EUROPÄISCHES SEGELINFORMATIONSSYSTEM
OSMOSE
Schreckgespenst der Segler




OSMOSE - WAS NUN?

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Der Arbeitskreis der Sachverständigen führte am 09./10. 1992 in Neubrandenburg und am 17./18.04.1993 in Moers Seminare durch, die unter anderem das Thema:

Osmose erkennen - prüfen - behandeln

zum Inhalt hatten.

Zu diesem Thema referierten maßgebliche Vertreter der Farben-und Kunststoffverarbeitungsindustrie sowie des Arbeitskreises. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß die Resonanz überwiegend positiv war, ja daß sogar vom Arbeitskreis erwartet wird, eine Wiederholung der Seminare anzustreben. Die Gründe liegen auf der Hand, denn dieses Thema sollte nicht nur die Sachverständigen ansprechen, sondern im Besonderen die Händler unseres Verbandes, die ja oft im Schadenfall als erste angesprochen werden. Sie müssen Rede und Antwort stehen zu den Fragen:

Was ist überhaupt Osmose? - Wie kommt es zu Osmose ?

Eine Zusammenfassung der Diskussion wurde von Dipl. Ing. H.J. Adam, Mitglied im Arbeitskreis Sachverständige des BWVS für das Wassersportforum Deutschland erarbeitet.



Inhalt:





In diesem Bericht soll eine Zusammenfassung der Seminare zum Thema Osmose erfolgen und Ergänzendes seinen Niederschlag finden.

Osmose - ein Schreckgespenst der GFK-Neuzeit?

Keinesfalls!

Genau wie die Krankheit Krebs kein Erscheinungsbild des 20. Jahrhunderts ist, genauso wenig ist Osmose eine GFK-Krankheit der letzten Jahre.

Zwei Hinweise sollen dies bestätigen.

1.) Nachstehender Auszug aus dem Lexikon des Bertelsmannverlages von 1964, also vor fast 30 Jahren:

"Osmose (grch.), das Hindurchwandern von Flüssigkeit infolge - Diffusion durch eine halbdurchlässige (semipermeable) Trennwand (-Diaphragma:z.B. unglasierter Ton, Pergamentpapier), die zwei Flüssigkeiten (bzw.) Lösungen verschiedener Konzentration) trennt u. nur für eine Flüssigkeit (bzw. ein Lösungsmittel: nicht aber für den gelösten Stoff) durchlässig ist. So findet z.B. bei Zuckerwasser u. reinem Wasser eine Diffusion zur konzentrierten Lösung hin statt (einseitige O.); infolgedessen nimmt dort die Flüssigkeitsmenge so lange zu, bis der entstehende hydrostat. Druck dem osmotischen Druck (Überdruck, der durch die diffundierende Flüssigkeit hervorgerufen wird) das Gleichgewicht erhält. Dieser Druck kann mit Hilfe der sog. "Pfefferschen Zelle" gemessen werden. Die O. ist für die Stoffwechselvorgänge von großer Bedeutung, weil die äußeren Schichten vieler pflanzlicher u. tierischer Zellen halbdurchlässige Membranen darstellen." (Ende des Auszuges)

2.) Der unter vor genannte Hinweis auf die "Pfeffersche Zelle" als Prüfinstrument zur Messung des osmotischen Druckes wurde von Wilhelm Pfeffer (1845-1920) also im 19. Jahrhundert entwickelt.

Im nachstehenden soll nun versucht werden, in möglichst einfachen Darlegungen Osmose und seine Entstehung sowie eine erfolgreiche Vorsorgebehandlung zu besprechen.



Osmose - erklärt an der Pfefferschen Zelle

Osmose entsteht durch die Anziehung von Flüssigkeit oder Feuchte niedriger Dichte durch Flüssigkeit oder Feuchte höherer Dichte.

