, was möglich gewesen wäre, und Koester
möglicherweise auch zu einer Änderung oder Zurücknahme dieses Befehls hätte bewegen
können, nämlich durch Signal erneut dem Kommando der Flotte die eingeschränkte
Manövrierfähigkeit zu melden. Sie folgten vielmehr dem Befehl mit dem Eifer solcher, die
es dennoch schaffen wollen. Der SMS Wacht-Kommandant hatte sofort zwei weitere
Rudergänger ans Ruder befohlen, so dass nun vier kräftige Seeleute mit acht kräftigen
Armen in die Spaken griffen. Sie taten dies behände und mit viel Eifer. SMS Wacht war
jedenfalls noch beängstigend weit vom
Geschwaderwinkel entfernt, als sich der Steven von SMS Sachsen in seine Seite
bohrte. SMS Sachsen vermochte auch seinerseits keinen Raum mehr zu geben. Die Ramming
geschah mit viel Wucht und viel Kraft, so heftig und so schwer, dass sich der Kommandant
schnellstens zur Aufgabe seines Schiffes entschloss oder besser: entschließen musste.
Nun, das immer wieder und daher gut exerzierte Mann über Bord-Manöver
klappte vorzüglich. Es gelang, die Besatzung vollzählig zu retten.
SMS Wacht aber, der kleine Geschwaderwiederholer, legte sich auf die Seite. Wenige Minuten
später war er von der Wasseroberfläche verschwunden.
Während noch einige Torpedoboote die Untergangsstelle absuchten, setzte die Flotte ihre
Übungen alsbald in Richtung Danzig fort.
Bald darauf erschien mit weißem Bart und hoher Fahrt das Depeschenboot aus Kiel.
Der Kommandant des Depeschenbootes, Kapitänleutnant Dominik (90), fragte bei einem der
Torpedoboote an:
K. an K. Wo ist Wacht? Habe repariertes Zahnrad ihrer Rudermaschine an Bord. Bin
klar zur Abgabe. Die Antwort war diese:
K. an K. Werfen Sie es über Bord. SMS Wacht befindet sich unter Ihnen.
08/2019
Die Nacht ist um
Er hieß der Rote Jim, und er war Kadettenkorporal auf der Emden III. Mit seinem
Brustkasten wie ein Backsspind breit und eckig und mit seinen roten Stichelhaaren - auf
Kopf und Brust - war er unverkennbar und unübersehbar. Da er mit seinen Seekadetten auch
das I-I 5-cm Geschütz auf der Back besetzte, hatte er auch dort seine Reinschiffstation.
Jeden Morgen in See konnte nun der Wachhabende Offizier folgendes Zeremoniell beobachten,
wenn er sich in die Steuerbordbrückennock begab, denn zwei Deck tiefer lag darunter - nur
etwas voraus - die Kammer des Schiffspfarrers - mit einem Bullauge zur achteren Back:
Bei Reinschiffbeginn tritt die I. Korporalschaft der Seekadetten auf der Achterback an,
Front direkt zum besagten Bullauge. Der älteste Kadett meldet an den Roten Jim, der seine
Männer mit stets wechselnden frommen Sprüchen begrüßt, sich dann an das Bulley des
Schiffspfarrers begibt und seinen Kopf hineinsteckt. Da die folgenden Worte stets
lautstark gesprochen werden, können sie selbst auf der Brücke deutlich verstanden
werden: Wer tagsüber nichts tut, muss nachts seine Ruhe haben. Die Nacht ist um,
Herr Pfarrer.
09/2019
Die silbernen Löffel
Kapitän zur See Deinhard (Crew 1856) wurde in Anerkennung seiner Verdienste bei der
Niederwerfung des Buschiri-Aufstandes in Ostafrika im Jahre 1884/85 zur Kaiserlichen Tafel
geladen und hatte die Ehre, die Prinzessin Irene zu Tisch zu führen. Schnell kam ein
anregendes Gespräch mit der geistreichen Tischdame zustande. Als die Suppe serviert
wurde, nahm Deinhard, der sich in seiner langen Seefahrtzeit bei der steten Anwesenheit
zahlreicher Kakerlaken als Mitesser und der Mitwirkung handfester Pantrygäste beim
Tischdecken an größte Sauberkeit gewöhnt hatte, den kostbaren Silberlöffel und
reinigte ihn, ins Gespräch vertieft, in alter Gewohnheit mit seinem Mundtuch. Der hinter
seinem Stuhl aufwartende Diener bekam einen roten Kopf und beeilte sich, den offenbar
beanstandeten Löffel gegen einen anderen auszuwechseln. Deinhard hatte diese servile
Tätigkeit wohl nur im Unterbewußtsein wahrgenommen und setzte, das Gespräch mit seiner
Tischdame weiterführend, die ihm gewohnt gewordene Reinigungsarbeit auch an dem neuen
Löffel fort. Der völlig verwirrte Diener versuchte darauf, dem Kapitän wiederum einen
anderen Löffel zu reichen.
Jetzt aber wurde Deinhard hellwach und sagte:
Junger Mann, Sie meinen wohl einen gefunden zu haben, der Ihnen Ihr ganzes Silber
putzt?
10/2019
Der Grundgänger
Schauplatz ist der Torpedoschießverband in der Travemünder Bucht.
Der UWO-Lehrgang wohnte nach Absolvierung der Torpedoschule auf der General Osorio, die in
der Bucht vor Anker lag, und wurde morgens zum Übungsschießen auf die Torpedoboote
gebracht. Die Fähnriche sollten nun in der Praxis beweisen, daß sie auf der TS, auf der
Torpedoschule, die Augen nicht auf Null gestellt haben. Fähnrich zur See W. übernimmt
für die Dauer seines Schusses mit dem Übungstorpedos auch das Kommando über das
Torpedoboot.
Der Kommandant und der Schießlehrer stehen hinter ihm. Sie beobachten die Manöver des
jungen Herrn. Nachdem Gegner-Lage und Gegner-Fahrt in den TZA gegeben worden sind und der
Torpedo gelöst ist, dreht das Boot mit Höchstfahrt in die Blasenbahn ein, um den Torpedo
ja nicht aus den Augen zu verlieren. Gilt es doch jetzt, den Aal wieder einzufangen.
An Backbordseite, mittschiffs vor den Torpedorohren, befindet sich dafür eine
Heißvorrichtung. Unter ihr muß der nun im Wasser auf und nieder stehende Torpedo
schwimmen, um dann eingepickt und an Bord gehievt werden zu können. Bald kommt voraus der
zum besseren Wiederauffinden leicht qualmende Torpedokopf in Sicht. Fähnrich zur See W.
gibt seine Kurskorrekturen an den Rudergänger. Er läßt auf langsame Fahrt gehen. Und
langsam kommt der in der leichten See auf und nieder wiegende Kopf näher.
Beide stopp, beide langsame zurück.
Und ganz langsam gleitet der Torpedo am Bug vorbei, aber auch an der Heißvorrichtung.
Erst etwa 40 m dahinter kommt das Boot zum Stehen.
Die Erregung des Kommandanten wird erklärlich, wenn man weiß, daß das Boot nach diesem
Fang in den geliebten Hafen einlaufen soll.
Der letzte Schuß des Tages also.
Er sagt dem Fähnrich W. sehr deutlich, was er von dessen Fahrkunst hält und ruft dann
mit dem Ton eines Mannes, der ganz genau weiß, was er will und kann: Kommandant
fährt weiter ... langsame zurück, und dann, den Torpedo im Auge behaltend, ruft er
über die Schulter dem Fähnrich zur See W. sehr selbstsicher zu: Sehen Sie mal zu,
wie Kommandant Aal von achtern fängt.
Das Boot nimmt langsam Fahrt nach achtern auf. Kommandos, Fahrt und die Ruderlage
betreffend, jagen sich. Alle Mann starren auf den Torpedo, gebannt und voller geheimer
Neugier. Sie verfolgen das schwierige Manöver. Plötzlich ist der Aal nicht mehr von der
Brücke zu sehen. Er ist hinter dem Heck verschwunden. Ein laut schepperndes Geräusch
zeigt an, daß Torpedo und Schrauben Berührung haben.
Umsichtig befiehlt der Kommandant:
Klar bei Grundgängerboje' wirf Grundgängerboje. Kurz darauf rauscht auch der
Anker in den Grund. Das Boot muß jetzt solange bei dem Grundgänger liegenbleiben, bis
ein Torpedofangboot mit einem Taucher zur Stelle ist. Das kann, die Erfahrung hat es
gelehrt, ziemlich lange dauern.
Aus ist's mit dem Einlaufen, aus ist's mit dem abendlichen Landgang. Nun erst recht.
In das eisige Schweigen auf der Brücke tönt die helle Stimme des Fähnrichs W. hinein:
Herr Kaleu, melde Befehl ausgeführt, zugesehen wie Kommandant Aal von achtern
fängt.
Die Worte des Kommandanten verschweigt des Sängers Höflichkeit, aber selten sah man
einen Fähnrich so schnell den Niedergang von der Brücke abwärts sausen.
12/2019
Disziplin
Auf den Minensuchfahrzeugen dienten viele Weltkriegsteilnehmer, z.T. auf freiwillige Meldung hin. Sogar ein 58 jähriger,
der im vorherigen Kriege schon mit einem Boot abgegluckert war, hatte sich ausdrücklich für ein solches Kommando
gemeldet. Diese alten Herren machten ihre Sache meist ausgezeichnet, nur auf das rein Militärische legten sie nicht immer so viel Wert wie die Jüngeren.
Da diente einer als Gefreiter, während zwei seiner Söhne als Unteroffiziere im Felde standen. Der Kommandant war besorgt, daß er sich dadurch zurückgesetzt fühlen könnte,
ließ ihn eines Tages kommen und teilte ihm mit, daß er ihn auf einen Unteroffizierslehrgang schicken wolle.
"Ach nein, Herr Leutnant, das lassen Sie man, ich möchte viel lieber hier an Bord bleiben," sagte der Brave.
"Aber Ihre beiden Söhne sind doch schon Unteroffiziere!"
"Ach, Herr Leutnant, mit denen werde ich auch so fertig."
01/2020
Übergesetzlicher Notstand
Es war Sommer, und die Sonne lachte von einem azurblauen Himmel auf eine friedliche See, in deren sanfter Dünung MS GREIF nur unmerklich rollte. Gemütlich knarrte das Holz der Verschalung, und es war nichts, was meine
Kreise als wachhabenden Steuermann hätte stören können. Der Alte hielt seinen Mittagsschlaf; die lästige Überstundenabrechnung für die Matrosen war schon fertig, und weil kein Land in Sicht war, kein Funkfeuer erreichbar und
astronomische Navigation in der Ostsee nicht betrieben wird, konnte ich die Seefahrt in vollen Zügen genießen. Müßig und zufrieden saß ich auf dem Lotsenbock, beide Ellbogen auf den Klapptisch gestützt, und dachte an nichts.
Ganz anders mußte es mit dem Rudergänger gewesen sein, der hinter mir den Kurs hielt. Der hatte offenbar zu dieser Zeit nicht nur gar keine, sondern ganz besonders schwarze Gedanken, denn nach einer Anrede und einem sonderbaren
Gestammel antwortete er auf meine entsprechende Aufforderung, sich klar auszudrücken und kein krauses Zeug zu reden: "Ick heff mi wat an´ Mors holt!" Das hatte ich klar verstanden. Aber infolge verschiedener Überlegungen mußte ich dazu ein
nicht besonders schlaues Gesicht gemacht haben, denn der Jungmann - um einen solchen handelte es sich bedauerlicher Weise - bekräftigte seine Prophezeiung mit dem Nachsatz: "In Hamburg!"
Er hatte sich dort also etwas eingebrockt, was man sich bei leichten Mädchen "wegholen" kann.
Dieses hatte er mir nun nicht erzählt, um ein Gesprächsthema zu haben, sondern um meine Hilfe als Medizinmann in Anspruch zu nehmen, dessen Stellung ich als II. Offizier innehatte, ob ich wollte oder nicht.
"Dann gehst du in Helsinki zum Arzt", sagte ich.
"Lieber will ich sterben, als daß jemand dahinter kommt!"
"Ich bin schließlich nun schon dahinter", stellte ich fest.
Mit großen Augen sah er mich nahezu flehend an. "Sie wissen ganz genau", jammerte er, "daß ein Arzt vom Makler bestellt wird, daß die Rechnung an die Reederei geht und daß der Alte davon erfahren muß und ..."
"... und daß deine Eltern benachrichtigt werden müssen, weil du minderjährig bist", vollendete ich diesen verhängnisvollen Satz.
Er schwieg. - Und ich schwieg auch.
Und ich wette, unserer beider Gedanken kreisten um seinen Märtyrertod, den er so überzeugend zitiert hatte.
"Und was nun?" fragte ich ihn, weil die Angelegenheit ja irgendwie klariert werden mußte.
"Geben Sie mir ´ne Spritze!?
"Ja!" antwortete ich so bestimmt wie möglich, denn ich war davon überzeugt, daß ein Doktor einen Patienten als erstes Vertrauen einflößen sollte. "Heute Nacht während der Wache in der Funkbude!"
"Besten Dank!" murmelte er und brachte das Schiff wieder auf den Kurs, von dem er es um mindestens zwanzig Grad abgebracht hatte.
Wie ich diese medizinische tat vollbringen sollte, zu der ich mich spontan bereiterklärt hatte, war mir in diesem Moment so schleierhaft wie der Nebel auf der Themse, und meine Gemütsruhe von eben war einem deutlichen Gegenteil gewichen -
umgekehrt wie bei dem Jungmann, der aufgrund meiner Zusage ganz offenbar wieder vertrauensvoll in die Zukunft blickte.
Vorbereitend kramte ich mir, weil die Sache ganz gewiß auch eilig war, die dazu nötigen Utensilien hervor, voran die "Anleitung zur Gesundheitspflege auf Kauffahrteischiffen".
Was darin stand, dem hatte ich während der Schulzeit wenig Beachtung geschenkt. Es komplizierte die Sache enorm und weckte in mir den Wunsch, den Mann doch einfach zum Arzt zu schicken, zumal die Behandlung dieses Leidens einem solchen vorbehalten ist.
