Segeln: Seekrankheit, Scopoderm
    EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM

    Seekrankheit
    Seglerbericht zu Scopoderm




    
    Von:         rbeck@stud.uni-frankfurt.de (Rainer Beck)
    Betreff:     Medikament gegen Seekrankheit, Erfahrungsbericht
    
    Folgende Erfahrungen habe ich mit Scopoderm TTS gemacht (das sind die
    kleinen runden Pflaster, die man sich hinters Ohr klebt und die ein
    Wirkstoff-Depot enthalten, der Wirkstoff dringt langsam und gleich-
    mäßig durch die Haut und soll die Empfindlichkeit des Gleichgewichts-
    organs herabsetzen):
    
    *  Wirkung tritt erst nach einigen Stunden ein
    *  hält knapp 48 Stunden an, vorher u.U. neues Pflaster nehmen
    *  Art der Wirkung :  Schwindel unter Deck bleibt, woran man sich
       aber gewöhnt, da der Brechreiz vollständig wegfällt
    *  Nebenwirkung :  eine Art Trägheit/Müdigkeit wie nach Alkohol
       aber schwächer, eine Tendenz zu Gleichgültigkeit
    *  Nebenwirkung :  Sehstörungen in der folgenden Form :  beim Blick
       auf die Karte oder beim Lesen (vor allem bei Dunkelheit und
       schlechter Beleuchtung) verschwimmt nach ca. 5 Sekunden das Bild,
       d.h. die Pupillen können nach dieser Zeit auf kurze Distanz nicht
       mehr fokossieren; Abhilfe schafft da nur, woanders hinzuschauen
       und eine Art fast körperlicher Anstrengung und Augenzusammenkneifen,
       es ist, als ob die Muskeln, die sonst die Pupille verformen nach
       ein paar Sekunden des auf die Karte Schauens einfach schlapp machen.
     * Nebenwirkung :  eine Art Trägheit der Netzhaut, beim Blick durchs
       Fernglas, nachts, sind bei Bewegungen des Fernglases Lichter und
       Leuchtfeuer als auf- und abschwingende Leuchtspuren zu sehen; dieser
       Effekt tritt normalerweise auch ohne das Medikament auf, aber viel
       schwächer, d.h. nur bei viel stärkerem "Wackeln" mit dem Glas.
     * "Nebenwirkung" :  da das Pflaster (je nach Haarschnitt) sichtbar ist
       gibt's schon mal hin und wieder dumme Sprüche von denen zu hören,
       die (meiner Meinung nach aufgrund eines nur schlecht funktionie-
       renden Gleichgewichtssinns) noch nie mit der Seekrankheit zu tun
       gehabt haben oder von denen, die glauben, "richtige" Segler seien
       Leute, die nie Seekrank werden, und die im Nicht-Seekrank-Werden
       eine Art Fähigkeit oder eine erbrachte Leistung sehen.
       (Wenn selbst nicht auf einer Yacht unterwegs, gehöre allerdings auch
       ich zu denen, die, in der Kneipe sitzend, da wo die richtigen See-
       leute und die Viel-Segler verkehren) dann schon mal angesichts eines
       reinspazierenden "Pflasterträgers" sagen :  ah, ein Chartersegler.)
    *  Mein Tip :  nur benutzen, wenn man vor hat, sich bei schlechtem
       Wetter unter Deck ohne Eimer/Plastiktüte in Reichweite aufzuhalten,
       und man sich nur durch die Gegend fahren lassen  will, ohne
    wichtige Arbeiten zu übernehmen, da die Wahrnehmung doch stark
    beeinträchtigt wird oder, wenn man weiß, daß es einem trotz dieser
    Nebenwirkungen immer noch besser geht als wenn's einen erwischt.
    
    Rainer Beck  (rbeck@stud.uni-frankfurt.de)
    
    

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