Ohne diesen physikalischen Vorgang in der Natur könnten unsere Bäume nicht leben. Die im Baum befindliche Feuchte höherer Dichte zieht die Feuchte niedrigerer Dichte bis in die Blätter, wo sie dann verdunstet. Die Wurzeln saugen das Wasser aus dem Boden und der Wassernährstoff steigt als Lösung im Stamm auf. Es entsteht ein Konzentrationsgefälle.

Flüssigkeiten höherer Dichte sind meist Lösungen.

In geschlossenen Systemen entstehen in den mit Lösungen gefüllten Hohlräumen (Blasen), die eine Ausdehnung nicht zulassen, osmotische Druckverhältnisse, die an der Pfefferschen Zelle erklärt werden.

In einen unglasierten Tontopf (Membrane) wird eine Lösung (Flüssigkeit höherer Dichte) gefüllt, eine Glasröhre eingeführt und die übrige Öffnung abgedichtet. Diesen Topf stellt man in einen Behälter mit Leitungswasser (Flüssigkeit niedrigerer Dichte). Nach einem gewissen Zeitablauf dringt das Leitungswasser durch den Tontopf und erzeugt einen Druck (osmotischer Druck). Die Tonwand ist nur für das Lösungsmittel (Leitungswasser) durchlässig, nicht für die Lösung (z.B. Zuckerwasser). An der Glasröhre läßt sich infolge der Steigung der Lösung die Größe des osmotischen Drucks ablesen.

Übersetzen wir dies auf unsere Osmoseblase am GFK-Boot, so ist die

- Lösung in der Blase - die Flüssigkeit im Tonbehälter

- der unglasierte Tonbehälter - die Gelcoatschicht (Membrane)

- der Flüssigkeitsbehälter - die umgebende Flüssigkeit

mit seiner Flüssigkeit niedrigerer Dichte, deren Wasserdampfmoleküle durch das Gelcoat in die Blase eindringen

Es fehlt die Glasröhre - das Druckventil.

Wir kommen damit zu 3 möglichen Betrachtungsweisen:

- Hätte die Osmoseblase die Möglichkeit des Druckausgleichs (Ventil), so wäre eine Ausbeulung im Gelcoat nicht möglich.

oder

- Blasenflüssigkeit und Umgebungsflüssigkeit sind Flüssigkeiten gleicher Dichte, sie lassen damit keinen Druckaufbau zu (isotone Lösungen).

oder

- Die Membranwirkung des Gelcoats wird durch eine nichtwasserdurchlässige Grenzschicht ersetzt. Ein Druckaufbau wird dadurch verhindert (z. B. Epoxid).

Die Schädigung des Laminats durch die in der Blase befindliche Lösung wird nicht verhindert. Dies kann nur durch eine vollkommene Austrocknung bewirkt werden.



Osmose und ihre Abhängigkeit vom Fahrgebiet

Verdeutlichen wir uns nochmal die Begriffe

- Feuchte niedrigerer Dichte

- Feuchte höherer Dichte

Wasser [H2O - 20°C] hat eine Dichte von 0,9982 g/cm³

Wasser [H2O - 22°C] hat eine Dichte von 0,9978 g/cm³

Hieraus läßt sich

- in Abhängigkeit vom Fahrgebiet und von der

- Dichte der Umgebungsflüssigkeit des Bootes

der Leitsatz formulieren:

Je wärmer die Umgebungsflüssigkeit, je niedrigerer deren Dichte, je größer die Osmosegefahr!

womit erklärt ist, warum die Osmosegefahr im Mittelmeer etwa doppelt so groß ist wie an Ost- und Nordsee und in der Karibik etwa doppelt so groß wie im Mittelmeer.

Die Dichte einer Flüssigkeit (oder Lösung) läßt sich mit dem

- Aräometer bzw. dem

- Pyknometer, sofern diese Frage relevant ist, ermitteln.



Wie entsteht nun Osmose?