Dann darf sich ein Schmalspurdoktor wie ich auch nur bei festumrissenen Tatbeständen und dann auch nur durch Entscheidung des Kapitäns damit befassen. Die Behandlung ist also nur - wie es in dem Buch hieß - aus dem Gesichtspunkt eines "übergesetzlichen Notstandes"
heraus gerechtfertigt.
20/2020
Alte Feindschaft?
Wie allgemein bekannt wurde der Zerstörer Rommel aufgrund der Immensen Kosten für neue
Kesselanlagen vorzeitig außer Dienst gestellt. Damit verließ der erste der drei
Zerstörer der Lütjensklasse die deutsche Marine und läutete das Ende der
Zerstörerflottille ein.
Es muss vorab noch erwähnt werden, dass Besatzungen der Zerstörer und Fregatten sich
gegenseitig nicht ausstehen können und einer alten Feindschaft unterliegen. Bei einem
Manöver waren unter anderem die Fregatte Köln und der Zerstörer Mölders beteiligt.
Als die Mölders an der Fregatte Köln vorbeifuhr konnte die Besatzung der Mölders auf
einer Leine aufgespannte Coladosen und ein Schild sehen.
Auf dem Schild stand in großen Lettern zu lesen: Hallo Mölders, wir waren ein Stück
Rommel.
03/2020
Zerbrochener Optimismus
Die MS-Flottille hatte einen A3, von dem es hieß:
It is nice to be a Preuß. It is higher to be a Bayer.
But the highest rank is, to be a Frank!
Aus dem fränkischen Bayern - oder besser: aus dem bayrischen Franken - stammte dieser Kapitän zur See. Er war privat jovial und gemütlich, aber im Dienst streng und fast zu genau.
es kursierte die schon im Stab die Frage: "Wer ist Optimist?"
Antwort: "Wer einen bearbeiteten Vorgang in Reinschrift beim A3 abgibt."
Diese Erfahrung machte auch ein Lieutenant Commander Mercer am Ende seines Deutschlandaufenthalts, nachdem er als US-amerikanischer Austauschoffizier für drei Jahre Dienst im Flottillenstab getan hatte.
Ein militärischer Fachtext war vom Deutschen ins Englische zu übersetzen. Wer konnte das besser als einer, der von Kindesbeinen an Englisch als Muttersprache sprach. Lientenant Commander Mercer übernahm diese Aufgabe gerne.
Am nächsten Tag reichte er den Text in englischer Übersetzung und in Reinschrift beim A3 ein. Doch am folgenden Tag war er einem Nervenzusammenbruch nahe. Vom A3 war der Vorgang mit zahlreichen roten Korrekturbemerkungen als ungenügend zurückgeschickt und die Neuformulierung der Übersetzung befohlen worden.
LC Mercer schlug stöhnend die Hände vors Gesicht: "ehe ich mich da noch einmal heranwage, beantrage ich erst einen Einführungskurs in die englische Sprache!"
04/2020
Seemanns Schwierigkeiten mit der Geographie
Seeleute an Land sind oft hilflos. Können sie auf See auch noch so
gut navigieren, an Land haben sie Ihre Schwierigkeiten. Ein Seemann, der 1981 in Italien,
als die "Göttingen" zum ersten mal nach dem Krieg als deutscher Minensucher im
Nato-Geschwader SNFC durch das Mittelmeer dampfte, in La Spezia das Schiff verließ,
um über München nach Wilhelmshaven zurückzufahren, sah auf
dem Bahnhof in Bologna, daß er sich im Zug nach Monaco befand. Da
der Nato-Verband ein paar Tage zuvor Monte Carlo in Monaco angelaufen hatte,
erkannte der Seemann sofort, daß er zu weit nach Westen geraten sein
müsse. Blitzschnell warf er sein Gepäck auf den Bahnsteig und
sprang aus dem schon anfahrenden Zug hinterher. Dann setzte er sich in
einen Zug, der in Gegenrichtung fuhr. Doch der Zug endete in Venedig, wo
unser Seemann belehrt wurde, daß Monaco die italienische Übersetzung
des Namens "München" ist.
05/2020
Wirksame Abhilfe
Im Bundeswehrkrankenhaus Bad Zwischenahn macht
Flottenarzt Dr. H. - er war übrigens bei seiner Pensionierung 1987
der älteste diensttuende Soldat der Bundeswehr und der letzte noch
diensttuende Soldat des deutschen Afrika-Corps des 2. Weltkrieges - Visite.
Im Zimmer 8 gibt er gleich bei Eintritt dem kranken Offizier ein Fieberthermometer
in den Mund, untersucht ihn, liest aber die Temperatur nicht ab. Nach verlassen
des Krankenzimmers erinnert der begleitende Stabsarzt: "Herr Flottenarzt,
sei haben vergessen, die Temperatur abzulesen."
Dr. H. nickt freundlich: "Ja, ich weiß.
Dieses Vorgehen kann ich Ihnen nur wärmstens bei diesem Herren empfehlen,
wenn Sie sich zur Untersuchung die nötige Ruhe verschaffen wollen,
ohne daß Ihnen der Patient dauernd dazwischen quasselt."
Entwicklungshilfe
Im Herbst 1980 lag in Wilhelmshaven eine schmucke Fregatte modernster Bauart, die in Dienst gestellt wurde. "Aradu" hieß das Schiff und war für die nigerianische Marine bestimmt. Damals konnte sich das afrikanische Land, bevor 1982 der große wirtschaftliche Zusammenbruch erfolgte, ein solch stolzes Schiff leisten.
Deutsche Marineoffiziere machten die nigerianischen Besatzung mit der Handhabung des Schiffes vertraut. Kapitänleutnant T., der Leiter des SUG (System-Unterstützungs-Gruppe) Eckernförde betritt die "Aradu". In den dunklen Gängen sind die schwarzen Besatzungsangehörigen kaum zu erkennen. Weiß blitzen die Zähne oder Augen in der Dunkelheit. Der Kommandant im Range eines Kapitäns zur See, der im Zivilberuf Minister ist, begrüßt den deutschen Offizier in Gala und Turnschuhen und reicht ihn weiter an den U-Jagd-Offizier. Dieser ist im Zivilberuf Rechtsanwalt und hat noch nie ein U-Boot gesehen. In der Offiziermesse gibt es einen kühlen Trunk. Die Bierflaschen liegen wie Bananen serviert.
Das nordische Klima macht der Besatzung zu schaffen. Deshalb wird die Lüftung überall abgeschaltet und überall laufen die heißen Duschen, um im Schiff ein tropisches Klima zu erzeugen. Drei Wochen später sind alle Unterkünfte verpilzt. Geregelte Wachen sind sowohl Offizieren, als auch den Mannschaften fremd. Die meisten von ihnen hatten ja zuvor noch nie ein Schiff betreten.
Der Chef des deutschen Ausbilderteams, Kapitän zur See K., will auf einer Ausbildungsfahrt das Manöver "Mann über Bord" üben. Er wirft eine Schwimmweste über Bord und gibt Alarm. Doch es passiert nichts. Im Gegenteil, die Leute laufen weg. Er gibt nochmals Alarm, doch ohne Erfolg. Doch dann ist die Besatzung wieder da und wirft jubelnd ihre Schwimmwesten über Bord.
Ein anderes mal fährt die "Aradu" high-speed-target für ein U-Boot. In der Nähe steht der Tender "Lech", auf dem sich der OTC (Officer in Tactical Caommand) befindet.
Plötzlich ertönt auf der "Aradu" der Ruf "Torpedo is comming! Torpedo is comming!" Alles eilt auf die Backbordseite, um den Torpedo zu sehen. Auch der Rudergänger hat aus diesem Grunde seinen Platz verlassen. Da läuft das Schiff aus dem Ruder. Die "Aradu" dreht mit 28 Knoten einen Vollkreis. Das U-Boot auf Sehrohrtiefe kann sich nur durch eine blitzschnelle Tiefenänderung in Sicherheit bringen, um nicht von "Aradu" überlaufen zu werden. Der Tender "Lech", der fast gerammt worden wäre, kommt mit dem Schrecken davon. An einem Tag zwei Schiffe vernichtet, das wäre schon eine beachtliche Erfolgsbilanz für eines Kriegsschiffes!
Doch die "Aradu" wird niemand mehr gefährlich. Sie erreichte zwar trotzdem das erstaunliche Alter von drei Jahren und liegt seit Herbst 1983 hoch und trocken auf einem Riff, auf das sie mit voller Geschwindigkeit gerast ist, und rostet friedlich vor sich hin.
Ankermanöver
Der I. Offizier Grabbe und der Zimmermann Klapproth duzten sich. Aber nicht aus Freundschaft. Im Gegenteil. Die beiden waren vor Jahren einmal unter Wegfall aller Höflichkeitsformen derart
aneinandergeraten, daß sie auch danach nie wieder die unter feinen Leuten übliche Form der Anrede benutzt haben. So hatte Grabbe den Zimmermann, als die beiden aufgrund einer Schicksalsfügung
abermals auf ein und demselben Schiff fahren mußten, mit den Worten begrüßt: "Fährst du alter Hund immer noch zur See!?!?"
Dessen ungeachtet brachte es aber der Bordbetrieb mit sich, daß sie anläßlich eines bevorstehenden Ankermanövers gemeinsam handeln mußten.
Und das war so:
Ihr Schiff - ein Dampfer älterer Bauart - sollte in die Bremerhavener Kaiserschleuse einlaufen, um an Schuppen 17 eine Teilpartie Papierrollen zu übernehmen.
Da das Schleusensignal eine Unklarheit anzeigte, die ebensogut jeden Moment wieder aufgehoben werden als auch länger dauern konnte, hielt der Kapitän das Schiff mit langsamer Fahrt gegen den Ebbstrom auf der Stelle, um zunächst
abzuwarten und nach Möglichkeit ein Ankermanöver zu vermeiden.
In der beinahe kameradschaftlichen Geste (Gottes Stellvertreter hat so etwas nämlich nicht nötig), die beiden Männer von seinen Absichten zu informieren, langte er sich das Sprachrohr, das griffbereit auf dem backbordschen Positionslampenkasten
stand, und rief nach vorne: "Noch nix moken!"
Grabbe, der etwas schwerhörig war, hatte das nicht verstanden und wandte sich deshalb an seinen Widersacher mit der Frage: "Wat hett he saggt?"
"Wat he seggt hat?!?!?" - Klapproth war eigentlich nicht bereit, eine Auskunft zu erteilen, aber während er diese verächtliche Gegenfrage stellte, kam ihm der Gedanke, der ihn für alle erlittene Schmach unter der Fuchtel seines Vorgesetzten
entschädigen sollte. Ohne zu zögern und unter rachedurstiger Mißachtung des wahren Sachverhaltes antwortete er: "Fallen Backbord-Anker!"
"Ja! Denn man los! rief Grabbe. "Leggo!"
"Leggo!!" wiederholte der Zimmermann, denn Befehl ist Befehl, und drehte die Bremse auf.
Im gleichen Moment polterte die Kette aus der Klüse, und das Unglück war geschehen.
Das Klingeln des Maschinentelegrafen, die Kommandos des Lotsen und das wütende Gebrüll des Kapitäns durch die "Flüstertüte" waren nicht zu überhören. Jedoch Grabbe hatte wieder nicht verstanden. Wenigstens nichts konkretes.
"Wat hat he nu seggt?" fragte er den Zimmermann.
Mit verdächtiger Zuvorkommenheit, die den Ersten eigentlich hätte stutzig machen sollen, antwortete Justus Klapproth: "Fallen Steuerbord-Anker!"
Daraufhin wiederholte sich der Vorgang von eben, und der Zustand auf der Brücke war perfekt. Der Alte war außer sich, und als der Erste fragte, "was jetzt denn los sei", da sagte der Zimmermann mit Überzeugung und unverhohlener Schadenfreude: "Nun hat er gesagt, daß du deinen
Seesack packen kannst."
Da Grabbe offenbar auch das noch nicht verstanden hatte, formulierte Klapproth seinen eigenen Epilog zu dieser Tragödie. "Deine Zeit ist um!" knurrte er. "In der Schleuse kannst du an Land gehen! - Und vermutlich für immer ! Du alter Hund!"
Allzumenschliches
Die Absolventen der Marineschule Mürwik waren zur Schlußansprache versammelt. Der Admiral, ein strenger aber gerechter Erzieher und allgegenwärtiges Vorbild ganzer Generationen von Marineoffizieren, erzählte aus seinem langen Soldatenleben. Die Fähnriche fühlten wohl das Besondere der Stunde, waren sichtlich ergriffen und ganz Ohr.
"Im Kriege war ich Zerstörerkommandant. Mein Schiff wurde im Kanal torpediert. Nach dem großen Knall fand ich mich im Wasser schwimmend wieder. Um mich herum waren versammelt der Bootsmann, der Stückmeister, der I. Offizier und der leitende Ingenieur. Als mich der LI erblickt; bemerkte er zum IO - mit der Miene unsäglichen Ekels - großer Gott, der ganze Abschaum kommt hoch!"
07/2012
Sind alle bei der Marine
Marineschule Mürwick: Ein Briefträger stürzt bei Glatteis direkt vor einem Kadetten vom Fahrrad. Der Inhalt seiner Posttasche landet verstreut auf dem Gehweg.
"Gibt es bei der Post noch mehr so Trottel wie Sie?", fragt der Kadett wagemutig.
"Nein, ich bin der letzte," knurrt der Briefträger"die anderen sind inzwischen alle bei der Marine!"
08/2012
Die nautische Prüfung
Der Prüfling wird gefragt: " Sie liegen mit Ihrem Schiff auf Schilig-Reede.
Es weht ein starker Südweststurm. Das Schiff beginnt zu Schlieren.
Was tun Sie?"
"Ich bringe noch einen Anker aus."
"Der Sturm nimmt weiter zu. Der zweite Anker reicht nicht aus.
Was tun Sie jetzt?"
"Ich bringe noch einen Anker aus."
"Der Sturm nimmt weiter zu ..."
Nachdem der Sturm sechsmal zugenommen hat und sieben Anker
ausgebracht sind, fragte der Prüfer erschöpft den Prüfling:
"Nun sagen Sie mal, woher nehmen Sie die vielen Anker?"
"Aus der gleichen Ecke, woher Sie Ihre vielen Winde nehmen."
