EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Die Westindienreise des Segelschulschiffs "Großherzogin Elisabeth"
im Jahr 1906 - 07
Reisebericht des Kapitäns Richard Dressler
Auswertung der Manuskripte 10/2004
Richard Dressler - Walluf
|
Am 20. morgens wehte es noch einmal für mehrere Stunden schwach aus dem Südost Quadranten, dann aber folgten im Logg-Buch für die Tage bis zum 24. Eintragungen über flaue und leichte westliche bis südwestliche Winde, die mit Stillen und Mallungen - umlaufende, flaue veränderliche Winde - sich abwechselten und häufige Regenböen brachten, die wenig Wind, aber nicht viel Wasser enthielten . Am 21. und 22. war es meist gänzlich still.
Der deutsche Schulschiff - Verein war eine Gründung deutscher Reedereien. Sein Zweck war die Ausbildung des Nachwuchses von Kapitänen, Offizieren und anderem seemännischen Personal für die deutschen Handelsschiffe. Als beste Ausbildung sah man die auf einem Segelschiff genossene an. Der Verein besaß zunächst nur ein solches, die schon erwähnte "Großherzogin Elisabeth". Im Jahre 1910 kam dann die "Prinzessin Eitel Friedrich" und 1914 die "Großherzog Friedrich August" hinzu. Mein Vater bekam jeweils das jüngste dieser Schiffe als Kapitän. Bei den beiden letzten führte er auch die Bauaufsicht. Die Namensgebung erklärt sich daraus, dass der Großherzog von Oldenburg der Protektor des Vereins war und der Heimathafen der Schiffe direkt an der Weser in Oldenburg lag. Die drei Schulschiffe waren in ihrer Bauart fast gleich, ca. 75 Meter lang und ca. 13 Meter breit und waren mit ca. 1500 bis 1600 BRT vermessen. Die beiden älteren Schiffe besaßen keine Hilfsmotoren, waren also ausschließlich auf ihre Segel angewiesen. Sie waren als Vollschiffe getakelt. Das heißt alle drei Masten trugen Raaen. Die "Großherzog Friedrich August" hatte einen Hilfsmotor und war als Bark getakelt. Die Stärke der Besatzung betrug bei der "Großherzogin Elisabeth" ca. 200, bei der "Prinzessin Eitel Friedrich" ca. 235 und bei der "Großherzog Friedrich August" ca. 250 Köpfe, davon jeweils ca. 30 bis 35 Köpfe Stammpersonal einschließlich Offiziere, der Rest waren Kadetten, Leichtmatrosen und Schiffjungen in der Ausbildung. Im Mai jeden Jahres traten die Schiffe die Sommerreise in die Nord- und Ostsee an und liefen verschiedene Häfen in den anliegenden Ländern an, im Sommer vor allem Plätze an der deutschen Ostseeküste. Im September erfolgte dann die Rückkehr nach Bremerhaven oder Elsfleth, um die Winterreisen vorzubereiten. Ziel dieser Reisen waren die mittelamerikanischen Inseln, deren Gewässer sich klimatisch und verkehrsmäßig am besten für die Ausbildung eigneten, wenn in Nordeuropa die Winterstürme tobten.