Bei der Herstellung des Bootsrumpfes wird theoretisch davon ausgegangen, daß das Laminieren des Rumpfes, ob im Handauflegeverfahren oder im Spritzverfahren, blasenfrei geschieht, also ohne Lufteinschlüsse. Dafür verantwortlich zeichnen neben den gewählten Materialien die Laminierer und deren Qualitätsprüfer. Die Gesamtverantwortung trägt selbstverständlich der, der das kaum alles beaufsichtigen kann, der Hersteller. Versuchen Sie mal eine der üblichen Plastikfolien blasenfrei auf die Scheibe Ihres Autos zu kleben! Über minimale Blasenbildungen, die kaum zu sehen sind, gehen Sie großzügig hinweg. Ihr Verbleiben schadet ja Niemandem. Diese Darstellung sollte auch nur dazu dienen, um aufzuzeigen, wie schwer die Erstellung eines blasenfreien Laminats ist. Viel wichtiger ist die Flüssigkeitsfreihaltung dieser meist Mikroblasen von Lösungen und Weichmachern, um damit einen osmotischen Druckaufbau zu verhindern.

Bild 1   Großbild klick!

Mehr noch jedoch plagt uns die Blasenentwicklung zwischen Laminat und Gelcoat, deren Entstehung aus Bild 1 zu ersehen ist.

Hier liegt überwiegend die Brutstätte der Entstehungsgeschichte "Osmose"! Eine zwischen Gelcoatschicht und Laminat entstandene Blase ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, deren Substanz im allgemeinen aus chemischen Restbeständen von Harzanteilen, Härtern und Lösungsmitteln oder Weichmachern besteht.

Diese Flüssigkeit hat, und dafür braucht man erst gar nicht eine Dichtemessung durchzuführen, eine hohe Dichte. Die Umgebungsfeuchtigkeit ist bei Booten, die im Wasser liegen, im Unterwasserbereich bei Fluß- oder Seewasser aufgrund ihres Salzgehaltes und der Wassertemperatur eine Feuchte mit einer niedrigeren Dichte. Bei aufgepallten Schiffen ist die Situation durch den Feuchtigkeitsgehalt der Luft (allerdings mit einer zeitlichen Verzögerung) nicht wesentlich anders.

Nach dem Gesetz der Pfefferschen Zelle, wie vor dargestellt, zieht die Blasenflüssigkeit Lösung hoher Dichte) durch das nicht wasserdichte Gelcoat(Membrane) die Umgebungswasserdampfmoleküle nach und vermischt sie mit der Blasenlösung.

Um der nachdrückenden Umgebungsfeuchte Platz zu schaffen, muß sich die Blase zwangsläufig vergrößern und ausbreiten. Entweder findet eine größer werdende Gelcoatabsetzung vom Laminat statt oder die Blase platzt, da der Druckaufbau im Inneren der Blase zu groß wurde.

Dieser Vorgang kann unter Umständen mehrere Jahre dauern, verschiedentlich tritt er auch schon bereits nach 2 - 3 Jahren auf. Hierbei spielt der Dichteunterschied zwischen Blasenlösung und Umgebungsfeuchte eine wesentliche Rolle, der in wärmeren Zonen groß ist.

Hier liegt auch die Erklärung, weshalb Boote in der Nordsee geringer osmoseanfällig sind.

Man könnte daraus schließen, daß durch Umwelteinflüsse stark verschmutztes Wasser der Nordsee durch den dadurch entstehenden höheren Dichtewert näher am Dichtewert der Blasenlösung liegt und dadurch zu einer weiteren Verringerung der Osmoseanfällig-keit führen. Allerdings treten dann andere Gefahren für Boot und insbesondere für die Crew auf, so daß ich diesen Hinweis nur rein theoretisch betrachten möchte.

Auf die rein chemischen Vorgänge des Umwandlungsprozesses der Blasenlösung durch Herstellungsmängel und ungenügender Materialwahl möchte ich nicht weiter eingehen, da hierüber ausreichende Informtionsbroschüren insbesondere der Farben- und konststoffverarbeitendes Industrie vorliegen.

(siehe Literaturverzeichnis).





Die Erkenntnis aus Vorstehendem!

- Wir sind auf die qualifizierte Fachkraft angewiesen, die ohne Pfusch nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet.