09-2012
Der Kampf um die Sektkiste
Männergemeinschaften denken sich immer Situationen aus, wo einer gezwungenen werden kann, für alle anderen eine Lage zu schmeißen.
Für einen Wachoffizier kann das zum Beispiel eine Schnapszahl sein, wenn während seiner Wache die Seemeilenzahl wie etwa 444,44 durch den Loganzeiger läuft. Dann ist eine Kiste Sekt fällig. Wenn ein Schiff auf einem Kanal, Fluß oder Meeresarm unter einer Brücke hindurchfährt, die gerade von einem Eisenbahnzug passiert wird, ist ebenfalls eine Kiste Sekt fällig.
Solch eine Situation stand bevor, als ein Schnellboot auf dem Nord-Ostsee-Kanal der Eisenbahnbrücke von Rendsburg näherte, auf der ein Zug heraufschnaubte.
Der WO dachte mit Grausen an die Kiste Sekt, die er schon wieder bezahlen müsse. Da kam ihm der rettende Gedanke. Sich an den Kommandanten wendend bat er: "Herr Kaleu, bitte übernehmen Sie kurz das Kommando. Ich muß ganz dringend aufs Klo." Doch der Kommandant hatte auch schon den sich nähernden Zug entdeckt, und er durchschaute sofort die Absicht seines WOs.
"Sie fahren erst noch unter der Brücke hindurch." entschied er. Aber der WO besaß noch eine Trumpfkarte.
"Ruder hart Steuerbord!" befahl er.
Erschrocken griff der Kommandant ein und brüllte zum Rudergänger: "Kommandant fährt weiter!"
Die feine Art, Fisch zu speisen
Der Kommandeur des 3. Minensuchgeschwaders in Kiel, vielen noch unter dem Spitznamen Sarotti-Mohr bekannt, weilte zu Gast auf einem SM-Boot. Er war ein Vorgesetzter, der viel Wert auf richtiges Benehmen und gepflegte Umgangsformen legte.
Beim diesmaligen Besuch gab es Fisch zu Mittag. Der Pantrygast hatte wie an allen anderen Tagen den Tisch mit Messer und Gabel gedeckt. Der Sarotti-Mohr zeigte auf sein Besteck und examinierte den Pantrygast:
"Was soll das?" "Messer und Gabel, Herr Kapitän" "Und wie ißt man Fisch?" "Mit zwei Fischgabeln. " "Und warum haben sie die nicht aufgedeckt?" "Wir haben keine Fischgabeln an Bord, Herr Kapitän. " "Nun, dann nehmen wenigstens die Messer weg und backen für jeden eine zweite Gabel auf." "Jawohl, Herr Kapitän."
Der Pantrygast verschwand mit den Messern.
Draußen ertönte ein wüstes Gebrüll, ein Schreien, Schimpfen, Keifen und Fluchen. Dann kehrte wieder Ruhe ein.
Kurz darauf erschien auch der Pantrygast wieder und legte zu jedem Teller in der Offiziermesse eine zweite Gabel. Dann begann die Mahlzeit.
"Sehen Sie," belehrte der Kommandeur den Pantrygasten, "man kann auch mit bescheidenen Mitteln improvisieren und gepflegt essen. Wie ißt man denn im Mannschaftsdeck?"
"Denen habe ich vorhin die Gabeln für die Offiziermesse weggenommen. Die müssen jetzt den Fisch mit Löffel essen!"
Erbfeinde
Das Verhältnis der Bundesmarine zu den Kriegsmarinen der einstigen Kriegsgegner Deutschlands, England und Frankreich, kann als überdurchschnittlich gut bezeichnet werden. Dagegen wird das Miteinander der französischen Marine und der Royal Navy von ständigen Spannungen begleitet. Die sich seit den Zeiten der Normannen durch die Jahrhunderte hinziehenden Kriege und Querelen zwischen diesen beiden großen Nationen scheinen doch nicht so leicht vergessen und vergeben zu werden. Fregattenkapitän Spieker als Kommandeur eines Minensuchverbandes der Bundesmarine wurde Zeuge einer versteckten Auseinandersetzung.
Nach dem Falklandkrieg 1982 - die Befürworter der englischen Ansprüche nennen bekanntlich die Inseln die Falklands, die Vertreter der argentinischen Position nennen sie Malvinen - fand ein multinationales Manöver im Ärmelkanal statt. Brennpunkt war der französische Hafen und Marinestützpunkt Cherbourgh.
Eine britische Instandsetzungstruppe von etwa 40 Mann hatte ihre Container auf der Pier des französischen Stützpunktes abgesetzt, richtete einen Fahnenmast auf und hißten die englische Flagge. Das verärgerte die Franzosen. Sie waren sofort zur Stelle und forderten die Briten auf, die Flagge niederzuholen: "Ici la France pas les Malouines!" (Hier ist Frankreich und nicht die Malvinen).
Fallen Anker
Der in Kiel beheimatete Zerstörer 3 übte unter der sicheren Führung des Fregattenkapitän B. - Eingeweihten
als "Standarten-Fiete" bekannt - an der Tirpitzmole An- und Ablegen. Es herrschte kaum Wind, und an der Pier war genug Platz.
Weit voraus und in sicherem Abstand lag in zwei Päckchen das Flottendienstgeschwader.
Der Oberleutnant z.S. B. durfte den nächsten Anlauf fahren. Er kam gut hin, der Kurs war ohne Tadel, vielleicht ein wenig zu forsch? Wie
immer war es für den Kommandanten schwer, den richtigen Zeitpunkt für das Eingreifen im Notfall genau abzuschätzen. Geschah es zu früh, dann hieß es, er
habe schlechte Nerven, geschah es zu spät, dann hatte er schlechte Augen. Bei diesem Anlauf wartete der Kommandant einen Augenblick zu lange.
Mit einem unangenehmen Geräusch schnitt der solide Steven des Zerstörers in das Achterschiff des an der Pier liegenden Torpedofangbootes Triton.
Z 3 hatte die Rudermaschine der Triton durchgehend geöffnet, ehe er zum stehen kam. Mehrere Leute stürzten auf dem Torpedofangboot an die Unglücksstelle, während man
oben von der Back des Zerstörers ebenfalls lange Hälse sah.
Hektische Bewegung kam in die Männer an der Schanz der Triton, als plötzlich laut und klar von der Back des Zerstörers hallte: "Fallen Anker!" Das wütende
Geschrei der Bootsführer verhinderte das Schlimmste.
Scheinbar unbeeindruckt vom Geschehen zog sich der Zerstörer aus der klaffenden Wunde und legte ab für den nächsten Anlauf.
Auf der Triton wurde inzwischen fieberhaft gearbeitet.
Während sich einige Seeleute mühten, den Schaden im Rudermaschinenraum aufzunehmen, brachten andere eine große Tafel am Ende des längsten verfügbaren Bootshakens an.
Der wurde senkrecht an den Resten der achteren Reling befestigt.
Als Z 3 unverdrossen zum nächsten Anlauf antrat, konnte man von seiner Brücke - auch ohne Glas - lesen:
ACHTUNG Z 3!
Hier beginnt
Triton
03/2013
Der ruhige Admiral
Admiral G. war stets von einer geradezu hervorragenden Ruhe. Beim Evolutionieren im Geschwader
kommt es zu einer Kollisionsgefahr zwischen zwei Schiffen.
Der wachhabende Offizier befiehlt: "Ruder hart Steuerbord!"
Der Kommandant ruft: "Ruder hart Backbord!"
Der auf der Brücke anwesende Admiral aber pfeift leise durch die
Zähne und sagt in aller Ruhe: "Legen Sie ruhig mittschiffs, es gibt doch eine Kollision!"
Die Heimzahlung
Die "Schlewig" lag bei Abeking & Rassmussen in Lemwerder zur Routine-Instandsetzung im Dock. Solche eine Werftliegezeit ist eine langweilige Sache. Da fährt man schon ganz gerne einmal zur Abwechslung nach Feierabend mit der Fähre hinüber nach Bremen-Vegesack auf der anderen Seite der Weser, um durch die Straßen zu bummeln oder auch ein Bierchen zu trinken.
Der Sperrwaffenmeister der "Schleswig", Oberbootsmann Kalle Klün, hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Abend in einem der Vegesacker Lokale ein Bier zu trinken; wirklich nur ein Bier, nicht mehr. Das hielt er willensstark und eisern durch. Der Wirt mochte sich wohl über den sparsamen Gast geärgert haben, der da eine Weile auf dem Hocker an der Theke saß, sein Bier langsam ausnippte, zahlte und dann ging.
Einmal machte der Wirt so laut, daß alle es hören konnten, abfällige Bemerkungen über die Bundesmarine. Das wären doch keine Männer, die Leisten doch nichts und vertragen schon gar nichts, wir damals ... usw., usw.
Kalle Klün hörte sich die Sticheleien ein paar Tage an. Dann war er am Zuge. Er kam, bestelle sein Bier, trank es aus und sagte: "Zahlen, bitte!" "Macht 2,60 DM."
Kalle Klün holte genau abgezählt 26 Zehnpfennigstücke aus der Tasche und warf die 26 Groschen dem Wirt gegen den Bauch. Die Groschen kullerten hinter der Theke herum. Schnaufend klaubte der Wirt sie zusammen und schimpfte. Kalle Klün wartete, bis er alle aufgelesen hatte und fragte: "Na, stimmt's?" Dann verließ er mit einem fröhlichen "Guten Abend" die Kneipe.
Am nächsten Abend tauchte Kalle Klün zur gewohnten Stunde wieder auf, bestellte sein Bier für 2,60 DM und zahlte es wie am Vortag mit 26 Zehnern, die er dem fluchenden Wirt hinter die Theke warf.
Am folgenden Abend erschien Kalle Klün zur üblichen Zeit und bestellte sein Bier. Dem Wirt rannen die Schweißtropfen auf der Stirn. Doch Kalle Klün schienen die Groschen ausgegangen zu sein. Er legte, um die Zeche begleichen zu können, ein Fünfmarkstück auf den Tresen. In den Augen des Wirtes blitzte ein teuflisches Lächeln auf. Jetzt war die Stunde der Heimzahlung gekommen! Er schlürfte zur Kasse und zählte als Wechselgeld 2,40 DM in 24 Zehnpfennigstücken ab. Die warf er im hohen Bogen in den Schankraum: "Da haben Sie Ihr Wechselgeld zurück!" Er grinste triumphierend.
Kalle Klün drehte sich nicht einmal um. Er nestelte an seiner Hosentasche, entnahm der Börse zwei Zehnpfennigstücke, warf sei über die Schulter in den Schankraum und sagte gegen alle Gewohnheit: "Herr Wirt, noch ein Bier!"
Hi Chef
Mitte der sechziger Jahre liefen mehrere Zerstörer in Toulon ein. Der Geschwaderkommandeur, der mit den Kommandanten zu einem Empfang des Prefet Maritime eingeladen
war, ließ sich vom Führungsschiffkommandanten einen Leutnant benennen, der als Adjutant fungieren sollte.
Bei dieser "Verlosung" gewann der Leutnant z. S. Hannes H. Rechtzeitig waren alle Herren auf der Pier versammelt, und die Dienstwagen der französischen Marine fuhren vor.
Ehe sich der Leutnant versah, waren alle eingestiegen, die Wagen fuhren ab, - und er stand allein auf der Pier.
Da er ein guter Leutnant war, ließ er sich etwas einfallen. Er sauste zum nahegelegenen Tor des Stützpunktes, griff sich ein Taxi und machte dem Fahrer ohne Kenntnis der französischen Sprache klar,
wie er wohin mußte. Die Taxe sauste los und erreichte das Ziel in kürzester Zeit. Leutnant z. S. H. sprang aus die Straße, betrachtete die leere Treppe vor dem Gebäude, in dem der Empfang stattfand und kam zu der
Erkenntnis, daß er es nicht rechtzeitig geschafft hatte. Er raste in das Gebäude, sah eine Freitreppe - hinauf! Oben angekommen, blickte er befremdet in einen völlig leeren Empfangsaal. Fast leer, denn ein
freundlicher, älterer Herr in einer Art Uniform war schon da, kam auf ihn zu und begrüßte ihn freundlich.
Nun zahlte es sich für den Leutnant aus, daß er schon in England und den USA gewesen war. Keine Kolbenringe, aber 3 Punkte auf dem unteren Ärmel, ein Feldwebel!
"Hi, Chef", sagte der er, und der freundliche ältere Herr führte ihn durch den Saal, erläuterte in gutem Englisch die eindrucksvollen Bilder und Büsten, die den Raum schmückten.
Als Geräusche die Treppe heraufklangen, entschuldigte er sich und eilte zur Tür. - Der Vizeadmiral begrüßte seine übrigen Gäste, darunter den Kommandeur und seine Kommandanten.
Arbeit oder Spaß?
Ein Fregattenkapitän und sein Erster Offizier stehen auf der Brücke und diskutieren darüber, ob Sex Spaß oder Arbeit ist. Nach einiger Zeit kommt der Oberbootsmann auf die Brücke und wird von den beiden herangerufen. "Hey, Oberbootsmann! Wir streiten gerade darüber, ob Sex Arbeit oder Spaß ist! Was meinen Sie?" Der Oberbootsmann überlegt eine kurze Zeit und sagt dann: "Meine Herren, Sex kann nur Spaß sein! Wäre es Arbeit, müsste ich das ja auch noch für Sie übernehmen..."
08/2013
Wer hat den schnelleren Antrieb?
Nicht nur die bekannten sowjetischen Fischtrawler beschatteten übende Nato-Einheiten, sondern auch Schiffe der Bundesmarine beobachteten schwimmende Verbände der Warschauer-Pakt-Staaten.
Meist gelang es den Nato-Schiffen, wohl weil sie den besseren Sprit hatten, den unliebsamen Beobachter, der oft, als ob er
zum Geschwader gehörte, alle Bewegungen mit ausführte, abzuschütteln, indem das Geschwader die Turbinen aufdrehte und mit voller
Fahrt davonbrauste.
Doch diesmal war es genau umgekehrt. Das Schiff der Bundesmarine hielt aus irgend einem Grund nicht mehr mit den sowjetischen Verband mit. Der Russe setzte das Signal: "Sie fallen zurück. Versuchen Sie doch mal Ihre Waschmaschine dazuzuschalten."
Der deutsche Kommandant antwortete:
"Laufe mit Waschmaschine. Halte die Antriebsturbinen noch in Reserve."
