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Der Name der 'GORCH FOCK': Johann Kinau



Johann Kinau - Gorch Fock

Johann Wilhelm Kinau, der sich als Schriftsteller 'Gorch Fock' nannte, wurde am 22.August 1880 als Sohn des Hochseefischers Heinrich Wilhelm Kinau und dessen Ehefrau Metta, geb. Holst in Finkenwerder bei Hamburg geboren.

Johann Kinau liebte Finkenwerder, Hamburg, die Elbe und die See überhaupt. Aber sein Wunsch, selber einmal Ewerführer zu werden, erfüllte sich nicht; aufgrund seiner eher schwächlichen Konstitution schickte ihn sein Vater nach der Schulzeit in eine Kontoristenlehre. Dort und später als Buchhalter bei der Hamburg-Amerika-Linie haben ihn die Träume von der See und der Schiffahrt immer wieder verfolgt; seine großen dichterischen Fähigkeiten ließen ihn deshalb eine Vielzahl von hoch- und niederdeutschen Geschichten schreiben, wie er überhaupt als ältester der drei dichtenden Kinaus derjenige war, der die plattdeutsche Sprache der Elblandschaft am treffendsten in die deutsche Literatur eingebracht hat.

In Hamburg-Finkenwerder ist das denkmalgeschützte Elternhaus der Dichterbrüder Johann (Gorch Fock), Jacob und Rudolf Kinau. Das Gorch-Fock-Haus wird von der Heimatvereinigung Finkenwerder ehrenamtlich als Heimatmuseum verwaltet und gepflegt. Die jüngste Schwester der Dichterbrüder hat ihr Elternhaus testamentarisch der Heimatvereinigung Finkenwerder vermacht, mit der Bitte, es als "Gorch-Fock-Haus" der Nachwelt zu erhalten.

Folgende literarische Werke von Gorch Fock sind bekannt:
    «Schullengrieper un Tungenknieper» (Erzählungen auf Plattdeutsch, 1910)
    «Hein Godenwind de Admirol von Moskitonien» (Roman, 1911, nach ihm wurde das Passagierschiff «Hein Godenwind» benannt)
    «Hamborger Janmooten – Een lustig Book» (Erzählung, 1913)
    Seefahrt ist not!» (Roman, 1913)
    «Fahrensleute» (Erzählung, 1914)
    «Cilli Cohrs» (Schauspiel, 1914)
    «Doggerbank» (Schauspiel, 1914)
    «Plattdeutsche Kriegsgedichte» (Gedichtsammlung, 1914–15)
    «Nordsee» (Sammlung von Erzählungen, 1916)
    «Sterne überm Meer» (Tagebuchblätter und Gedichte, 1918, postum)
    «Nach dem Sturm» (Erzählungen zum 20. Todestag, 1936, postum)
    «Die Königin von Honolulu» (Volksstück in hochdeutscher Sprache über die Seemanskneipe «Königin von Honolulu» auf St. Pauli, 1977 aufgeführt am Ohnsorg-Theater Hamburg und später verfilmt, auch als DVD produziert)
    «Das Gorch-Fock-Lied» (komponiert und getextet in den 60er Jahren von dem ehemaligen Kommandanten der «Gorch Fock», Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg).

Am 1. April 1915 wurde Johann Kinau zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg einberufen. Er war zu diesem Zeitpunkt schon ein erfolgreicher Dichter, dessen Bücher in den Schaufenstern der norddeutschen Buchläden ausgestellt waren. Nach einer Infanterieausbildung beim Heer und der Teilnahme an Kämpfen an der Ost- und Westfront hatte endlich ein Versetzungsgesuch zur heißgeliebten Marine Erfolg; im April 1916 kam er nach Wilhelmshaven und wurde auf dem kleinen Kreuzer SMS 'Wiesbaden' Ausguck auf dem vorderen Mast.



Der kleine Kreuzer "Wiesbaden" war am 30. Januar 1915 auf den Vulkan-Werften in Stettin vom Stapel gelaufen. Der Stapellauf erfolgte ohne besondere Feierlichkeit. Der Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden erhielt Kenntnis von dem Vorgang; zugleich wurde das dringliche Ersuchen ausgesprochen, diese Mitteilung als eine streng vertrauliche zu betrachten.

Die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in geheimer Sitzung mit der Stiftung eines Patengeschenkes, für das 5000 Mark bewilligt wurden. Der Kaiser genehmigte die Sitzung; das Marineamt bat indes, die Geschenke zurückzuhalten bis zum eingetretenen Friedensschluss, bei dem die feierliche Übergabe von Seiten der Stadt erfolgen sollte.
Bei den Geschenken handelte es sich um Tafelsilber, Bücher und Musikinstrumente für die Mannschaften und zwei Bilder (sie zeigten das Rathaus und das Kurhaus in Wiesbaden) für die Offiziersmesse. Das Tafelsilber wird noch immer im Tresor der Stadtkasse aufbewahrt.
Über die Geschenke gibt der Magistratsbeschluss vom 25. September 1919 Auskunft. Darin hat sich der Magistrat einverstanden erklärt, vom Verkauf des Silbers, für das damals 2300 Reichsmark bezahlt worden waren, Abstand zu nehmen. Die Musikinstrumente wurden zum Selbstkostenpreis städtischen Beamten überlassen, die Bücher an Bibliotheken gegeben. Über den Verbleib der Bilder ist nichts bekannt.