- Lufteinschlüsse können nicht ausgeschlossen werden.



Osmose erkennen und beurteilen

Seit dem GFK mit Osmose konfrontiert wird, geht es dem Patienten etwas schlechter, obwohl bei der Anwendung der richtigen Heilmethode dazu überhaupt kein Grund besteht, wie wir später sehen werden.

Aber vorweg Grundsätzliches zum Herstellungsvorgang.

Die Qualitätssicherung von Kunststofferzeugnissen und die Wareneingangskontrollen zu verarbeitender Rohstoffe, Halbzeuge und Hilfsstoffe sind als wichtiger Teil des Produktionspro-zesses zu sehen. Wir werden nicht umhin kommen, im Zuge der europäischen Qualitätsharmonisierung (ISO 9000, DIN EN 45.001) uns mit geprüften Qualitätsstandards auseinanderzusetzen, die zumindest im europäischen Raum durch Akkreditierung von Prüfinstituten und Zertifizierung von Waren und Produkten mehr Sicherheit für Endverbraucher und Endverarbeiter bringen. Für die Prüfung von GFK-Bauteilen kennen wir, wie auch in anderen Bereichen der Technik, die

- zerstörungsfreie Prüfung (ZfP)

- zerstörungsarme Prüfung (ZaP)

- zerstörende Prüfung (ZP)

Zur Feststellung von Osmose im Rumpfbereich des Bootes wenden wir in erster Linie die zerstörungsfreie bzw. zerstörungsarme Prüfmethode an. Hierzu zählen:

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- Die ZfP von Feuchtigkeit mit Feuchtigkeitsmeßgeräten direkt nach Aufpallen des Bootes an Land. Da Feuchtemessungen nicht nur bei Booten durchgeführt werden, sondern auch bei einer Reihe von anderen Stoffen z.B. Baustoffen, hat die Meß- und Regeltechnik eine Vielzahl von Feuchtemeßgeräten anzubieten. Die Meßgenauigkeit sollte man nicht überbewerten. Darum verwende man solche Geräte auch nur zu Korrespondenzmessungen d.h. zu vergleichenden Messungen an möglichst vielen Stellen des Rumpfes, insbesondere in Bereichen, die dauernd mit Wasser in Verbindung sind zu Bereichen, die sich mehr im Trockenen befinden.




(Unterwasserbereich zu Überwasserbereich)

Große Meßunterschiede deuten meist auf feuchte Stellen im Rumpf hin. Dies könnte dann auf Osmose schließen lassen. Die Gefahr der Meßungenauigkeit liegt hier bei dem nicht satten Aufliegen der Meßfläche, so daß bei Luftfeuchtigkeit diese mitgemessen wird. Bei hohen Meßunterschieden ist eine weitergehende Untersuchung erforderlich.

- Die ZfP mit dem Röntgengerät. Die Fa. Philips bietet hier die Röntgenrückstreutechnik Com Scan an. Hiermit werden Hohlräume im Laminat durch schichtweises Messen erfaßt. Diese Prüfmethode wird im allgemeinen nur die Ausnahme sein.

- Die ZaP von Feuchtigkeit mit Hilfe der Transparentfolie an besonders dafür hergerichteten Stellen. Da eine Entfernung der Antifouling- und Gelcoatschicht erforderlich wird, müssen wir diese Prüfmethode zu den zerstörungsarmen zählen. Hier werden nach dem Slippen die vorbereiteten bis aufs Laminat freigelegten Probestellen mit einer Transparentfolie luftdicht abgeklebt und mit einem normalen Trockner angeföhnt. Bei vorhandener Feuchtigkeit im Bootsrumpf werden zwischen Folie und Laminat Wassertropfen sichtbar, die auf flüssigkeitsgefüllte Hohlstellen im Laminat hinweisen und eine Gefahr für Osmose sind.
Endoskopie   Großbild klick!
Alle vorgenannten Prüfmethoden weisen zuerst einmal nur Hohlstellen oder Feuchte nach. Sie sagen nichts aus über die Dichte der in der Hohlstelle sitzenden Flüssigkeit. Hierfür müssen andere Prüfmethoden herangezogen werden.