09/2013
Wie man sich irren kann
Auf dem Rückmarsch von der Skagerrakschlacht sichtete der englische Kreuzer "Minotaur" in der Abenddämmerung ein U-Boot und meldete an den englischen Flottenchef:
"U-Boot gesichtet B.B. voraus. U-Boot machte Erkennungssignal OL mit Morselampe. 9.38 Uhr Feuer eröffnet,
9.42 Uhr U-Boot versenkt."
Am gleichen Tage, 2. Juni, drahtete der Flottenchef an die Admiralität:
U-Boot versenkt durch Geschützfeuer von "Minotaur" auf 58° 32´ Nord, 0° 20`Ost. 9.35 Uhr nachmittags am 2. Juni."
Einige Tage später drahtete der Flottenchef:
"Auf Grund genauer Nachforschungen habe ich mich davon überzeugt, daß das U-Boot unser eigenes "E 30" war. Es ist unbeschadet in Blyth eingelaufen."
10/2013
Die Musterung
Zwei Freunde melden sich freiwillig zur Marine. Bei der Musterung werden einige Fragen gestellt. Als der erste wieder herauskommt, fragt ihn sein Freund: "War es schwer?" - "Nein", antwortet sein Freund"merk dir einfach die Fragen und die Antworten, dann kannst du gar nicht durchfallen. Merke dir: Frage: 'Was machen Sie, wenn sie ein feindliches Schiff erkennen?' Antwort: 'Anlegen und schiessen.' Frage: 'Was machen Sie, wenn ein Admiral kommt?' Antwort: 'Freundlich grüssen.' Frage: 'Was sagen Sie, wenn der Kaleu einen Befehl gibt?' Antwort: 'Jawohl, Herr Kaleu'!"
Dann muss der zweite zur Prüfung. Er kommt sehr schnell wieder. Er hat nicht bestanden. "Wie ist es denn gelaufen?" fragt sein Freund. "Was machen Sie, wenn ein Admiral kommt?" - "Anlegen und schiessen." - "Was machen Sie, wenn Sie ein feindliches Schiff erkennen?" - "Freundlich grüßen." - "Wollen Sie mich verarschen?" - "Jawohl, Herr Kaleu!"
11/2013
Jedem das Seine
Ein älterer Korvettenkapitän und ein Maat sitzen beim Friseur in Kiel. Der Offizier wird
als erster bedient. Nach dem schneiden der Haare fragt der Friseur: "Möchten Sie
etwas von dieser wohlriechenden Friseurcreme ins Haar bekommen?" Der Offizier wehrt
ab: "Nein, bitte nicht! Wenn meine Frau das riecht, denkt sie noch, ich sei im
Bordell gewesen."
Nun ist der Maat an der Reihe. Der Friseur stellt die gleiche Frage. Der Maat nickt
zustimmend: "Aber gern! Mir können Sie ruhig etwas davon ins Haar tun. Meine Frau
weiß nämlich nicht, wie es im Bordell riecht."
01-2014
Grußpflicht
Ein Kadett schlenderte über die Gangway des Schulschiffes "Deutschland" lässig an Bord, ohne der Flagge am Heck die nötige Ehrerbietung zu erweisen.
Der Offizier der Wache ranzte den jungen Mann an: "Können Sie die Flagge nicht grüßen?"
Der Kadett ging zurück, wandte sich der Flagge zu und sagte: "Guten Tag, Flagge!"
02-2014
Literatur
Auf einer Reise des Schulgeschwades im Jahre 1957 ankerten "Eider" und "Trave" in der Lyme-Bucht an der südenglischen Küste.
Am Samstagnachmittag entschlossen sich einige Offiziere auf unabweisbare Aufforderung des Geschwaderkommandeurs, Korvettenkapitän Ö., zu segeln.
Der Wind war schwach und umlaufend. Aber - so mag der Kommandeur gedacht haben - gerade dann zeigt sich das wahre Können des Meisters.
Zu einem geordneten Start kam es nicht, denn der Wind schlief vorher vollends ein. Den Kadetten, die den seemännischen Leckerbissen vom Mitteldeck beobachteten, fielen mehrere treffende,
militärisch allerdings nicht tragbare Bemerkungen ein. Für sie war es ein schöner Samstagnachmittag.
Der mit schlaffen Segeln in seinem Dhingi an der "Eider" vorbeitreibende Kommandeur bewies auch in dieser schwierigen Lage Souveränität und den in der Marine selbstverständlichen Humor.
Er bat einen der mit den Kadetten an Deck stehenden Offiziere, ihm doch etwas zu lesen bringen zu lassen.
Das angezeigte Gelächter erstarb, als einer der Kadetten ungefragt vorschlug: "Vielleicht der alte Mann und das Meer?"
Die schöne Wochenendstimmung hatte schlagartig ihren Höhepunkt überschritten; das Motorboot wurde ausgesetzt und schleppte das Dhingi samt Inhalt zum Schiff zurück.
03-2014
In neuen Zeitdimensionen denken
Auf einer Kommandantentagung hielt ein Referent einen langen, langen Vortrag.
Einige Zuhörer wurden bereits ganz unruhig, andere gähnten und einige schliefen bereits. Endlich hörte der Redner auf.
Er entschuldigte sich und sagte: "Ich bitte um Ihr Verständnis, meine Herren, daß ich die Redezeit überzogen habe. Meine Uhr ist beim Uhrmacher zur Reparatur und so habe ich das Zeitgefühl verloren.
"Aber das macht doch nichts," erwiderte ihm freundlich der die Tagung leitende Admiral, "Sie hätten sich nur umzudrehen brauchen.
Hinter Ihnen an der Wand hängt ein Kalender, an dem hätten Sie sich orientieren können."
Ratten an Bord
Die Unbeliebtheit der Ratten hat schon in uralter Zeit dazu geführt, ihnen den Zutritt zu Schiffen zu verwehren. Das war natürlich nicht einfach, weil diese Biester meistens nachts und auf alle erdenkliche Weise an Bord kamen.
Der schwierigste Weg für sie war der über die Festmacherleinen. Diese Methode war dann auch die einzige, die man sicher vermeiden konnte - und zwar mit Rattenblechen. Diese wurden wie Kragen um die Leinen gelegt, und den Ratten war
jeder Weg versperrt.
Da jene Nager den Weg des geringsten Widerstandes nehmen, wurde das Ausbringen dieser Rattenbleche von Anfang an luschig gehandhabt. Sie kamen mit der Zeit sogar ganz wieder aus der Mode, und in den Kabelgatts der Schiffe begannen
sie allmählich zu rosten.
Dann aber - mit dem Ende des zweiten Weltkriegs - kamen in Deutschland Leute an die Macht, die es den Ratten offenbar energisch zeigen wollten: die Militärregierung. Sie verlangte strikt die Anbringung dieser Bleche, um einer Übertragung
der Pest durch die Ratten vorzubeugen.
In einem Schreiben vom 16. Juli 1947 hieß es darüber wörtlich: Es sollte keinem Schiff erlaubt werden zu ankern oder eine Laufstegverbindung aufrechtzuerhalten, bis richtige Rattenwachen aufgestellt worden seien. Um eine Panik zu verhindern
- hieß es weiter - wird empfohlen, diese Mitteilung nur unter dem in Frage kommenden Personenkreis zu verbreiten.
Eine Panik hat es natürlich nicht gegeben - weder unter den Ratten noch unter den Menschen -, aber die Gemüter erhitzten sich, zumal die Wasserschutzpolizei regelmäßig gebührenpflichtig verwarnte und mit Strafverfügungen drohte.
Besonders die Küstenschiffe wurden von diesen Maßnahmen betroffen. Dort weigerte man sich partout, Rattenbleche auszubringen - nicht zuletzt mit der Unterstützung des Verbandes Deutscher Küstenschiffer, dessen entsprechende Klageschrift
"zuständigkeitshalber" an die Behörde für das Gesundheitswesen weitergeleitet wurde.
Da man dort aber die Usancen der Seefahrt offenbar nur aus Schauerromanen kannte, beharrte man auf den erwähnten Forderungen.
Von dieser starren Haltung unterrichtete der Verband seine Mitglieder, und es kam zu erregten Diskussionen unter den Kapitänen, wenn die mit ihren Schiffen in den Häfen Dänemarks oder Hollands zusammenlagen. Viele waren in der heimatlichen Hansestadt bereits mit Bußgeld belegt worden, und der Zorn gegen jene war berechtigt, die von "Laufstegverbindungen" sprachen. Das waren ja nun wohl schließlich Gangways und nicht anderes. Die Herren forderten die "Aufstellung" von Rattenwachen. Das war doch geradezu lächerlich. Und im Hafen ankern tat man schließlich auch nicht.
"Nee!" sagte Käpt´n Wilhelm Otten eines Tages zu seinem Bestmann, als er obendrein noch eben einer abermaligen Buße ein Merkblatt über Rattenbekämpfung erhalten hatte, "das Einzige, wie du diese Kerls mal richtig auf´n Pott setzen kannst?! - Du mußt sie mit ihren eigenen Waffen schlagen."
Und so geschah es. Und so verschwanden allmählich die Rattenbleche - zuerst aus dem täglichen Gebrauch und dann auch aus den Hafenordnungen. Otten schrieb einen Brief unter Bezugnahme auf das Rattenbekämpfungsmerkblatt und stellte fest:
Ich habe ihr wertes Schreiben im Laderaum ausgehängt - den Ratten zur Kenntnisnahme. Der Inhalt dieser Lektüre war im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend und dürfte seinen Zweck zur allseitigen Zufriedenheit erfüllt haben. Ihre mehr oder weniger freundlichen Bemühungen
sind damit für alle Zeiten gegenstandslos geworden ... Die Ratten haben sich nämlich - totgelacht.
08/2014
Feuergefährlich?
Wenn feuergefährliche Ladung übernommen wird, schallt gewöhnlich folgender Befehl über
die SLA (Schiffs-Lautsprecher-Anlage): "Rauchen an Oberdeck, in den Längs- und
Quergängen und an den Übernahmestellen verboten!" Dann folgt die Begründung wie
"Kraftstoffübernahme" oder "Munitionsübernahme". Sehr verwundert war
die Besatzung eines Kriegsschiffes allerdings, als es ertönte: "Rauchen an Oberdeck,
in den Längs- und Quergängen und an den Übernahmestellen verboten!
Frischwasserübernahme!"
Die Marine hat's im Griff
Oberkirchenrat Freese war Korvettenkapitän der Reserve. Als Vorstandsmitglied der
deutschen Seemannsmission, die in den 60er Jahren eines ihrer modernsten Seemannsheime in
Duala gebaut hatte, pflegte gute Kontakte zur evangelischen Kirche in Kamerun.
Diesmal sollte die jährliche Synode der Kirche im nördlichen Teil des Landes in
Banzanzte stattfinden. Auch Oberkirchenrat Freese war zur Tagung eingeladen. Nur waren die
Übernachtungsmöglichkeiten am Ort zu gering. So wurde der Oberkirchenrat mit einigen
anderen Ehrengästen im Krankenhaus zu Bangwe etwa 20 Kilometer vom Festort entfernt
untergebracht.
Am Eröffnungstag machte sich die Gruppe mit dem VW-Bus von Pastor Thiesbonenkamp früh
auf, um rechtzeitig zur Festversammlung zu erscheinen. Obwohl die Trockenzeit schon
angebrochen und die Straße deshalb leicht zu passieren war, muß man doch auf
afrikanischen Verkehrswegen manchmal mit unliebsamen Verzögerungen rechnen. Mit den
besten Kleidungsstücken angetan begab sich die kleine Reisegesellschaft lange vor der
Zeit auf den Weg zum Eröffnungsgottesdienst. Nur Oberkirchenrat Freese hatte eine
schmuddelige Khaki-Garnitur angelegt und unterschied sich unvorteilhaft von den anderen
Kameraden.
Der VW-Bus holperte in einer rotbraunen Staubwolke über die tiefen Schlaglöcher
durchsetzte Straße. Brütende Hitze im Auto trieb den Schweiß aus den Poren, vermischte
sich mit dem Staub und setzte sich als schmieriger brauner Rand auf den weißen Hemdkragen
und Manschetten ab. Auch die dunklen Anzüge wurden immer heller und die hellen Hemden
versuchten, sich in der Farbtönung den verstaubten Anzügen anzupassen. Endlich war
Banzanzte erreicht. Auf dem Festplatz angekommen, bat Oberkirchenrat Freese den
Seemannspastor Thiesbonenkamp, nahe an einen Baum heranzufahren. Dadurch etwas vor
verwunderten Blicken geschützt, stand der Oberkirchenrat in Kürze in der Unterwäsche,
langte nach einer Tasche, entnahm daraus ein sauberes weißes Hemd und seinen schwarzen
Anzug, sowie seinen Talar und erklärte den staunenden Reisegefährten: "Marine zieht
sich erst auf dem Festplatz um." Er war tatsächlich der einzige auswärtige Gast,
der in tadellosem sauberen Hemd und Anzug an der Eröffnungsfeier teilnahm.
Der Test
Auf der Ortungsschule Bremerhaven gibt es im Unterricht Sicherheitsbelehrung. Als
Anschauungsmaterial hat der Ausbilder einen großformatigen Kalender der
Seeberufsgenossenschaft mitgebracht, auf dessen Blätter neben unfallträchtigen
Situationen ein mehr oder meist weniger, manchmal aber auch gar nicht bekleidetes Mädchen
abgebildet ist, und ein sinniger Spruch erteilt Belehrung zur Unfallverhütung.
"Heute möchte ich Ihre Beobachtungs- und Auffassungsfähigkeit testen. Sehen Sie
sich dieses Kalenderblatt mit der hübschen Dame genau an."
Nach einer Weile des genauen Betrachtens verdeckt der Ausbilder das Blatt: "So, und
nun frage ich Sie: Welcher Monatsname stand auf dem Kalenderblatt?" Peinliches
Schweigen! Keiner der 25 angehenden Maate kann die Frage beantworten.
Reinlichkeit
Eine Ölspur ist für U-Boote besonders unangenehm, da sie das Boot verrät und damit
stark gefährdet. Aber auch bei Überwasserfahrten ist sie unerwünscht. Sie bedeutet,
daß ein Ölbunker leck geworden ist und damit eine Reparatur mit entsprechendem Ausfall
des Bootes für einige Tage und diesbezüglicher Meldung an den gestrengen Flottillenchef
nicht zu umgehen ist, alles Dinge, die der Seefahrer wenig schätzt.