67 Jahre nach dem Untergang, am 18. Juni 1983, wurde das Wrack des Kreuzers "Wiesbaden" bei einer Tauchübung der Bundesmarine in 52 Meter Nordseetiefe gefunden. Anstoß dazu hatte ein Mitglied des Freundeskreises Gorch Fock gegeben. Er hatte 1980 in einem Leserbrief an das "Marine-Forum" den Vorschlag einer Suche nach der "SMS Wiesbaden" gemacht. Nach den vorliegenden Wrack-Karten mussten in einem bestimmten Seegebiet drei Wracks von Kriegsschiffen der Schlacht vor Skagerrak liegen: zwei britische Schlachtkreuzer und die "Wiesbaden".



Am 31. Mai 1916 nahm die Wiesbaden mit der II. Aufklärungsgruppe, unter Konteradmiral Friedrich Boedicker, an der Skagerrakschlacht teil. Schon zu Beginn der Schlacht wurde das Schiff durch einen Volltreffer in den Maschinenraum manövrierunfähig geschossen. Im Laufe der Schlacht trieb sie zwischen den Schlachtlinien und wurde fortwährend von den britischen Schiffen beschossen. Später erhielt sie noch einen Torpedotreffer ins Heck. Das Schiff zeigte dabei eine erstaunliche Standfestigkeit und ging erst nach Stunden, am 1. Juni 1916 gegen 2:45 Uhr, nahezu mit der gesamten Besatzung, unter. 22 Männer konnten sich zunächst auf drei Flöße retten. Aber nur der Oberheizer Hugo Zenne konnte zwei Tage später als einziger Überlebender vom norwegischen Dampfer Willy geborgen werden. 589 Besatzungsmitglieder starben. Unter ihnen befand sich auch Johann Kinau.
Das Wrack der SMS Wiesbaden wurde durch Taucher der Bundesmarine 1983 in 52 Metern gefunden.

Einige Kilometer vor der schwedischen Hafenstadt Fjällbacka wurde 1920 auf der sich in Privatbesitz befindenden Schäre Stensholmen ein kleines, von einer Feldsteinmauer eingerahmtes Gräberfeld angelegt. Die Gefallenen waren entweder an dieser oder an benachbarten Schären angespült worden. Von den sieben bekannten Toten sind sechs mit den Todestagen 31. Mai und 1. Juni 1916 registriert - Gefallene der Skagerrakschlacht. Ihre Namen stehen auf roten Granitsteinen. Über Johann KINAU (alias Gorch FOCK) ist bekannt, dass er auf der ca. 8-10 Seemeilen weiter westlich entfernten Insel "Väderöbod" auf der Inselgruppe "Väderoarna" angespült wurde.

Augrund der unerhört großen Anzahl von Toten die in diesem Bereich angespült wurden, wurden die Fischer mit 10skr für jeden gefundenen Matrosen und 20skr. für jeden gefundenen Offizier belohnt. Viele Soldaten sind damals auf unterschiedlichen Friedhöfen der Umgebung beigesetzt worden.

Ein schlichter Grabstein erinnert dort an unseren größten niederdeutschen Dichter, dessen Name das Schulschiff der Deutschen Marine trägt. Eingemeißelt sind dort auch seine berühmten Worte:

'Seefahrt ist not'




Die spätere Vereinnahmung seiner Werke durch die Nationalsozialisten führte dazu, dass der Autor Gorch Fock einseitig als Kriegsverherrlicher und Wegbereiter des Nationalsozialismus wahrgenommen wurde.

Gorch Focks Brüder Jakob Kinau und vor allem Rudolf Kinau haben in seiner Nachfolge eine eigene Bedeutung als plattdeutsche Autoren und Heimatdichter gewonnen.

Günter Benjas Biografie stellt heraus, dass Fock unbestreitbar ein Nationalist war, aber durchweg kein Rassist oder Antisemit. Seine Nachlassverwalterin, mit der er trotz des Altersunterschieds über Jahre schriftstellerischen Nebenberufs sehr eng befreundet war, soll nahezu alle kritischen Bemerkungen in seinen Texten beseitigt haben, so dass sie für die propagandistische Vereinnahmung im Dritten Reich passend wurden.