- Die ZaP mit Hilfe der Techno-Endoskopie läßt folgende Möglichkeiten der Kontrolle zu. Durch Bohren einer 3 - 6 mm großen Öffnung im Gelcoat wird ein kurzes 2 - 5 mm starkes Endoskop geführt, das eine vergrößerte Betrachtung des Hohlraumes mit anschließender Entnahme von Flüssigkeit zuläßt.

Die anschließende Hohlraumbetrachtung gibt Aufschluß über den Schädigungsgrad des Laminats und bei der entnommenen Flüssigkeit läßt sich mit Hilfe eines mobilen kleinen Wasserlabors der PH-Wert bestimmen. Bei PH-Werten unterhalb von 5 ist mit Osmose zu rech-nen. In Abhängigkeit vom Schaftdurchmesser des Endoskops kann die Hohlraumflüssigkeit direkt durch den Endoskopschaft angesaugt werden. Das Endoskop ist ein aus der Medizin stammendes Diagnose-gerät, das zwischenzeitlich auch in der Mikrochirurgie als Operationsgerät eingesetzt wird und dort z.B. bei Magen- und Darmuntersuchungen wegen seiner visuellen Betrachtungsgenauig-keit das Röntgen weitgehend ersetzt hat.

Es ist z.B. möglich, wie bei der nachstehenden Kernbohrung beschrieben, bei einer Durchbohrung des Laminats miroskopähnliche Aufnahmen von den Laminatschnittstellen wiederzugeben, aus denen sich Lufteinschlüsse im Laminat nachweisen lassen. Die Prüfungs-ergebnisse lassen sich durch Foto-Video- oder PC mit Farbdrucker dokumentieren

- Die zP durch Kernbohrung ist artverwandt mit der Techno-Endoskopie. Mit einem Kernbohrer wird ein Stück des Bootsrumpfes entnommen und die Schnittstellen zur mikroskopischen Betrachtung vorbereitet. Soweit es sich um kleine Bohrkerne handelt, könnte man diese Prüfmethode auch zu den ZaP einordnen. Das Ergebnis der Prüfung läßt sich, wie bei der Endoskopie beschrieben, über Foto-, Video- oder Farbdrucker wiedergeben.

Der Vollständigkeit halber wird auf weitere Prüfverfahren wie

- Ultraschall - Impuls/Echo-Verfahren

- Schallemissionsanalysen

- Thermographische Verfahren

- Holographische Interferometrie

- Moire - Verfahren

- Speckle - Verfahren

hingewiesen, die teilweise wegen ihrer Aufwendigkeit nur bei hochwertigen Konststoffproduktionen bei Qualitätsprüfungen eingesetzt werden.

Der Vollständigkeit halber wird auf weitere Prüfverfahren wie

- Ultraschall - Impuls/Echo-Verfahren

- Schallemissionsanalysen

- Thermographische Verfahren

- Holographische Interferometrie

- Moire - Verfahren

- Speckle - Verfahren

hingewiesen, die teilweise wegen ihrer Aufwendigkeit nur bei hochwertigen Konststoffproduktionen bei Qualitätsprüfungen eingesetzt werden.

Der Vollständigkeit halber wird auf weitere Prüfverfahren wie

- Ultraschall - Impuls/Echo-Verfahren

- Schallemissionsanalysen

- Thermographische Verfahren

- Holographische Interferometrie

- Moire - Verfahren

- Speckle - Verfahren

hingewiesen, die teilweise wegen ihrer Aufwendigkeit nur bei hochwertigen Konststoffproduktionen bei Qualitätsprüfungen eingesetzt werden.