Der Kommandant versucht sich einzureden, daß das Leck nur vom Arbeiten de Bootes im Seegang gekommen
sein kann, und daß das Gegenschlagen gegen die Reibhölzer beim letzten Schleusenmanöver
gar nicht hart, sondern vielmehr ganz weich und nahezu liebkosend war. Diesem Wunschbild
steht aber leider der Bumms entgegen, der ihm immer noch in den Ohren klingt und in den
Gliedern liegt, und die kurzen treffenden Kommentare aus dem Hintergrund der Brücke, wo
sich Badegäste aller Art das nicht ganz wohlgelungene Manöver ansahen.
In manchen Fällen, wenn auch seltenen Fällen ist es aber auch wirklich der Seegang daran
schuld. Da maschierten eines Tages zwei neue M-Boote in spitzer Staffel durch einen
harmlosen Teil des Kriegsgebietes mit Kurs auf den Einsatzhafen. Sie hatten schweres
Wetter gehabt, beim Rottenführer war an einem Bunker ein Niet losgesprungen, und das Boot
zog eine immer deutlicher werdende Ölbahn hinter sich her. Der Kommandant des
Rottenknechtes teilte dies seinem Vordermann durch Winkspruch mit:
"K. an K. Sie haben eine Ölspur."
Drüben war der Kommandant nicht auf der Brücke, da er sich gerade hafenklar machte. Ein
eifriger WO versuchte, dies näher zu erklären, und gab zurück, ohne damit zugleich die
Ölspur erläutern zu wollen:
"WO an K. Mein Kommandant badet."
Der unkameradschaftliche Hund
Es war noch während der Zeit, als Tiere an Bord erlaubt waren. Auf einem SM-Boot lebte der Hund Oime. Die Kombüse befand sich achtern. Der UvD holte das Mittagessen, um es in die Unterkünfte zu bringen. Vor dem Schott mußte er die Last absetzen.
Da nutzte Oime die Gelegenheit und schnappte sich eine Wurst und haute damit ab. Der Unteroffizier jagte hinterher und es gelang ihm, dem Hund den Raub zu entreißen.
Er legte die Wurst wieder auf die Platte, sah den Hund streng an und sagte: "Deinetwegen will ich keinen Anpfiff haben."
Timing
Vor ein paar Jahren tauchte während einer SEF-Übung vor der Kieler Förde ein U-Boot auf. Wo nicht Seetang und Muscheln das nasse Ungetüm bedeckten, schimmerte tiefbrauner Rost hindurch. Die an Deck weilende Besatzung eines vor Anker
liegenden Tenders der Bundesmarine sah, wie das Turmluk quietschend und knarrend geöffnet wurde und ein Kopf auftauchte, der unter seiner ehemals wohl dunkelblauen Schirmmütze rund herum nur aus Haaren zu bestehen schien.
Zwei muntere Äuglein und eine leuchtende rote Nase blickten aus den verfilzten Bart. Die kaum noch als solche erkennbaren goldenen Streifen auf der ausgeblichenen Uniform deuteten darauf hin, daß der Kommandant des U-Bootes
seine Nase an die Luft streckte.
Mit einer tiefen Baßstimme rief er den staunenden Seeleuten an der Reling des Tenders die Frage zu: "Ist noch Krieg?" "Nee, der ist schon seit über 30 Jahren vorbei," lautete die Auskunft. "Und wer hat gewonnen?"
fragte erneut der U-Boot Kommandant. "Die andere Seite," rief es zurück.
Da brüllte der Kommandant einen Befehl nach unten. Eine schwarze Qualmwolke stieß aus dem Auspuff am Heck. Das Schraubenwasser quirlte. Ein Zittern ging durch das U-Boot, und das Turmluk wurde ächzend zugeknallt.
Das Letzte, was die Tenderbesatzung
noch vom Kommandanten hörte, war der Fluch: "Scheiß - Kaiser!"
Der Segellehrer
Zu den Offizieren der MSM, die so waren wie die Geschichten, die die Kadetten liebten, gehörte in den Anfangsjahren der von allen OAs geliebte Korvettenkapitän v. G.. Er lehrte Seemannschaft, vor allem Segeln und er war Balte.
Er zeigte eine erfrischende Abneigung gegen vorschriftsmäßige oder gar feine Ausdrucksweise. Die Kadetten haben ihn immer sofort verstanden.
Eines Tages, als die Kutter an die Takelpier verholt wurden, landete ein Fähnrich mit Korvettenkapitän v. G. in einem Kutter; dieser Lehrer zögerte nicht, ganz schlicht mit anzufassen. Während des Verholens bearbeitete der Fähnrich
mit unbewußter Inbrunst einen Kaugummi.
Plötzlich stand der Segellehrer ganz dicht vor ihm und fragte mit für ihn verdächtig leiser Stimme: "Priemst Du, mein Junge?"
Nach dem Kopfschütteln des Kadetten fragte er genauso freundlich:
"Was kaust Du denn?"
"Kaugummi, Herr Kapitän!"
Das freundliche Gesicht veränderte sich jäh. Nach einer endlos scheinenden Pause von zwei Sekunden brüllte er den Fähnrich aus 10 cm Entfernung an:
"Spuck das Ding aus, Du Ami!"
Es muß noch auf der dänischen Seite der Förde zu verstehen gewesen sein.
Die Bordzulage
Manche Ehefrauen sind die reinsten Drachen. Sie halten ihre Männer kurz, damit auch ja kein Geld für einen unnötigen Trunk oder etwa sogar einen Rausch oder für anderes dummes Zeug vergeudet wird.
Auch Maat Hein hatte zu Hause jeden Pfennig abzurechnen. Seine Frau teilte ihm zu, was er verbrauchen durfte. Und das war sehr knapp. Trotzdem blieb Hein fröhlich und guter Dinge - bis eines Tages einige Seemannsfrauen zusammensaßen und klönten.
Eine berichtete stolz, daß ihr Mann auf der letzten Reise seine Bordzulage zusammengespart hatte, um ihr ein schönes Geschenk zu kaufen. Heins Frau stutzte. In ihr stieg eine dunkle Ahnung auf: "Wieso eine Bordzulage bekommen? Mein Hein nimmt immer Geld mit, um Bordzulage zu zahlen. Er sagt, er müsse bezahlen, weil er mitfahren darf."
Da klärten sie die anderen Frauen über die Bordzulage auf. Als Hein nach Hause kam, brach das Donnerwetter über ihn los. Hein war nicht mehr fröhlich und guter Dinge.
Erbfeinde
Das Verhältnis der Bundesmarine zu den Kriegsmarinen der einstigen Kriegsgegner Deutschlands, England und Frankreich, kann als überdurchschnittlich gut bezeichnet werden. Dagegen wird das Miteinander der französischen Marine und der Royal Navy von ständigen Spannungen begleitet. Die sich seit den Zeiten der Normannen durch die Jahrhunderte hinziehenden Kriege und Querelen zwischen diesen beiden großen Nationen scheinen doch nicht so leicht vergessen und vergeben zu werden. Fregattenkapitän Spieker als Kommandeur eines Minensuchverbandes der Bundesmarine wurde Zeuge einer versteckten Auseinandersetzung.
Nach dem Falklandkrieg 1982 - die Befürworter der englischen Ansprüche nennen bekanntlich die Inseln die Falklands, die Vertreter der argentinischen Position nennen sie Malvinen - fand ein multinationales Manöver im Ärmelkanal statt. Brennpunkt war der französische Hafen und Marinestützpunkt Cherbourgh.
Eine britische Instandsetzungstruppe von etwa 40 Mann hatte ihre Container auf der Pier des französischen Stützpunktes abgesetzt, richtete einen Fahnenmast auf und hißten die englische Flagge. Das verärgerte die Franzosen. Sie waren sofort zur Stelle und forderten die Briten auf, die Flagge niederzuholen: "Ici la France pas les Malouines!" (Hier ist Frankreich und nicht die Malvinen).
10/2020
Eine Frage des Pfandes
Das Verteidigungsministerium eines afrikanischen Entwicklungslandes plante die Aufstellung von Seestreitkräften. Dazu wollte man sich am europäischen Niveau orientieren. So reiste der Verteidigungsminister nach Europa.
Zuerst begab er sich nach Paris. Er fragte seinen dortigen Kollegen: "Ihr habt doch kaum noch überseeische Verpflichtungen! Habt Ihr nicht einen Admiral über, den Ihr uns für eine Zeit ausleihen könnt, um uns beim Aufbau der Marine zu helfen? " Der französische Verteidigungsminister antwortete: "Wir haben schon genug Leute über, aber wir müssen auf die Kosten sehen. Das kostet euch natürlich etwas. Pro Mann und Jahr stellen wir euch 1 Million Franc in Rechnung!"
Der Mann aus dem Entwicklungsland zuckte zusammen. Soviel durfte er nicht ausgeben. Er empfahl sich und reiste weiter nach London und fragte seinen britischen Kollegen: "Ihr habt doch nach dem Falklandkrieg starke Kürzungen vornehmen müssen und deshalb sicher einen Admiral frei, um unsere Seestreitmacht aufzubauen? "
"Das haben wir schon," antwortete der Engländer. "Aber ein Admiral kostet pro Jahr mehr als 100.000 Pfund."
Dem Verteidigungsminister aus dem Entwicklungsland blieb nichts anderes übrig, als sein Glück in Bonn zu versuchen. Bei einer so kleinen Marine wie der deutschen mit 34 Admiralen wäre eine große Anzahl überflüssig. Durch Erfahrungen vorsichtig geworden fragte er gleich, wieviel denn ein Admiral koste.
Der deutsche Verteidigungsminister schaute seinen afrikanischen Kollegen verständnislos an: "Wieso soll der etwas kosten?" Doch dann dämmerte es ihm: "Das einzige, was wir erwarten, ist, daß Ihr für die Dauer der Ausleihe das Flaschenpfand hinterlegt!"
11/2020
Der Leistungsstand ist nur verbesserungsfähig
Der Versorger "Freiburg" läuft in die Flensburger Förde ein, eine ziemlich belebte Wasserstraße. Die "Freiburg" setzt an, um einen langsamer fahrenden Kümo zu überholen. Doch ein Entgegenkommer ist schneller als erwartet. Die "Freiburg" muß hart ausweichen und schert, um eine Kollision zu vermeiden, ganz knapp vor dem Kümo wieder ein, der abstoppen und nach Steuerbord abdrehen muß. Nach dem Festmachen in Flensburg begibt sich der Kommandant an Bord des Kümos und entschuldigt sich beim Kapitän: "Sie müssen wissen, ich habe einen jungen unerfahrenen WO, und ich mußte vorhin in der kritischen Situation eingreifen." Der alte Kapitän entgegnet: "Schon gut, min Jung. Ist ja auch nicht weiter schlimm. Ich war früher auch bei der Marine. Da sind wir genauso schlecht gefahren!"
MERKE: Ein Leitsatz auf den Seefahrtsschulen der Handelsmarine lautet: Hüte dich vor grauen Schiffen und mache einen weiten Bogen um sie herum!
12/2020
Lebensnotwendige Klarstellung
Eine Fregatte des 2. Geleitgeschwaders befindet sich in sechswöchiger Ausbildung FOST (Flag Officer Area Sea Training) in Portland.
Zum Programm gehört auch das Luftzielschießen mit scharfer Munition auf den von einem britischen Flugzeug nachgeschleppten Luftsack. Die Fregatte schießt, aber so schlecht, daß die Granaten schon viel zu früh bereits vor dem Flugzeug in die Höhe jaulen. Der britische Pilot macht in kühler Weise die Deutschen über Sprechfunk auf den Fehler aufmerksam:
"I remind you: I am pulling the target, not pushing it!" ("Ich ziehe das Ziel, ich schiebe es nicht"
02/2021
Die Flucht nach vorn
Auf dem Marinefliegerhorst Nordholz sind noch drei Flugzeuge vom Typ Breguet Atlantic zu beladen. Der Beladetrupp gibt sich alle Mühe, die Sache schnell zu erledigen.
trotzdem zieht sich der Vorgang bis spät in die Nacht hinein. Schließlich ist alles geschafft und die Soldaten lümmeln sich erschöpft in der lauen Sommernacht hinter der Hangarwand. Dort erwischt sie der TOvD (Technischer Offizier vom Dienst), der auf seinem Kontrollgang
dem Duft eines Bratens folgte, wie sie sich gerade ein Kaninchen auf dem Grill zubereiteten.
Der Offizier knöpft sich den Abschnittsleiter, einen Hauptbootsmann, vor und sagt streng: "Sie wissen doch, daß das was Sie hier tun verboten ist! Ihr Verhalten wird Folgen haben. Dafür werde ich sorgen!" Alle Erklärungsversuche des Hauptbootsmanns schneidet der Offizier ab.
Mit ihm läßt sich einfach nicht reden.
Da setzt sich der Hauptbootsmann noch in der gleichen nacht hin und schreibt folgende Meldung:
"Hiermit melde ich, daß gestern nach getaner Beladung festgestellt wurde, daß ein Beladeschlüssel verloren gegangen war. Um ihn im Gelände zu wiederzufinden, nahmen wir einen VW-Bully und suchten mit aufgeblendeten Scheinwerfern das infrage kommende Gebiet ab.
Die Suche war erfolgreich, der Schlüssel wurde wiedergefunden. Leider war uns dabei passiert, daß wir ein Kaninchen überfuhren. Selbiges war sofort tot.
Da zu fortgeschrittener Stunde meine Leute sehr hungrig waren, entschied ich, diesem das Fell über die Ohren zu ziehen und meinen Leuten zum Verspeisen zuzubereiten. Sollte dadurch der Bundesrepublik Deutschland ein Schaden entstanden sein, so bin ich selbstverständlich bereit, die Kosten
zu einem Weltmarktpreis von DM 2,53 pro Kilo zu erstatten.
N.N., Hauptbootsmann"
Als der TOvD am nächsten Morgen wenig später mit seiner Meldung in seiner Version über den gleichen Vorgang im Stab eintraf, erregte er nur noch abweisendes Gelächter.
