Wetter: die Siebenschläfer-Regel
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    Wetter: Die Siebenschläfer-Regel

    von Peter O. Walter






    Nach den alten Bauernregeln ist das Wetter am 27. Juni, dem so genannten Siebenschläfertag, Omen für den ganzen Sommer. «Ist Siebenschläfertag ein Regentag, regnet's noch sieben Wochen danach», heißt die Regel oder auch: «Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, so regnet's sieben ganze Wochen.»

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    Siebenschläfer-Höhle in Ephesus
    Der Siebenschläfertag ist im kirchlichen Namenskalender sieben Jünglingen aus Ephesus gewidmet: Sieben Brüder, Christen und Schafhirten aus Ephesus, wurden ihres Glaubens wegen verfolgt, flohen in eine Höhle und wurden auf Befehl des Kaisers Decius im Jahr 251 eingemauert.
    Ihre Namen werden als Maximian, Malchus, Martinian, Dionysius, Johannes, Serapion und Constantin überliefert.
    Im Jahr 447 wollte ein Bürger die Höhle als Schafstall benutzen und ließ das Mauerwerk entfernen. Die Brüder erwachten, einer lief, um Brot zu holen; er kannte niemanden mehr in der inzwischen christlich gewordenen Stadt und gab dem erstaunten Bäcker eine Goldmünze mit dem Bild von Kaiser Decius zur Bezahlung. Da ging der Bischof mit den erstaunten Bürgern zur Höhle und fand alle Brüder lebend vor.
    Die Grotte der sieben Schläfer wird heute im Ruinengelände von Ephesus gezeigt.

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    Der Siebenschläfer
    Nichts zu tun hat der kalendarische Siebenschläfer mit der gleichnamigen Schlafmaus, der man nachsagt, dass sie von den zwölf Monaten des Jahres sieben verschlafe.

    Die bäuerliche Siebenschläferregel wird auch von Meteorologen nicht einfach abgetan:
    Der Berliner Meteorologe Horst Malberg hat über 400 Bauernregeln auf ihre Gültigkeit hin untersucht und ist dabei zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen: In 80 bis 100 Prozent der Fälle treffen die kurzfristigen Wettervorhersagen unserer Vorfahren ein. Hinsichtlich der Naturbeobachtung dürften uns unsere Vorfahren also weit überlegen gewesen sein.
    Für die Wetterregeln suchte Malberg physikalische Erklärungen. Um überlieferte Witterungsregeln zu überprüfen, wertete der Meteorologe Wetterdaten aus fast 200 Jahren aus. Sein Ergebnis: Die durchschnittliche Witterungsregel besitzt eine "Trefferquote" von rund 67 Prozent. Derartige Bauernregeln führen also immerhin in zwei von drei Fällen zur richtigen Prognose.

    Die Siebenschläferregel zählt zu den Singularitäten, wie regelmäßig sich wiederholende Wetterlagen im Jahresablauf bezeichnet werden. Die Regel für den 27. Juni weist eine erstaunlich hohe Treffsicherheit auf: Für Berlin zum Beispiel stimmte sie in 55 von 80 Jahren. Allerdings schränken Experten ein, dass das Wetter an einem einzigen Tag und noch dazu in jedem Jahr an demselben Datum nicht maßgeblich für das Wetter eines ganzen Zeitabschnitts sein könne. Und tatsächlich fällt das Wetter der folgenden sieben Wochen in fast zwei von drei Fällen (63 Prozent) ähnlich aus wie Ende Juni, Anfang Juli. In diesem Zeitraum stabilisiert sich die Wetterlage über Europa. Dann entscheidet sich, ob unser Sommerwetter vorwiegend durch warme südliche oder kalte nördliche Luftströmungen beeinflußt wird.

    Allerdings ist nicht der 27. Juni, sondern erst der 5. Juli der Stichtag für die Siebenschläferregel: Papst Gregor XIII. ließ im Jahr 1582 zur Korrektur des bis dahin gültigen Julianischen Kalenders von einem Tag auf den anderen zehn Kalendertage überspringen, so dass auf den 4. Oktober nicht der 5., sondern direkt der 15. Oktober folgte. Daher müssten eigentlich auch die meisten Bauernregeln bis zu zehn Tage nach hinten geschoben werden.
    Richtet man die Langfristprognose nach diesem Zeitraum, erhöht sich die Treffergenauigkeit sogar auf über 70 Prozent!
    Jedoch spielt hier - ich habe das vorhin bereits angedeutet - auch der Zeitpunkt der Entstehung der Bauernregeln eine Rolle:
    - Die Ursprünge der Wetter-Weisheiten lassen sich bis ins 9. Jahrhundert nach Christus zurückverfolgen. Die meisten Sprüche dürften aber aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen. Die früheste gedruckte Sammlung von Bauernregeln in deutscher Sprache findet sich im "Wetterbüchlein" von R. Reynmanns aus dem Jahre 1505.
    Da es also wahrscheinlich ist, dass die Siebenschläferregel vor 1582 entstanden ist, gilt die Verschiebung um etwa 10 Tage. Interessant in dem Zusammenhang: Der Gregorianische Kalender wurde übrigens von den evangelischen Ländern erst nach 1700(!) übernommen.
    - Die Entstehung der Bauernregeln setzt eine langjährige und systematische Wetterbeobachtung und schriftliche Aufzeichnungen voraus. Das wiederum deutet darauf hin, dass diese Regeln - zumindest nicht allein - im bäuerlichen Milieu der damaligen Zeit entstanden sein können, denn dort war man des Lesens und Schreibens nicht mächtig. Eher könnten sie im klösterlichen Bereich des Mittelalters entstanden sein. Darauf deuten auch die vielen christlichen Bezüge (Heiligen-Namenstage) hin.

    Eines muss allerdings bei allen Bauernregeln beachtet werden: Nur dort, wo sie ihren Ursprung oder ihre langfristig beobachtete Heimat haben, treffen sie auch zu! Die Trefferqoute von 80 Prozent (gegenüber 67 Prozent im Norden) weist darauf hin, dass diese Regel möglicherweise im Süden Deutschlands entstanden sein dürfte.

    „DER SPIEGEL” (23/2000, S. 228) weiß zu berichten: "Diese Bauernregel bewahrheitet sich im kontinentalen Süddeutschland in acht von zehn Sommern; im küstennahen Norden erreicht sie immerhin noch eine Trefferquote von 67 Prozent”. Und, es wäre nicht der SPIEGEL, wüsste er nicht auch warum: „Zwei unversöhnliche Kontrahenten werden Ende Juni über Deutschland aufeinander prallen. Aus dem Norden drängt polare Kaltluft vor; aus dem Süden hält tropische Warmluft dagegen. Der Verlauf der Front wird den Sommer bestimmen. Liegt sie hoch im Norden, dann beglücken später Azorenhochs die Deutschen. Befindet sie sich tiefer im Süden, schicken Islandtiefs ihre Ausläufer in hiesige Breiten." Dies haben die Bauern früher nicht gewusst, ebenso wenig wie die Begriffe Klimatologie oder Meteorologie. Aber sie haben ihre Erfahrungen gesammelt und ausgewertet und daraus Regeln gebildet, die sich als Spruchweisheit in über 1.000 - und nicht in bloß 460 Beispielen wie der SPIEGEL meint - erhalten haben.



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