Nun wird nicht überall die Anwendung vorstehender Prüfungen möglich sein. Darum sei auf die an sich einfache und schnelle visuelle Prüfmethode des Öffnens der Hohlraum- bzw. Blasenstelle besonders hingewiesen. Hierbei sollte vor Zerstörung der Blase die Blasenflüssigkeit mit einem kleinen Sauger (wie bei der Mikroskopie) entnommen und der PH-Wert gemessen werden. Das Ergebnis ist dann für die Osmosebeurteilung nach vorgenannten Maßstäben aussagefähig.

Auf die Laboruntersuchung bei Entnahme eines Probekörpers zwecks Feststellung aller Substanzen sei noch im Besonderen hingewiesen. Sie wird unter allen Prüfmethoden trotz ihrer absoluten Genauigkeit die Ausnahme bleiben und möglicherweise bei gerichtlichen Auseinandersetzungen das bevorzugte Verfahren sein.

Bei der Wiedergabe von Lösung und Lösungsmitteln habe ich mich bewußt allgemein gefaßt, da m.E. die Gewichtigkeit im Dichtewert der Blasenflüssigkeit und der Umgebungsfeuchte liegt und hier erkennen wir ganz schnell, daß bei Wasser (H2O - 20°C) = 0,9982g/cm³ vermischt mit Harz von einer Dichte von ~ 1,3 g/cm³ eine Lösung entsteht, die über der Dichte von Wasser liegt und damit eine chemische Veränderung hervorruft, die für den Druckaufbau in der Blase verantwortlich ist.

Diese Blasenflüssigkeit, die wie Essigsäure riecht und wie destilliertes Wasser wirkt, zu entfernen, ist Aufgabe der Osmosesanierung.

Eine Randerscheinung der Osmose ist die Dochtwirkung von der Blase oder von Rissen ausgehend. Hier saugt sich das Wasser an der Glasfaser entlang im Hohlraumbereich hoch.

Im Rißbereich selbst kann keine Osmose entstehen, da ein Druckaufbau nicht möglich ist.



Osmose vermeiden - behandeln!

Der Stand der Technik ist heute doch weiter als vor Jahren. Die Boots- und insbesondere die Farben- und Kunststoffindustrie hat auf dem Gebiet der Osmosebehandlung gute Forschungsergebnisse vorzuweisen, die hoffen lassen, daß bei strikter Einhaltung der Verarbeitungsanweisungen die Osmosegefahr weitgehend verringert wird. Hier scheint die Epoxidbehandlung z.Zt. noch der sicherere Weg zu sein, und es ist zu begrüßen, daß auf diesem Gebiet z.Zt. fleißig geforscht wird.

Wichtig ist die Verbesserung von Top- und Gelcoat, denn die Laminatverbesserung wird nach wie vor ein Herstellerproblem bleiben, da die Lufteinschlüsse, wenn auch nur unter dem Elektronenmikroskop erkennbar, das Problem sein werden.

Aber damit befindet sich der Baustoff GFK in bester Gesellschaft mit anderen Baustoffen. Fassaden-, Brücken- und Betonflächen wären alle einer viel größeren Zerstörung ausgesetzt, hätten wir nicht die Möglichkeit, sie mit Epoxid zu behandeln.

Soweit bei Booten keine Osmoseschäden erkennbar sind, kann man aus Sicherheitsgründen eine vorbeugende Osmosebehandlung - wie folgt - empfehlen:

- Entfernen des Antifoulinganstrichs

- Säubern mit einem Wachs- und Silikon-Lösungsmittel bis etwa 15 cm über der Wasserlinie

- 2. und 3. Säuberung wie vor zur Sicherheit für die Entfernung des letzten Restes von Trennlack und Trennwachs

- Oberfläche mit Schleifpapier aufrauhen bis die Oberfläche matt erscheint.

- Rumpf anwärmen - am einfachsten mit einer Wärmelampe

- Harz/Härter Mischung etwa 200 g pro Arbeitsgang bei einer Verarbeitungstemperatur von 15 - 20° anrühren

- Epoxidharzfilm mit einem Schaumroller dünn auftragen.

- Alle Luftblasen sofort danach ausstreichen.

Diese Arbeit sollte am besten durch einen 2. Mann erledigt werden.