03/2021
Emanzipation
Lange Jahre, bevor endlich der letzte Teilabschnitt der Autobahn nach Wilhelmshaven im Jahre 1983 fertiggestellt wurde, mußten Mariner, um zum Marinestützpunkt zu gelangen, die Autobahnausfahrt Zetel benutzen. Eben bis kurz vor diese Ausfahrt war ein recht alternativ aussehendes Vehikel gekommen, als es auf der Strecke blieb.
Die junge alternativ gekleidete Dame, die dem Fahrzeug entstieg, war hilflos. Was blieb anderes übrig, als nach einem helfenden Retter Ausschau zu halten. So stand sie am Fahrbahnrand und winkte den vorbeifahrenden Autos. Ein Oberbootsmann, Motorenwärter auf einem Minenjagdboot, sah schon von weitem die winkende Person, und hilfsbereit,
wie Seeleute immer sind, nahm er den Fuß vom Gaspedal und ließ den Wagen ausrollen. Rechtzeitig noch erkannte der Mot-Meister die Aufkleber auf dem Heck des liegen gebliebenen Fahrzeugs: eine geballte Faust, das Emanzenzeichen der Kugel mit dem Kreuz darauf und des schönen Spruch: "Als Gott den Mann erschuf, da hat sie nur probiert."
Trotzdem hielt der Oberbootsmann, kurbelte die Scheibe herunter, und ehe die alternativ gekleidete Dame etwas sagen konnte, rief er ihr zu: "Scheiß Emanzipation, was?" Ohne eine Antwort abzuwarten, ließ er die sprachlose Emanze stehen, gab Gas und jagte der Ausfahrt Zetel entgegen.
04/2021
Logik: Der linke Buchladen
Der Obergefreite Behrens hatte sich schon manchesmal auf seinen Spaziergängen über den linken Buchladen geärgert, der hauptsächlich von den Kieler Studenten aufgesucht wurde. In Diskussionen hatte er redeungewandt mit diesen spitzfindigen sogenannten Linksintellektuellen immer den Kürzeren gezogen. Dabei war es doch ganz klar, daß diese Hohlköpfe, wie er sie nannte, sich
vor allen staatsbürgerlichen Pflichten in einer freiheitlichen Republik drückten und die demokratischen Rechte bis zur Schamlosigkeit auskosteten und mißbrauchten. Dieses asoziale Denken war ihm unverständlich und jeder Gedanke daran entfachte seinen Zorn.
Wieder ging der Obergefreite Behrens an dem linken Buchladen vorbei. In der Tür prangte ein Aufkleber: eine grüne Polizeiplakette mit ein paar karikatierten Gummiknüppelpolizisten und der Aufschrift "Wir müssen leider draußen bleiben!" Nun war das Maß voll. Der Obergfreite Behrens machte kehrt und erschien nach einiger Zeit mit einem Klappspaten.
Drohend baute er sich vor dem Inhaber der roten Buchhandlung auf und ließ sich eine Prachtausgabe der Werke Lenins zeigen. Mit dem Klappspaten schob er diese vom Tisch. Der Inhalt von Regalen mit roten Hetzschriften ergoß sich über den Boden. Keiner gebot dem wütenden Obergefreiten Einhalt. Die sonst so wortgewaltigen Studenten hatte fluchtartig das Geschäft verlassen.
In seiner Not rief der Inhaber die Feldjäger an. Die waren schnell mit einem Jeep zur Stelle und stürmten auf den roten Buchladen zu. Doch dann stutzen sie vor dem Eingang. Auch durch den händeringenden lamentierenden roten Buchladenbesitzer waren die Feldjäger nicht zu bewegen, auch nur einen Schritt zu tun. Sie zuckten mit den Schultern und wiesen auf den Aufkleber mit den Polizeikarrikaturen:
"Wir müssen leider draußen bleiben!"
05/2021
Die Schlange
Wie in jedem Betrieb gibt es auch an Bord irgendwo ein schwarzes Brett für die Bekanntmachungen. Auf einem normalen Frachter wird diese Einrichtung bei der Probefahrt einmal für irgendwelche "Veröffentlichungen"
benutzt und bleibt dann lediglich Fußballergebnissen vorbehalten. wobei der auf einen Zettel notierte siegreiche Ausgang eines Matches gegen eine andere Besatzung oft reisenlang stummer Zeuge vergangener Taten bleibt. Im übrigen
wird das Brett aber meistens nur durch vereinzelte Heftzwecken oder Papierfetzen geziert. - Nicht so aber eines Tages an Bord des Dampfers WINNIE LATTMANN. Im Betriebsgang vor der Offiziersmesse prangte ein rotumrandeter Zettel mit folgendem Text:
Aus ihrem Käfig im Proviantraum ist eine Kupferkopfschlange
ausgebrochen. Der Biß dieses Reptils ist lebensgefährlich.
Wer von ihr gebissen wir, muß sich sofort bei mir melden!
Zwiewelfleth - Kapitän
Das war kurz, aber eindringlich.
Die WINNIE LATTMANN stand heimkehrend mit einer Ladung Mais, Baumwolle, Tabak, Erz und mit für europäische Tiergärten bestimmte exotische Tiere in der Floridastraße. Hochsommerliche Hitze machte den Seeleuten an Bord schwer zu schaffen,
zumal der mit besten Willen nicht aufzufindenden Schlange wegen sämtliche Bullaugen geschlossen werden mußten. Es wäre nämlich keineswegs nur unangenehm gewesen, wenn sich das Biest durch eine Öffnung in die Wohnräume verirrt hätte.
An Bord herrschte regelrechter Alarmzustand. Überall konnte das fast zwei Meter lange Untier lauern: nach Urwaldart auf den Sonnensegellatten oder einfach in den Rettungsbooten, aber auch zwischen dem Stauholz, das aus Raummangel auf dem achteren Deckshaus lagerte.
Der Kapitän hatte verlangt, daß die Seewache nachts Taschenlampen bei sich trug und mit Knüppeln bewaffnet war.
Auch der dickfelligste Jungmann war durch diese derart außergewöhnliche Maßnahme auf die unmittelbare Gefahr aufmerksam geworden, die ihn bedrohte.
Einer jener Herren war im Morgengrauen von seinem Makker am Ruder abgelöst worden, und da der Ausguckposten am Tage nicht besetzt zu werden braucht, begab er sich hinunter zur Kombüse, erstens, um mittels Trillerpfeife durch den wachhabenden Offizier erreichbar zu sein, und zweitens,
um zu erkunden, ob der Koch irgendwo etwas Eßbares vergessen hatte.
Vorsichtig die Sonnensegellatten absuchend und überhaupt sehr aufmerksam, schritt unser Jüngling über das Bootsdeck. Nirgends eine Spur von der Schlange, und in der Kombüse war auch nichts verdächtiges zu erblicken. Befriedigt stellte er seine "Waffe" an die tags zuvor neu gezimmerte Kohlenkiste
und jumpte selbst sportlich und elegant oben hinauf, um sich von seinem Rudertörn zu erholen. - Aber im gleichen Moment sprang er mit einem entsetzten Schrei wieder dort herunter. Die Schlange hatte offensichtlich dahinter gelegen, sich bedroht gefühlt und hatte den Ruhestörer heftig in den Achtersteven gebissen.
Schreckensbleich flüchtete er aus der Kombüse, lief auf die Brücke und rief: "De Schlang hett mi beten!"
Daraufhin wurde der Wachhabende genauso lebendig, augenblicklich stand der Kapitän im Schlafanzug auf der Brücke, um Maßnahmen zu ergreifen.
Schlangenserum stand selbstverständlich nicht zu Verfügung, und da sich kein Freiwilliger fand, die Wunde auszusaugen, blieb als einziges Mittel eine glühende Zigarre, mit der das Gift in der Wunde unschädlich gemacht werden mußte. Höchste Eile war geboten, und Zwiewelfleth fragte den Unglücksraben: "Wo?"
Er zeigte auf sein Südende, und der Alte kommandierte: "Büx runner!"
Eine dicke Brasil hatte er schon mitgebracht und zündete sie nun hastig an. Der Jungmann mußte sich über den Lotsenbock beugen, und dann begann die Behandlung. Zwei Matrosen hielten den Pechvogel fest, der ob der mittelalterlichen Methode laut stöhnte und jammerte.
Als der Kranke abends, wie der Kapitän sich ausdrückte, "noch immer nicht gestorben war", stellte letzterer aufatmend und abschließend fest: "De Dussel!", denn die Schlange war in der Aufregung natürlich wieder entfleucht.
Die Alarmbereitschaft konzentrierte sich nun auf die Nähe der Kombüse, und als sich der Matrose Gerd Onken am nächsten Tag ebenfalls auf die Kohlenkiste schwang, um auf das Biest zu lauern, biß es wieder zu.
Gewitzt aber durch die Ereignisse am Vortag, drehte sich Gerd vor seiner Flucht zum Kapitän noch einmal um, um die Schlange erst zu erledigen. Mit dem Knüppel holte er aus zu einem fürchterlichen Schlag und hieb auf - einen spitzen Nagel.
Denglisch
Z3 liegt 1966 an der Tirpitzmole in Kiel. Unser Kmdt., FK Siewert, war dafür bekannt, dass er keine amerikanismen in der deutschen
Sprache schätzte, was natürlich bei den vielen an Bord noch vorhandenen Schilder in englischer Sprache nicht gerade leicht war.
Eines Morgens kommt er die Tirpitzmole entlang zum Dienst, alles bereitet sich auf "Front" und "Seite" vor, da entwischt noch kurz vorher
der Gefreite B. mit Olivhandtuch um den Hals über die Stelling - Duschen war nur an Land erlaubt. Natürlich läuft der dem Kommandanten
in die Arme, der nach korrektem Gruß leutselig fragt: "Na, wohin des Weg´s, Herr Gefreiter?"
"Ich hatte die 04-08-Wache, Herr Kap'tän
und gehe jetzt unter die Shower"..... Mit leichter Zornesröte im Gesicht putzt nun der Kommandant den sichtlich verwirrten Seemann
herunter, ob er denn nicht wisse, dass es für dieses Denglisch auch ein gutes deutsches Wort gäbe, nämlich "DUSCHE"!!! "Jawoll, Herr
Kap´tän"! Abgang.
Gut 45 Minuten später erwartet der Kommandant Besuch an der Stelling, an Bord kommt ein sichtlich sauberer Gefreiter B. Der Alte,
wieder versöhnt, meint:"Gut geduscht, Herr Gefreiter?" "Nee, Herr Kap´tän, die Dusche hatte ´n Trouble!"
Gefreiter B. hatte danach ein
Wochenende Zeit, korrektes Deutsch zu lernen - auf einer Sonderwache.
Dank an Günther Bockelmann!
09/2021
Mehrzweckgarderobe
Auf englischen Kriegsschiffen herrschen noch viele, ein besonderes Standesbewußtsein betonende Unterschiede, die für deutsche Seeleute unverständlich sind. Die Kluft zwischen Offizieren und Mannschaften ist besonders stark.
Der Kommandant des zum Nato-Geschwader SNFC gehörenden britischen Minensuchers gibt an Bord seines Schiffes einen Empfang für die Offiziere der im Geschwader fahrenden Nato-Partner. Mäntel und Mützen der Gäste werden auf die Haken vor der Offiziermesse gehangen. Nachdem die deutschen Gäste wieder gegangen sind, wird unter dem Schild über den Garderobenhaken mit der Aufschrift: "Nur für Offiziere" eine Bemerkung entdeckt, die sich der Kommandant übersetzen lassen muß: "Auch für Mäntel und Mützen!"
10/2021
Der Kutterführer von Teneriffa
Der Versorger "Nienburg" liegt 1971 mit dem 2. Zerstörergeschwader in Teneriffa. Die Schiffe liegen weit draußen am Ende der großen Mole, die sich in naher Entfernung parallel zur Küste hinzieht und eine langgestreckte Hufeisenform bildet. Nur die "Frankenland" liegt draußen vor der Mole auf Reede. Die "Nienburg" ist Wachschiff und Wachoffizier ist OB Hubert Habenicht. Nach Einbruch der Dunkelheit läuft eine Barkasse von der "Nienburg" zur "Frankenland". Doch da löst sich vom Zerstörer "Hamburg" der Kutter, kreuzt ohne Beleuchtung den Kurs der Barkasse, die ausweichen muß, fährt zur gegenüberliegenden Küste und kehrt nach einiger Zeit zur "Hamburg" zurück. OB Habenicht, ein erfahrener Seemann der Handelsmarine, ist über das leichtsinnige Verhalten des Kutterführers verärgert. Er gibt den Befehl: "Der Kutterführer der "Hamburg" meldet sich morgen früh beim WO der "Nienburg!""
Am nächsten Morgen erscheint der Kommandant der "Hamburg", Fregattenkapitän Ewald S.. Die Wache kann gerade noch Seite Pfeifen, als er auch schon die "Nienburg" betritt, sich vor OB Hubert Habenicht aufbaut, die Hand an die Mütze legt und meldet: "Kutterführer von heute Nacht meldet sich, wie befohlen!"
01/2022
Das Selbstbewußtsein unserer Minensucher
Im Nahen Osten kriselte es. Eigentlich braucht das nicht sonderlich erwähnt werden, denn es scheint ein Dauerzustand zu sein. Zumal war im August 1984 der Krieg zwischen dem Iran und Irak in vollem Gange. Was den zuschauenden Westen dann doch aufschreckte, war das Gerücht oder die Tatsache, daß im Roten Meer vor dem Suezkanal Handelsschiffe durch Minen beschädigt wurden.
Da die Internationale Schiffahrt gefährdet schien, setzten einige Nationen sofort Minenräumfahrzeuge auf den Weg in Richtung Suezkanal. Auch unsere Jungs der Bundesmarine warteten auf den Einsatzbefehl. Hatten sie doch bei allen gemeinsamen NATO-Übungen immer wieder bewiesen, daß die deutschen Minenstreitkräfte die erfolgreichsten auf der Welt waren. Nun winkte ein Einsatz, bei dem sie im Ernstfall ihre Fähigkeiten beweisen konnte. Doch die Bonner politische Führung entschied anders, war doch die Maxime ihres Handelns, bzw. Nicht-Handelns das "Aussitzen". Unsere Soldaten wußten das aber nicht, und meinten, die NATO-Partner hätten ihren Einsatz nicht gewollt. So äußerte ein Sperrwaffenmeister: "Die wollten endlich selber einmal mit Erfolgen brüsten. Sie wollten uns nicht dabei haben, weil sie dachten, wenn die Deutschen kommen, dann finden die gleich wieder alle Minen."
