EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Großsegler:
Die 'Preussen'

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Fünfmast-Vollschiff (Bild) gebaut 1902 von John C. Tecklenburg, Gestemünde, für F. Laeitz, Hamburg.
Abmessungen: 133,2 x 16,34 x 8,26 Meter, [407'8 x 53'6 x 27'1]
Tonnage: 5081 GRT, 4788 NRT, Verdrängung 11150 tons.
Segelfläche: 5560 qm [59.770 sq feet]. (Bild Segelplan)
7. Mai 1902
Stapellauf bei der Werft John C. Tecklenburg, Gestemünde, für F. Laeisz, Hamburg.
31. Juli 1902- 8. Oktober
Reise von Geestemünde nach Iquique in 65 Tagen.
Frühjahr 1908
Verchartert an Standard Oil Co. von Funch, Edye & Co. Ölfracht von New York nach Yokohama.

April 1909
Kapitän B.R. Petersen wurde ersetzt von Kapitän Hinrich Nissen.


Die letzte Reise - Die Preußen läuft am 31. Oktober 1910 von Hamburg nach Valparaiso aus.
Am 5. November 1910, kurz vor Mitternacht segelt die "Preußen" durch die stockdunkle Nacht nach Westen, dem Ausgang des englischen Kanals nach dem Atlantischen Ozean zu. Nur durch die Kraft des Windes und ohne Maschinenunterstützung werden 5081 Bruttoregistertonnen des bis zum Maximum beladenen Schiffes vorangetrieben. Eine Wache an Deck, der Ausguck vorschriftsmäßig besetzt, führt Kapitän Hinrich Nissen sein Schiff, das größte quergetakelte Segelschiff der Welt, durch die schwierigen Gewässer südlich der englischen Küste.

Der Wind flaut ab, und zu allem Überfluß wird es auch noch diesig. Kapitän Nissen gibt den Befehl, Nebelsignale zu geben. Die Preußen macht nur noch vier Knoten Fahrt, und damit wird es schwierig, "Ruder im Schiff zu haben" und es daher es überhaupt noch steuern zu können.

Einer der beiden Passagiere, der Fotograf Graf Larisch kommt an Deck, um sich mit Kapitän Nissen zu unterhalten. In diesem Augenblick erkennt der vorne am Bug der Preußen stehende Ausguck, der Matrose Jens Hansen, rechts aus dem Nichts auftauchende Positionslaternen eines Dampfers, der genau in den Kurs des Segelschiffes zu laufen scheint. Wie sich später herausstellt, handelt es sich bei dem Dampfer um die Brighton, eine schnelle Kanalfähre auf der Überfahrt von Newhaven nach Dieppe. Optische und akustische Signale werden auf der Brighton nicht wahrgenommen. Der Dampfer ist dem Segelschiff gegenüber ausweichpflichtig, muß also hinter seinem Heck passieren. Besorgt beobachtet man auf der Preußen die Situation.
Immer näher und näher schiebt sich die Fähre heran, unvermindert Kurs und Geschwindigkeit beibehaltend. "Ist der denn blind?" entfährt es Kapitän Nissen. Drohend sind bereits die Umrisse des Dampfers erkennbar. " Hart Backbord " – laut hallt der Befehl von Nissen zum Rudergänger. Ein Abdrehen des Segelschiffes als "Manöver des letzten Augenblickes" soll die beiden Schiffe vor der Kollision bewahren. Aber die Preußen reagiert zu träge, hat zu wenig Fahrt. Und so kommt, was kommen muß. Es gibt einen fürchterlichen Ruck, verbunden mit einem gräßlichen Krachen. Der Klüverbaum der Preußen reißt den vorderen Mast und den Schornstein des Dampfers um, knickt danach ein, und der Steven des Segelschiffes trifft die Bordwand der Fähre.

Trotz der großen Beschädigungen beider Schiffe können diese sich voneinander lösen, jedoch ist die Preußen nicht mehr segelfähig und muß Schlepperhilfe annehmen, um einen Nothafen anzulaufen. Der Schlepper Alert versucht, die schwere Preußen von der Stelle zu bewegen. Der Wind dreht plötzlich westlich und macht damit ein Abschleppen nach Portsmouth unmöglich.
Der Entschluß wird gefaßt, im Schutz der Küste nahe Dungeness zu ankern. Der Segler dreht in den Wind, und schon ertönt das Kommando "Laß fallen Steuerbordanker". Der tonnenschwere Anker rasselt durch die Klüse – und die Kette bricht. Zu groß ist der Druck von Wind und Strömung.
Gott sei Dank ist noch ein Anker klar zum Fallen! Trotz aller Mühen, auch der Backbordanker kann das Schiff nicht halten und geht verloren. Preußen beginnt zu treiben. Die Lage spitzt sich weiter zu. Nissen fordert zwei weitere Schlepper an, John Bull und Albatros, um nun Dover anzulaufen. Zu dritt schaffen sie es, den "Riesen" durch das mittlerweile immer schlechter werdende Wetter zu ziehen. Sturm kommt auf. Die Schlepper stampfen in der aufgewühlten See. Da – knallend reißt die armdicke Schlepptrosse von John Bull wie ein Faden. Nur noch zwei Schlepper, die das manövrierunfähige Segelschiff nicht mehr halten können und das auch noch kurz vor der inzwischen fast erreichten Hafeneinfahrt von Dover. "Weg vor dem Wind" schreit Kapitän Nissen, und – " Schlepper loswerfen Segel setzen – freisegeln."