- Wenn die erste Schicht klebrig wird, kann mit dem zweiten Anstrich begonnen werden.

- 3. bis 4. Anstrich wie vor - wenn machbar - innerhalb eines Tages ohne weiteres Anschleifen aufbringen.

- Liegen zwischen den einzelnen Anstrichen Tage, so muß mit einem Schleifpapier leicht zwischengeschliffen werden.

- Beim letzten Anstrich weißes Pigment beimischen zur besseren Kontrolle des Antifoulinganstriches. (Kontrollschliff)

- Nach mind. 24 Stunden Aushärtezeit Oberfläche zur Aufnahme des Antifoulinganstriches mit Naßschleifpapier aufrauhen.

- Mit diesen Arbeiten sollte man tunlichst eine erfahrene Fachfirma beauftragen.



Reparatur von Feinschichtblasen

- Entfernen des Antifoulinganstrichs

- Bootsrumpf aufrauhen und Blasen durch Schleifen öffnen.

- Austrocknen der Blasenöffnungen

- Alle Unterwasserfarbanstriche auf sorgfältige Entfernung prüfen.

- Rumpf mehrmals mit Süßwsser abwaschen.

- Mindestens 2 Wochen Austrocknungszeit

besser:

Herbst: Blasen öffnen und Unterwasserfarbe entfernen Frühjahr: Reparatur

- In besonderen Fällen Feinschicht bei plakativen Blasenbildungen bis zur Wasserlinie abschleifen.

- Bei tiefliegenden Blasen die Hohlräume mit Epoxidharz mit Pinsel austupfen.

- Spachtelmasse mit leichtem Füllstoff in Erbsengröße mit Gummi- oder Plastiksspachtel in Hohlräume füllen.

Im übrigen dann Fortsetzung wie unter vorbeugende Maßnahmen beschrieben.

Auf andere detaillierte Osmose-Reparatursystem-Beschreibungen wird im besonderen hingewiesen, die bei fast allen bekannten Farbenherstellern zu erhalten sind. Ein Literaturhinweis erfolgt im Anschluß.

Schlußbetrachtung!

Wer als Bootskäufer Osmosebefall garantiert ausgeschaltet haben möchte, sollte die Kosten für eine vorbeugende Behandlung nicht scheuen. Insbesondere sind Werften und Händler gut beraten, wenn sie ihren Kunden die Problematik fach- und sachkundig erläutern und auf die erheblich höheren Kosten einer späteren Sanierung hinweisen. Die Garantieübernahme wird dadurch erleichtert.

Dipl. Ing. H.J. Adam

Mitglied im Arbeitskreis Sachverständige ( AKSV ) im BWVS



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Literaturhinweise:

- Konstruktionsgrundlagen für Faserverbundbauteile von H.W. Bergmann - Springer Verlag 1992

- DIN-Taschenbuch Nr. 48 - Kunststoffe, chemische und optische Gebrauchseigenschaften, Verarbeitungseigenschaften Beuth Verlag 1988

- Mathematik in der Kunststoffverarbeitung von Wolfgang Nauendorf - Vogel Fachbuchverlag 1985

- Osmose-Behandlung von Tony Staton Bevan (in deutsch bearb. u. übers. von F.P. Plaschke) Verlag Klasing & Co. 1992

- Kunststoffboote Reparatur und Wartung der Fa. Gougeon Brothers Inc., Amerika über M.u.H. von der Linden - West System Importeur

- Wie man Osmoseschäden bei Sportbooten verhindert und beseitigt von der Vosschemie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Boots- und Schiffsbauerverband

- Spezialbroschüren über Osmose-Reparatursystemebeschreibungen der Fa. International, Sikkens West-System, Vosschemie u.a.

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich an den AKSV des BWVS.





Weblinks:
Osmose (allgemein) in Wikipedia


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Schlagwörter: Osmose, GFK-Rumpf, Gelcoat, Segeln, Information für Segler, Arbeitskreis der Sachverständigen


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