Der zweite Bürostuhl
Kapitän zur See Hajo M. bekommt in seinem Büro um Verteidigungsministerium überrachend Besuch von seiner Frau. Sie erwischt ihn in einer pikanten Position: Auf seinem Schoß sitzt die Sekretärin. Nach einer Schrecksekunde beginnt er zu diktieren: "... und darum, sehr geehrte Damen und Herren, sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit: Etatkürzung hin, Etatkürzung her: Ich benötige dringend einen zweiten Bürostuhl!"
Auf die billige Tour
Die britischen Navy-Soldaten dürfen die Eisenbahn im Heimatland zum halben Preis benutzen. Die deutschen Seeleute, die zur Ausbildung in Portland weilten, stellten das neidisch fest.
Am freien Wochenende wäre man gerne nach London gefahren, doch das Ticket kostete immerhin damals 12 Pfund, bzw. umgerechnet cirka 50,00 DM. Für Wehrpflichtige war das schon eine gewaltige Summe, etwa ein Fünftel des monatlichen Wehrsolds. Aber einige entschlossen sich doch, die englische Hauptstadt anzusehen.
Unterwegs kam der Fahrkartenkontrolleur. er stutzte vor der besetzten Toilette. Als er ein zweites und ein drittes Mal vorbeikam, war sie immer besetzt. Barsch forderte er, die Türe aufzumachen oder das Ticket unter der Tür hindurchzuschieben.
Der letzten Aufforderung wurde Folge geleistet. ein Ticket Wymouth-London erschien unter der Tür. Der Schaffner kontrollierte und zog zufrieden davon. In London-Victoria-Station öffnete sich die Toilettentür und heraus taumelten fünf deutsche Mariner.
04/2022
Themsenliesl
Die Königsyacht "Britannia" weilte mit der englischen Königin Elisabeth zu einem offiziellen Besuch in Kiel. Auf der Rückfahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal wurde die "Britannia" vom Zerstörer "Hessen" begleitet. Dann kam der Befehl, während des frühen Nachmittags keine Lautsignale mehr zu geben, damit die Queen nicht in ihrer Mittagsruhe gestört würde.
Doch in der Mittagszeit wandelte sich der Dunst in der Luft in einen dicken Nebel. Die Schiffe verminderten ihre Geschwindigkeit und lautlos glitt die "Hessen" vor der "Britannia" durch die milchige Suppe. Kein Signal wurde mehr gegeben.
Da erschien der Navigationsoffizier, der in seiner Freiwache geschlafen hatte, auf der Brücke. "Seid ihr verrückt geworden, bei dieser Waschküche ohne Lautsignale zu fahren?"
Da hielt der Rudergänger den Zeigefinger vor den Mund: "Pscht! Themsen-Liesl will knacken!"
05/2022
Revierstunde
Hein Seemann fühlte sich nicht wohl und meldete sich zum Arzt. Der Stabsarzt, rauhbeinig und sehr militärisch, schnauzte ihn an: "Menschenskind, wegen einer solchen Kleinigkeit rennen Sie gleich zum Arzt? Hätten Sie das im Zivilleben auch getan?"
"Nein Herr Stabsarzt", verkündete Hein Seemann, "da hätte ich Sie holen lassen."
06/2022
Keine Ahnung
Bei der Offiziershauptprüfung stand der mündliche Teil bevor. Der Fähnrich B. wurde ungewarnt in Ballistik geprüft.
Korvettenkapitän N. und sein Schüler beurteilten die Lage gleich. der Schüler hatte keine Ahnung. Das Schicksal nahm seinen
Lauf. Während der Fähnrich unter hohem Verlust an bunter Kreide ein laufendes Gefecht in seine ballistisch relevanten Vektoren zerlegte, lenkte N. mit launigen Geschichten über seine letzte Segeltour vom Opfer ab.
Plötzlich stand er neben dem Fähnrich, stellte sich mit kritisch geneigtem Kopf so vor die Tafel, daß kein Kommisionsmitglied etwas sah und murmelte seinem Schüler zu:
"Die haben keine Ahnung!"
Unter lauten anerkennenden Bemerkungen berichtigte er mehrere Pfeilrichtungen und Bezeichnungen. Dann trat er einige Schritte zurück und stellte fest:
Sehr gut! Hätte ich nicht besser machen können!"
Keiner der Herren der Prüfungskommision stellte noch eine Frage; der Fähnrich hatte bestanden.
07/2022
Deutsch-deutsche Zusammenarbeit
Die Bundeswehr läßt ihren Soldaten freie Heilfürsorge angedeihen. Deshalb wird den Wehrpflichtigen eingeschärft: Solange Sie Soldat sind, ist für Sie kostenlos der Truppenarzt zuständig.
Auch wenn Sie Wochenendurlaub oder Jahresurlaub haben oder aufgrund einer Dienstbefreiung sich nicht in Ihrem Standort aufhalten, führt Sie bei Erkrankungen oder Verletzungen der erste Weg ab in die nächste Kaserne zum dortigen Truppenarzt.
Ein Wehrpflichtiger Soldat, der aufgrund seiner Verwendung die Sicherheitsstufe 2 bekommen hat, stellte 1980 den Antrag, seine Verwandten jenseits der Zonengrenze im Urlaub besuchen zu dürfen.
Sein Antrag wurde geprüft und genehmigt. Zwar ließ ihn der Sicherheitsoffizier noch einmal kommen und schärfte ihm ein, alles was auf seine Zugehörigkeit zur Bundeswehr schließen lasse, zu Hause zu lassen.
Der Soldat nahm sich die Sache zu Herzen und befolgte die Anweisungen. Doch seinen Urlaubsschein nahm er mit.
Während des Aufenthalts bei seinen Verwandten befielen den jungen Mann heftige Zahnschmerzen. Einen Zivilarzt aufsuchen? Ihm war doch eingeschärft worden, solange er Soldat sei, ist der Truppenarzt zuständig. Es klang ihm noch im Ohr: Bei
Gesundheitlichen Beschwerden, auch im Urlaub, wenn Sie nicht am Standort sind, der erste Weg ab in die nächste Kaserne zum dortigen Truppenarzt.
Also machte sich unser junger Mann zur nächsten Kaserne der nationalen Volksarmee der DDR auf und zeigte bei der Wache seinen Urlaubsschein. Die ließ ihn passieren. Doch dann lief er im Kasernengelände dem Spieß in die Arme, den er nach
dem Zahnarzt fragte. Der Spieß schnauzte ihn zunächst an wegen seines zu langen Haarschnitts und schleifte ihn zum Kasernenfriseur. Widerstandslos ließ sich der junge Mann die Haare so kurz scheren, wie sie nach der Vorschrift in der NVA getragen werden.
Dann wurde er zum Zahnarzt gebracht, zeigte seinen Urlaubsschein und erfuhr eine korrekte Zahnbehandlung.
Der ganze Vorfall wäre unbekannt geblieben, hätte nicht das zuständige Wehrbereichsgebührnisamt der Bundeswehr eines Tages vom Zahnarzt der NVA eine Rechnung über 49,50 DM anläßlich der Behandlung eines Bundeswehrsoldaten zur Begleichung erhalten. Das Wehrbereichsgebührnisamt zahlte den Betrag.
08/2022
Deutsche Gefreitenlogik
Das 2. S-Geschwader aus Olpenitz lief im Juni 1985 in die nördliche Ostsee aus, um dort die diesjährige AAG durchzuführen. Zur Ausbildung gehört auch die Bildung.
Und so wurde der Besuch der schwedischen Hauptstadt Stockholm zum Höhepunkt der Fahrt. Eine Gruppe von Soldaten nutzte die Gelegenheit um das berühmte Wasa-Schiff zu sehen,
das 1628 auf seiner Jungfernfahrt wenige Minuten nach dem Stapellauf aus dem Windschatten einer Insel kommend von einer Böe erfaßt wurde.
Das Schiff führte zu wenig Ballast, hatte aber schon alle Kanonen auf den oberen Decks. Die Böe drückte das Schiff auf die Seite und da alle Stückpforten offenstanden, strömte
Wasser ins Schiff, so daß es in Sichtweite des Hafens in wenigen Minuten sank.
1961 wurde es wiederentdeckt, sorgfältig geborgen und in einem langwierigen Verfahren konserviert und restauriert. Alle Stockholmer sind stolz auf ihre wiederhergerichtete "Wasa".
Auch der örtliche Reiseführer des Schiffsmuseums pries mit begeisterten Worten die "Wasa" als das weitaus beste Schiff seiner Zeit der schwedischen Marine.
Ein deutscher Gefreiter kratzte sich am Kopf und fragte: "Wenn das beste Schiff schon nach 5 Minuten gesunken ist, wie schlecht müssen dann erst die anderen gewesen sein?"
09/2022
Saunaordnung
Korvettenkapitän S. ist nach Bonn ins Bundesministerium der Verteidigung versetzt worden. Da auch dort nach Dienstschluß die Möglichkeit der Saunabenutzung besteht, erkundigt er sich per Telefon nach einem Termin.
Der Gefreite am Telefon teilt mit:
"Heut geht es nicht, da sind nur Damen dran.
"Geht es morgen?"
"Ja, morgen ist gemischter Besuch gestattet."
"Was heißt gemischt?"
"Heer, Luftwaffe und Marine"
12/2023
Die Fata Morgana, oder das fehlende Koppel
Zum vorschriftsmäßigen Wachanzug muß der OvD (Offizier vom Dienst) sowohl Stahlhelm tragen, als auch Koppel umschnallen.
Leutnant zur See Fridolin Ricke, Zugführer an der Marineunteroffiziersschule Plön, ein Mann mit viel Humor und Gemüt, legte nicht allzuviel Wert auf äußerliche
Förmlichkeiten. Die Absätze seiner Schuhe waren rund wie die Weltkugel. Und über dem olivgrünen Parka ein Koppel zu spannen, das deuchte ihm als OvD doch etwas zu
umständlich zu sein. So trottete er ohne Koppel über den Kasernenhof.
Der Kommandeur der Schule, Kapitän zur See Kamper, traut seinen Augen nicht, als er aus dem Fenster seines Dienstzimmers blickt und den OvD ohne Koppel durch das Kasernengelände gehen sieht.
Er blickt noch einmal genauer hin. Ein Irrtum ist nicht möglich. Er reißt das Fenster auf und ruft unheilvoll: "Herr Leutnant, kommen Sie doch einmal zu mir!"
Leutnant Ricke ahnt, was es geschlagen hat. Er macht kehrt und eilt in das Gebäude. Vergebens überlegt er eine Ausrede.
Im Flur vor dem Zimmer des Kommandeurs sieht er am Kleiderhaken einen Koppel hängen. Flugs schnallt er ihn um, klopft an die Tür, tritt ein und meldet sich bei seinem Chef. Der stutzt.
Das unausweichliche Donnerwetter bleibt aus. Statt dessen stottert der Kommandeur: "Ach, was ich Sie noch fragen wollte: Nehmen sie am Ball nächste Woche teil?" "Aber sicher, Herr Kapitän, ich habe mich
bereits vor einigen Wochen angemeldet."
Leutnant Ricke wird gnädig entlassen. Auf dem Flur hängt er den Koppel an den Haken zurück und setzt den unterbrochenen Weg fort. Der Kommandeur, der sinnend aus dem Fenster blickt, stutzt erneut. Da geht doch der
Leutnant Ricke ohne Koppel! Wieder reißt der Kommandeur das Fenster auf und ruft: "Leutnant Ricke, kommen Sie doch noch mal zu mir!"
Der OvD spritzt zurück. Diesmal ist es schon fast Routine. Im Flur wird der Koppel vom Haken genommen, und umgeschnallt betritt der Leutnant das Kommandeurszimmer.
Kapitän Kamper ist fassungslos. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Der OvD ist vorschriftsmäßig gekleidet. Der Kommandeur schluckt: "Also Herr Leutnant Ricke, ich wollte Sie noch fragen, ob auch Ihre Braut am
Ball teilnehmen wird?" "Selbstverständlich, Herr Kapitän, auch sie ist bereits angemeldet." "Na ja, dann sehen wir uns gemeinsam auf dem Fest. Grüßen Sie Ihre Braut."
Und wieder wird Leutnant Ricke entlassen. Auf dem Flur hängt er den Koppel wieder an den Haken und begibt sich auf den Weg über den Kasernenhof.
Der Kommandeur ruft aus dem Nebenzimmer seinen Stellvertreter, den S3 Fregattenkapitän Wels und führt ihn ans Fenster: "S3, sehen Sie dort auf dem Hof den Leutnant Ricke?" "Jawohl!" "Fällt Ihnen etwas an seinem Wachanzug auf?"
"Sicher, der Leutnant trägt kein Koppel." "Ja," meint der Kommandeur, "das hatte ich zuerst auch geglaubt!"
10/2022
Zu weit gegangen!
Der Tender " Lahn" liegt an der Pier und bringt Fender aus, damit der Tender "Lech" längsseits gehen und mit der "Lahn" ein Päckchen bilden kann. Kaum ist das Schiff festgemacht, erscheint zu guter Letzt der Smut der "Lahn" und bringt Rattenbleche auf den Leinen zur "Lech" aus.
Eine größere Beleidigung kann es nicht geben, daß ein Schiff als Rattendampfer verdächtigt wird.
Die Männer der "Lech"-Besatzung sind wütend und hegen finstere Rachegedanken.
Heimlich lösen sie während der Nacht die Tampen der zwischen den Schiffen klemmenden Fender von der Reling der "Lahn" und befestigen sie an der Reling der "Lech".
Keiner bemerkt die Veränderung.
Als am nächsten Tag die "Lech" ablegt, sieht sich die " Lahn" ihrer Fender beraubt, die mit der "Lech" davondampfen.
Der Smut der "Lahn" und die Matrosen des Deckspersonals fluchten ganz schön, als sie zu Fuß die Fender von der "Lech" abholen mußten, die auf die andere Seite des Hafens verholt hatte.