Uwe Jürgens schreibt:

Sehr geehrter Herr Walter,

Wir waren gestern, am 31.5.09, dem Sterbetag von Johann Kinau, auf der Grabstelle. Leider haben wir die Anlage in einem sehr schlechten Zustand vorgefunden.
Nach dem Aufräumen und säubern von Kot und Dreck, haben wir die Fotos gemacht. Sie können diese für ESYS verwenden.
Viele Segler und Motorbootfahrer fahren an dieser kleinen urigen Insel Stensholmen vorbei. Auf dem Wege nach Norden bleibt für die meisten Crews keine Zeit, einen kleinen Abstecher vom Fahrwasser zu machen. Dabei liegt die Insel mit der Grabanlage des Dichters Johann Kinau nur eine Seemeile in nordöstlicher Richtung vom Nordausgang des Hamburgsundes.
Bei guter Wetterlage gibt es einige Möglichkeiten mit dem Bug am Felsen und Heckanker festzumachen. Oder man geht vor Anker zwischen den Inseln Stensholmen und Korsön auf 5m Wassertiefe bei gutem Ankergrund und rudert mit dem Beiboot an Land.
Beim Verlassen der Grabanlage sollte man nicht vergessen, die Eisentür zu schließen und den Stein vorzulegen. Die wilden Schafe auf der Insel beschmutzen sonst mit ihren Hinterlassenschaften die Gräber.
Viele Grüsse von Bord der SY WAIKIKI, zur Zeit vor Anker Insel Stensholmen, Schweden
Uwe Juergens




2 Jahre später…

…ein kräftiger Westwind bringt uns raumschots von Norwegen an die schwedische Westküste…wollen wir doch heute, am 22. August, dem Geburtstag von Johann Kinau, alias Gorch Fock, einen Blumenstrauss auf´s Grab stellen und sehen, ob sich seit unserem letzten Besuch etwas zum Positiven geändert hat…

Am Nachmittag rasselt die Ankerkette auf 5m Wassertiefe auf der Leeseite der Insel Stensholmen. Da der schwedische Wetterbericht Gewitter, Regen und Starkwind für die nächsten Stunden voraussagt und wir dann auf einer Legerwall-Position liegen würden, machen wir schnell unser Beiboot klar und rudern auf die Insel. Wir sind überrascht, die eiserne Pforte ist geschlossen, im Kasten liegt ein Besucherbuch mit vielen Eintragungen, wir lesen englische, holländische, schwedische, norwegische, deutsche u.a. Texte, die Grabanlage macht einen sauberen Eindruck.

Wir freuen uns, hat sich doch die Mühe vor zwei Jahren gelohnt, die offiziellen Stellen, Bundeswehr, Kanzleramt, Kriegsgräberfürsorge, zu benachrichtigen, letztere hatte sich auch für zuständig erklärt und Abhilfe zugesagt.

Zum Geburtstag noch ein schlichter Farnstrauss, der Umgebung angepasst, auf´s Grab von Johann Kinau, alias Gorch Fock, Autor von „Seefahrt ist not“, gestellt, dann müssen wir auch schon den Anker einholen und uns einen sicheren Platz für die Nacht suchen.

Uwe Juergens von Bord der SY WAIKIKI


Vielen Dank an Uwe Jürgens für die Fotos und den Betrag!



Für die Bilder der Eltern und Johann Kinau mit Frau sowie für sachkundige Korrekturen bedanken wir uns bei Hans-Joachim Gabriel.

Weblinks:
Johann Kinau in Wikipedia
Soladatenfriedhof auf Stensholmen
Das Projekt Gorch Fock: Gorch Fock oder Theodor Storm, ein Satire
SMS Wiesbaden in Wikipedia
Die Skagerrak-Schlacht





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Heinrich Wilhelm Kinau und Ehefrau Metta
(Bild: Hans-Joachim Gabriel) Großbild klick!

















Das Grab der Eltern




























Das Elternhaus   Großbild klick!















Johann Kinau als Matrose der SMS Wiesbaden
(Bild: Verlag M. Glogau)


























Die SMS Wiesbaden (mit freundlicher Genehmigung
von www.deutsche-schutzgebiete.de)   Großbild klick!














Johann Kinau mit Frau Rosa Elisabeth
(Bild: Hans-Joachim Gabriel)   Großbild klick!














Soldatenfriedhof auf Stensholmen
(Bild: Uwe Jürgens/ESYS)   Großbild klick!













Grab von Johann Kinau
(Bild: Uwe Jürgens/ESYS) Großbild klick!












Ankerplatz der SY WAIKIKI auf Stensholmen
(Bild: Uwe Jürgens/ESYS) Großbild klick!










Das Grab ist jetzt sauber und geplegt (2011)
(Bild: Uwe Jürgens/ESYS)   Großbild klick!














Das Besucherbuch liegt in einem Eisenkasten
(Bild: Uwe Jürgens/ESYS)   Großbild klick!














Besucherbuch (Bild: Uwe Jürgens/ESYS)   Großbild klick!