Während die Besatzung die Befehle ausführen will, geschieht es. Die Preußen kollidiert mit einem dicht unter der Küste liegenden Unterwasserfelsen, schwingt nach Land zu herum und läuft auf. Gestrandet!

Mit vier Meter Wasser in den Laderäumen, zerbrochener Takelage, liegt nun der "Flying P-Liner" hoffnungslos verloren unterhalb der weißen Kreidefelsen von Dover in der Crab Bay. Dort unternommene Abbergungsversuche mit 12 Schleppern mißlangen.
Trotzdem – kein Mann ist vermißt oder tot, Teile der Ladung, die unter anderem aus Klavieren besteht, können abgeborgen werden.
Der Kaiser selbst telegraphiert an Laeisz, um sein Bedauern auszudrücken. Jedoch der Stolz der "Flying-P" ist nicht mehr, die "Preußen" kehrt nicht wieder heim.

Im Jahr 2000 wurde ein Nachbau der 'Preussen, die 'Royal Clipper' getauft. Sie ist ein fünfmastiges Vier-Sterne-Luxus-Kreuzfahrtschiff in Volltakelung (Vollschiff).

Doch im Unterschied zum Vorgänger schippert der Nachbau nicht Salpeter, sondern Gäste über die Weltmeere. Die 228 Kreuzfahrer an Bord werden von einer hundertköpfigen Crew umsorgt.


Reisen nach: Chile, Japan, USA  
Kapt. Petersen:    
1902 Lizard- Iquique 64 Tage
1902/03 Iquique-Kassel 79 Tage
1903 Lizard- Iquique 58 Tage
1903 Iquique- Lizard 68  Tage
1903 Lizard- Tocopilla 72 Tage
1903/04 Tocopilla- Kanal 74 Tage
1904 Lizard- Tocopilla 62 Tage
1904 Tocopilla- Lizard 80 Tage
1904 Lizard- Iquique 62 Tage
1904/05 Iquique- Lizard 69 Tage
1905 Lizard- Iquique 79 Tage
1905 Iquique- Lizard 78 Tage
1905 Lizard- Iquique 67 Tage
1905/06 Iquique- Lizard 71 Tage
1906 Lizard- Taltal 69 Tage
1906 Taltal- Lizard 72 Tage
1906 Lizard- Taltal 69 Tage
1906/07 Taltal- Lizard 62 Tage
1907 Lizard- Valparaiso 81 Tage
1907/08 Tocopilla- Lizard 62 Tage
1908 Lizard- New York 25 Tage
1908 New York- Yokohama 126 Tage
1908 Yokohama- Taltal 75 Tage
1909 Tocopilla- Elbe 75 Tage
Kapt. Nissen:    
1909 Lizard- Taltal 74 Tage
1909 Tocopilla- Lizard 83 Tage
1910 Lizard- Taltal 68 Tage
1910 Taltal- Lizard 75 Tage


Die Preußen beim Auslaufen aus dem
New Yorker Hafen unter Vollzeug, 27. Mai 1908
(Bild: Botaurus-stellaris)















Zum Vergleich: die "Royal Clipper" vor Rovinj
(Bild: Emden)   Großbild klick!














Diorama der 'Preussen', erstellt 1908 von einem Bootsmann des Fünfmasters. Dank für das Bild an Jörg Seeck   Großbild klick!















Segelriss der 'Preussen' nn)  Großbild klick!














An Deck der 'Preussen'
(Bild: nn)   Großbild klick!














Briefmarke Motiv 'Preussen'
Briefmarke Motiv 'Preussen' (Bild: Inwind)  Großbild klick!


Weblinks:
Die 'Preussen' in Wikipedia
Segelschiffstypen in Wikipedia
Die 'Preussen' in fishtown.de


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Schlagwörter: Preussen, Vollschiff, Fünf-Mast-Vollschiff, 5-Master, Salpeter, Blohm, Voss, Großsegler, Segelschiffe, Flying P-Liner, Strandung, Kapitän Hinrich Nissen, Geschichte, technische Daten, Bilder

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