06-2012
Kurze Leitung
Im Weltkrieg mußte die deutsche Hochseeflotte ihren Kampf aus dem engen Winkel des nassen Dreiecks heraus führen. Jeder Flottenvorstoß hatte einen breiten Gürtel stärkster Minen- und U-Boots-Gefahr zu überwinden. Wenn auch die
Tirpitzschen Schlachtschiffe so robust gebaut waren, daß ihnen ein Torpedo- oder Minentreffer nicht viel ausmachte, so mußten sie
doch dann für ein paar Wochen in die Werft gehen. Für die Führung bedeutete das den unerwünschten Ausfall des Schiffes, für die Besatzung, dagegen Aussicht auf einen sehr erwünschten Heimaturlaub, für den die Besatzung gewöhnlich in zwei oder drei Törns eingeteilt wurde.
Dauerte die Werftliegezeit über Erwarten länger, dann konnte es vorkommen, daß die, die zuerst gefahren waren, noch einmal ein paar Tage Urlaub bekam.
Eines Tages erhielt nun ein Schlachtschiff vor der jütländischen Küste von einem U-Boot einen Torpedotreffer. Es war nachmittags, die Freiwache saß beim Kaffee oder bei dem, was man damals Kaffee nannte. Ein Krach, das Schiff erbebte, in der Offiziersmesse sprangen die Kannen und Tassen vom Tisch. Noch während alles zur Tür stürzte, um schleunigst auf Lecksicherungsstation zu gehen, ließ eine helle Stimme eines Leutnants hören: "Klar bei Hamburg! Ich fahre mit dem ersten Urlaubstörn!"
01/2023
Eins zu Eins
Bundespräsident Dr. Lübke besichtigt die Bundesmarine. An Bord des Zerstörers, auf den er sich eingeschifft hat, lässt allerorts, wo es sich um Artilleristisches dreht, seine Sachkenntnis erstaunen. Viele wissen ja nicht, dass der hohe, nein höchste Gast der Bundesrepublik im ersten Weltkrieg einmal Oberleutnant der Artillerie war. Die Buma die nun endlich ihren zudem berechtigten Wunsch erfüllt sieht, den man der früheren Kriegsmarine versagte: 'die eigene Luftwaffe', führt dem Gast auch auf diesem Gebiet Manöver vor.
Sie setzt U-Jagdflugzeuge ein, deren Aufgabe es ist, eine auf der See schwimmende Scheibe zu bombardieren. Aus gebührender Sicherheitsentfernung beobachtet der Bundespräsident und ein Spezialist die Bombenangriffe auf das Ziel. Neben ihm steht der Chef der Marinefliegerei, Konteradmiral Mahlke.
Als das Halali geblasen wird, meint Bundespräsident Lübke, an Mahlke gewandt: 'Ja, ja, der sicherste Platz ist noch immer auf der Scheibe.' Mahlke aber kontert: 'Das ist es ja, Herr Bundespräsident. Wir wollten Ihnen mal zeigen, wie veraltet diese Flugzeugtypen mit ihren nicht minder veralteten Zielgeräten sind.'
Womit aus dem Eins Null ein Eins zu Eins geworden ist.
Der Koch
Der Bremerhavener Viermast-Schoner GEORG KIMME hatte die Straße von Yucatan passiert und befand sich mit einer Ladung Stückgut mitten im Golf von Mexiko. In leichter Dünung und
vorhandiger Backstagsbrise segelte er seinem Ziel New Orleans entgegen. Die Sonne schickte ihre glühenden Strahlen auf das ausgetrocknete Deck des Schiffes. Träge verrichtete die Besatzung
ihre Arbeit in einer Backofenhitze, die der leichte Passat nicht zu mildern vermochte.
Sehr übel dran war der Koch. Er lag krank darnieder und klagte über heftige Kopf- und Leibschmerzen. Dabei war das stickige Logis schon für einen Gesunden alles andere als ein angenehmer Aufenthaltsort.
Diesen Umständen, der vom Reichsgesundheitsamt im Jahre 1929 herausgegebenen "Anleitung zur Gesundheitspflege auf Kauffahrteischiffen" und der damit vom Steuermann gehandhabten Praxis sowie der nunmehr von
einem Jungmann zubereiteten schmalen Kost war der Lebensnerv des Smutes eines Tages nicht mehr gewachsen. Er starb auf hoher See.
Da man nicht innerhalb der vorgeschriebenen Zeit Land erreichen konnte, stand ein Seemannsbegräbnis bevor.
Sorgenvoll blätterte der Kapitän in dem an Bord vorhandenen Neuen Testament, dem er bislang noch nie irgendwelche Beachtung geschenkt hatte. Ob er wollte oder nicht, zu diesem Fall mußte er einige Worte sagen, obwohl er darin kein feierliches, sondern vielmehr ein ärgerliches Ereignis sah, bei dem er, um das Gesicht nicht zu verlieren, das Schiff auch noch stoppen mußte, war ihm innerlich verdammt überflüssig vorkam. Jede gewonnenen Meile war bares Geld, und letzteres wußte er als echter Seemann und Vertreter des Reeders wohl zu schätzen. Außerdem mußte im dollarschweren Amerika ein neuer Koch gefunden werden, der für deutsche Heuer fahren würde.
Als der Tote nun, eingenäht in eine Persenning, auf einem Lukendeckel aufgebahrt, an Deck stand, der Schoner mit dem Kopf auf der See dümpelte, während die Großsegelschoten aufgefiert waren, um die Fahrt aus dem Schiff zu nehmen,
hielt Kapitän Brünjes vor versammelter Besatzung eine Predigt, die eigentlich nur im Vorlesen des Vaterunsers bestand. Mit dem Amen war die Zeremonie beendet und auf den Befehl: "Denn man to!" rutschte der Koch in sein Grab - nach
dem ökonomischen Prinzip natürlich ohne Lukendeckel.
Eine weitere Sparmaßnahme erwies sich als verhältnismäßig verhängnisvoll. Man hatte dem Toten einen gewöhnlichen und daher viel zu leichten Schäkel zur Beschwerung mitgegeben. Als zusätzliches Unglück erwies sich in diesem
Zusammenhang der Umstand, daß man erst viel zu spät entdeckt hatte, daß der Koch überhaupt verstorben war. Die Leichenstarre war bei angewinkelten Knien eingetreten, und hier hatte sich unter der Persenning Luft angesammelt: Der Mann ging nicht unter.
Beim besten Willen nicht. Minutenlang blieb er neben dem Schiff und weil man einen Segler nicht so genau auf der Stelle halten kann, trieb der Tote langsam achteraus.
Das Gesicht des Kapitäns wurde immer länger. Es war nämlich strenge Vorschrift, daß eine der See übergebene Leiche untergehen mußte. Vermutlich würde sie jetzt irgendwo antreiben, und man würde Nachforschungen anstellen. Seine Miene wurde finster,
als er die weiteren Maßnahmen bedachte, deren Korrektheit durch das Archimedische Prinzip unmöglich gemacht wurde: genaue Eintragung des Sterbefalls in das Tagebuch mit Gegenzeichnung durch den Steuermann und Hinweis auf das Sterberegister. Davon mußten je zwei Abschriften
dem deutschen Konsul in New Orleans übergeben werden. Später mußte das Tagebuch und der Anhang dazu, nämlich das Sterberegister, der Aufsichtsbehörde des Standesamtes im ersten deutschen Hafen vorgelegt werden. Last but not least mußten die Verwandten benachrichtigt werden,
die vermutlich auch daran interessiert waren, daß ihr Familienoberhaupt nicht irgendwo an der Küste von Mexiko wieder antrieb.
Diesen Schwierigkeiten und Gewissenskonflikten gegenüber stand die Unterbrechung der Reise als Verdienstausfall, die bei einem nunmehr nötigen Mann-über-Bord-Manöver, Drehung eines Vollkreises bei mäßiger Brise, dem Aussetzen eines Bootes und nochmaligen Beschweren der
Leiche gut einige Stunden hätte ausmachen können.
Die Besatzung beobachtete den Kapitän, und er fühlte sich beobachtet, während Pflichtbewußtsein und gesundes kaufmännisches Empfinden in ihm um die Oberhand kämpften. Die Sekunden wurden zu Minuten, während sein Blick fest auf dem friedlich in der Dünung auf und ab bewegenden Koch ruhte.
Plötzlich entschied er sich für das Fortsetzen der Reise und er brüllte seine Leute an: "Kiekt dor nich hen, de is all lang weg!"
Die Tagebucheintragung konnte "vorschriftsmäßig" erfolgen.
03*2023
Die fliegende Boje
Ein Kommandant machte mit seinem Schiff einmal Fahrtübungen nach einer über Bord
geworfenen Boje. Kommandant zum Wachoffizier:
"Nun steuern Sie doch endlich da zwei Strich an Steuerbord die Boje an!"
Wachoffizier: "Herr Kapitän, ich möchte gehorsamst melden, das ist nicht die Boje,
das ist eine Möwe."
Kommandant: "Wenn ich Ihnen sage, daß das die Boje i s t, dann i s t das die Boje!
Also halten Sie darauf zu."
Wachoffizier: "Zu Befehl, Herr Kapitän!"
Das Schiff braust auf die Boje zu. Plötzlich hebt sich die vermeintliche Boje aus dem
Wasser und fliegt davon.
Wachoffizier meldet: "Herr Kapitän, eben ist die Boje weggeflogen!"
Auf der Brücke setzt jetzt das ein, was man in der Marine mit Zustand bezeichnet wird.
Sturm 1983
Anfang September wollten einige Offiziere der MS-Flottille mit einem 7KR-Boot eine Segeltour in die Nordsee unternehmen.
Wegen der Warnung vor einem ausgedehnten Sturmtief schob der A3, Fregattenkapitän Wolf, in der Stabsrunde die Herrentour am 5. September 1983 mit den Worten auf:
"Wir sind entweder eine Woche zu spät, oder ein halbes Jahr zu früh."
Wie recht er hatte, zeigten die Auswirkungen des angesagten Sturms auf in See stehenden Schiffen, wie z.B. auf der Fregatte "Braunschweig", der der Kutter und die Reling weggerissen wurden, oder auf der
"Wolfsburg", der das Achterdeck verwüstete.
Der Tender "Werra" stand nördlich von Helgoland, als ihn der Orkan so richtig packte. Er kam in die kritische Situation einer Schräglage von 48 Grad. Wieder in Wilhelmshaven wurde der Pantrygast der PUO-Messe
gefragt, ob viel Geschirr zu Bruch gegangen sei. Er antwortete: "Nicht viel," und fügte nach einigem Zögern hinzu, "sondern alles!"
Nicht zur Fremdenlegion!
Rekruteneinstellung in der Reichsmarine. Einer der Neugeworbenen erscheint im
Marinestandort beim Einstellungsoffizier, dem Kapitänleutnant Francois. Von da wird er
zum Stabsarzt d´Hargues geschickt. Dieser untersucht ihn und leitet ihn weiter zum
Verwaltungsoffizier, dem Oberzahlmeister Thibaut. Da er zum technischen Personal kommt,
muß er sich beim Fregattenkapitän (Ing.) de la Sauce melden. Der junge Mann ist immer
verstörter geworden, was bei einem Rekruten an sich nicht besonders auffällt. Als er
aber erfährt, daß sein neuer Abteilungskommandeur der Fregattenkapitän v. Arnault de la
Periére ist, läuft er davon, so schnell ihn seine sportgeübten Beine tragen wollen.
eingeholt und nach dem Grund dieser Handlung befragt, sagt er zitternd: "Ich wollte
doch zur Deutschen Marine und nicht zur Fremdenlegion!"
Front nach Backbord
Ostasien, ein Kreuzer läuft in Hongkong ein. Im Hafen liegt ein englischer Panzerkreuzer.
Der Kommandant zum WO.:
"Herr Oberleutnant, bitte lassen Sie Front nach Backbord blasen, wenn wir gleich den
Kreuzer "Kent" passieren."
WO (durch das Glas sehend):
"Herr Kapitän, das ist nicht die "Kent", sondern die
"Essex"."
Kommandant:
"Wenn ich sage, daß es die "Kent" ist, dann i s t es die
"Kent"!"
WO (durch das Glas sehend):
"Zu Befehl, Herr Kapitän, es ist die "Kent", aber "Essex" steht
dran."
Schuß vor den Bug
Nach der Landung in Nord-Norwegen am 9. April 1940 wurden die Besatzungen der deutschen
Zerstörer zur Verstärkung der Heerestruppen an der Landfront eingesetzt. Befehlshaber
war der General der Gebirgsjäger Dietl, der oft und gern allein an der Front erschien, um
nach dem Rechten zu sehen.
Wieder einmal ging er die Stellungen in winterlicher Vermummung mit Krückstock ab.
Plötzlich zischte das bekannte Bisssss eines Infanteriegeschosses dicht an seinem Kopf
vorbei. Der General ging in Schußrichtung auf den "saublöden" Schützen zu und
erkannte schließlich in Rufweite einen Zerstörer-Matrosen in Stellung.
"Kerl, sind Sie des Teufels?"
"Nein, Herr General, hab' Sie bloß nicht erkannt. Ich dachte: schieß' ihm mal einen
vor den Bug, dann stoppt der schon!"
08/2015 08-2023
Der Rudergänger
1936 wurden alle irgendwie geeigneten Fahrzeuge der Kriegsmarine zur seemännischen
Ausbildung von Rekruten herangezogen und so auch die beiden Minentender MT1 und MT2, in
der Minensuch bekannt als MT der Eine und MT der Andere.
Einer der tüchtigsten Rekruten, ein Württemberger, hatte Wache als Posten Rudergänger
auf MT der Andere. Beim Rollenexerzieren hatte man ihm aber listiger Weise das
Brückenruder ausgekuppelt. Er drehte eben nur das Steuerrad und sollte das eigentlich
merken. Alles hielt den Atem an und wartete auf den erlösenden und gemäß
"Drehbuch" vorgesehenen Ausruf: "Ruderversager!"
Nichts kam, aber er drehte und drehte! Schließlich riß dem Kommandanten der
Gedultsfaden, und aus der Brückennock rief er:
"Rudergänger, merken Sie nischt?"
"Hajo, Herr Oberleitnant, isch kann des Ding drehe, wie isch will. Die Null ist immer
obe!"
Dem war sachlich nichts zu entgegnen.
09/2023